17.03.2021 - 13:31 Uhr
FichtelbergOberpfalz

Große Pläne für Schamotte-Gelände

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Das ehemalige Schamotte-Gelände in der Fichtelberger Heinrich-Lindner-Straße mit seiner bewegten Vergangenheit soll etwas von seiner einstigen Strahlkraft zurückbekommen. Die ersten Schritte Richtung Realisierung sind gemacht.

Eine historische Aufnahme des Herrenhauses.
von Gisela KuhbandnerProfil

In akribischer Kleinarbeit, mit viel Fachwissen und mit aussagekräftigen Fotos hat Heimatforscher Frank Unterburger die Geschichte aufgearbeitet – vom Hochofen mit Bergamt und Brauerei, über Glasschmelze und Schamottewerk – zur Vorlage auch bei den verantwortlichen Behörden.

Seit 20 Jahren steht das Areal leer, vor sechs Jahren kaufte es die Gemeinde. Für Bürgermeister Sebastian Voit ist es ein Herzensanliegen, „dass endlich etwas vorangeht“, sagt er. Das Herrenhaus möchte er mit Leben erfüllen. Dabei denkt er an ein Bürger-Café, vielleicht auch an einen Raum für Kleinkunst. Einen Park auf dem Gelände kann er sich gut vorstellen, ebenso einen Biergarten vor der Brauerei, der reaktiviert werden könnte. „Es soll ein Platz werden, an dem sich alle wohlfühlen“, blickt der Rathauschef schon fast euphorisch in die Zukunft.

Im Oktober hatten Begehungen mit dem Bürgermeister, dem Landratsamt, der Regierung von Oberfranken und der Denkmalschutzbehörde, die das Gelände als "wahren Schatz“ bezeichnet, und dem Heimatforscher stattgefunden, die ersten Maßnahmen wurden genehmigt und mit 90 Prozent Zuschuss gefördert.

Notdach fürs Herrenhaus

Im vergangenen Jahr war bereits eine Betonmauer abgerissen worden, die auf das Herrenhaus zu fallen drohte. Dahinter verborgen war eine historische Mauer, die jetzt auch abgesichert ist. Das Herrenhaus bekam ein Notdach.

In der vergangenen Woche wurde das Bürogebäude zwischen Herrenhaus und Bergamt (heute Brauhaus Max Lindner) abgerissen. Das Fundament bleibt, da der Boden wegen eventueller Altlasten versiegelt bleiben muss. Jetzt ist auch das Herrenhaus wieder im Blickpunkt.

Als nächster Schritt wird ein Kommunales Denkmalschutzkonzept, das in mehrere Module unterteilt ist, erstellt. Dabei geht es darum, welche Gebäude neben Brauhaus, Brauerei und Herrenhaus noch von historischer Bedeutung sind und erhalten werden sollen. Danach werden sich die verantwortlichen Gremien mit der Frage befassen, was nach Abriss der restlichen Gebäude passiert und wie das Areal dann hauptsächlich nachhaltig genutzt werden könne.

„Sicher ist, dass das Areal wieder etwas von seiner damaligen hohen Bedeutung zurückbekommen wird.“

Bürgermeister Sebastian Voit und Heimatforscher Frank Unterburger

„Eines der wichtigsten Dinge wird aber die Sanierung des Herrenhaus-Daches sein“, informiert Frank Unterburger, da es - wie er betont - „ohne Dach kein gesundes Haus“ gibt.

„Sicher ist, dass das Areal wieder etwas von seiner damaligen hohen Bedeutung zurückbekommen wird“, sind Bürgermeister und Heimatforscher überzeugt, „auch wenn es derzeit noch unter einem tristen Schleier liegt“.

Aus der Geschichte

Heimatforscher Frank Unterburger erzählt aus der bewegten Vergangenheit: Anfang des 17. Jahrhunderts (circa 1608) entstand auf dem Areal um Herrenhaus und Brauhaus (damaliges Bergamt) neben dem Hochofen im Ortsteil Neubau ein zweiter Hochofen. Hier wurde das Eisenerz, das man in den Gruben des Gleißinger Fels fand, zu Roheisen verhüttet. Die gute Qualität des Eisens sprach sich herum. Erfahrene Bergmänner und Arbeiter für das Berg- und Hüttenamt kamen sogar aus Tirol und siedelten sich in Fichtelberg an.

Weiterverarbeitet wurde das Eisen zu Kanonenkugeln, Granaten und wahrscheinlich auch Kanonen noch direkt vor Ort, zu Draht und Handwerksgegenständen am Zainhammer (zwischen Fichtelberg und Neubau), zu Harnischblech für Rüstungen am Oberlinder Hammer (heute in Fichtelberg, Poststraße) sowie zu Kunstgegenständen, für die 1680 errichtete Mariensäule, religiöse Figuren, Grabkreuze, Marterlkreuze und vielem mehr.

„Es soll ein Platz werden, an dem sich alle wohlfühlen.“

Bürgermeister Sebastian Voit

Das Fichtelberger Eisen wurde auch zu Rohren geschmiedet und vor allem in Fortschau bei Kemnath zu Handfeuerwaffen weiterverarbeitet. Mitte des 19. Jahrhunderts verlor das Berg- und Hüttenamt immer mehr an Bedeutung, bis schließlich 1859 der Betrieb dann endgültig eingestellt wurde. Bis zur vollständigen Abwicklung 1865 blieb das Berg- und Hüttenamt noch bestehen.

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Ebnath

Seit 1826 war der Plößberger Andreas Lindner Braumeister in Fichtelberg. Er erwarb die Werksgebäude samt Herrenhaus und dem ehemaligen Bergamt. Das Bergamt wurde Brauhaus. Die Brauerei wurde danach von mehreren Generationen der Familie Lindner weiterbetrieben.

Südlich des Herrenhauses gründeten 1867 Andreas' Söhne, Sigmund und Johann, die Glasperlenfabrik Gebrüder Lindner. Hier wurde dann anfangs Antik- und Spiegelglas hergestellt. Sigmund war zu der Zeit bereits Glasperlenfabrikant in Warmensteinach (heute Firma Sili). Sigmunds Sohn, Heinrich Lindner, schaffte es, die Firma durch die Herstellung von Glashafen sehr bekannt zu machen. Er selbst war einer der größten Industriellen in Deutschland und wurde sogar zum Kommerzienrat ernannt. Er sicherte sich große Vorkommen an Ton bei Rakonitz (Tschechien). Heinrich Lindner gründete 1883 das sog. "Eisenbahnbaukomitee Fichtelberg". Er schaffte es, mit anderen einflussreichen Personen, die Eisenbahnlinie Neusorg-Fichtelberg bauen zu lassen. Ab 1910 lieferte die Firma Lindner Schmelztiegel weltweit. 1998 wurde der Betrieb eingestellt.

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