18.11.2018 - 15:03 Uhr
FlossOberpfalz

Begeisterung statt Politikverdrossenheit

„Wenn eine Volkspartei ein Jubiläum feiert, dann ist das immer ein Grund zum Feiern für alle im Ort.“ Unter diesem Motto blickte die Flosser CSU auf ihre 70-jährige Geschichte zurück und feierte nicht nur mit den eigenen Parteifreunden.

Erich Schieder (vorne, von links), Josef Schaller und Waltraud Stangl (nicht im Bild) sind neue Ehrenmitglieder der CSU Floß. Kreisvorsitzender Stephan Oetzinger (hinten, von links), Landrat Andreas Meier, Ortsvorsitzender Sebastian Kitta und Festleiter Armin Betz gratulierten.
von Benedikt GrimmProfil

Die Ursprünge der Flosser CSU im Jahr 1948 mögen wenig spektakulär klingen. Anton Witt, Max Weigl, Hans Bergmann, Josef Gerstl, Leonhard Stahl und Josef Stangl, die Gründungsväter des Ortsverbandes, hatten sich die „politische Information“ der Bürger zum Ziel gesetzt. „Brauchen wir dafür wirklich noch Parteien? In Zeiten, wo jeder Einzelne rund um die Uhr mit Informationen überflutet wird und jede Information jederzeit und rasend schnell um den Globus verfügbar ist?“, fragte Armin Betz, um gleich darauf sein klares Ja zu untermauern. „Ehrlichkeit statt Fake-News, Vertrauen statt billige Polemik“, nennt Betz die Maximen.

Die Parteien, gerade auch auf kommunaler Ebene, seien zuvorderst gefragt, um Vertrauen zu schaffen und Versprechen einzuhalten. Dabei gehe es um nicht weniger als um den Schutz und die Stärkung der Demokratie, die aktive Beteiligung der Bürger an der politischen Willensbildung. „Aber mein Eindruck ist, dass dieses kostbare Gut – alle können sich engagieren, alle können etwas verändern – in den letzten Jahren allgemein etwas in den Hintergrund geraten ist.“ Politiker seien für manche „Die da oben“ und ohnehin nur auf ihren eigenen Vorteil aus. Politikverdrossenheit habe sich breitgemacht und dazu geführt, dass Extreme in die Parlamente eingezogen sind. Ein Umstand, den auch Landrat Andreas Meier in seinem Grußwort anriss: „Wir haben in den letzten Jahren des Paradieses vielleicht ein bisschen vergessen zu schauen, ob es auch Schattenseiten gibt“, sagte der stellvertretende CSU-Bezirksvorsitzende.

„Wir müssen wieder Begeisterung auslösen, statt Resignation zu akzeptieren. Wir müssen es schaffen, schon die jungen Leute für die aktive Bürgergesellschaft zu motivieren und die Bereitschaft zur Übernahme von Verantwortung fördern“, betonte Betz, der in einer tiefgründigen und dennoch kurzweiligen Festrede die Entstehungsgeschichte der Flosser Schwarzen skizzierte. Zur Feier im evangelischen Gemeindehaus waren neben Landrat Meier, Landtagsabgeordnetem Stephan Oetzinger und Tobias Reiß auch Vertreter der Flosser SPD um Bürgermeister Günter Stich und Vize-Rathauschef Oliver Mutterer von der FDP gekommen. Ebenso waren Vertreter aller Flosser Vereine geladen. „Uns ist wichtig, dass auch Menschen mitfeiern, die der CSU politisch möglicherweise nicht besonders nahe stehen, aber doch wissen: Demokratische Parteien sind wichtig. Sie sind die wichtigste Säule unserer freien Gesellschaft“, betonte Betz.

Freilich gäbe es auch Streit und Meinungsverschiedenheiten, aber das sei auch gut. „Streiten ist wichtig, denn nur so kann der Bürger Unterschiede erkennen und denjenigen wählen oder unterstützen, der seine Meinung am ähnlichsten vertritt. Streit darf jedoch nicht dazu führend, dass am Ende keine Gespräche mehr stattfinden“, sagte Betz, der 1989 in die Junge Union eingetreten war. Seitdem habe er immer wieder erleben dürfen, dass sich ganz konkret Dinge verändern und gestalten ließen. Als Paradebeispiel erinnerte er an die Neugestaltung der Ortsmitte. „Angetrieben von einem starken Willen und der Bereitschaft neue Wege zu gehen, haben wir mit Unterstützung vieler Bürgerinnen und Bürger die Sanierung unserer Marktplatzanlage angepackt. Was sich daraus entwickelt hat, ist sensationell.“ „Die CSU ist seit 70 Jahren ein Teil der politischen Willensbildung in der Marktgemeinde. Wir wollen auch weiterhin gemeinsam die Marktpolitik gestalten“, sagte Bürgermeister Stich.

CSU-Kreisvorsitzender Oetzinger erinnerte an die Ursprünge der bayerischen CSU in Flossenbürg. Josef Müller, wie durch ein Wunder dem Tod im Konzentrationslager entkommen, habe dort den Beschluss gefasst, eine Partei zu gründen, die so stark sei, dass es zu einer Situation wie in der NS-Zeit nie wieder kommen könne. Den ökumenischen Gottesdienst in der evangelischen Kirche zelebrierten Früchtl und sein evangelisches Pendant Wilfried Römischer gemeinsam. Für die mitreißende musikalische Gestaltung zeichneten Harald und Andreas Bäumler sowie Willibald Wirth verantwortlich. „Ihr habt es geschafft, diesen Gottesdienst mit einem Gänsehautgefühl beginnen zu lassen und mit der Bayernhymne als Geburtstagsständchen zu beenden“, dankte CSU-Ortsvorsitzender Sebastian Kitta. Die Flosser Landwehr hatte zwischen Kirche und Gemeindehaus Stellung bezogen, um mit donnernden Salutschüssen das Jubiläum einzuschießen. Stimmungsvolle Beleuchtung, Fingerfood von der Frauen-Union und Musik von den „Krainberries“ machten den Parteigeburtstag perfekt.

Drei neue Ehrenmitglieder:

„Mir ist es eine Herzensangelegenheit, drei Ehrenmitglieder zu ernennen, weil diese drei für die Breite unserer CSU-Familie stehen, weil sich jeder auf seine Art und mit seinem persönlichen Engagement für unsere CSU besonders verdient gemacht haben“, leitete Sebastian Kitta zur Auszeichnung über.

Josef Schaller habe vier Jahre dem Ortsverband als Vorsitzender vorgestanden, sechs Jahre die Politik im Marktrat mitgestaltet und ist seit 44 Jahren CSU-Mitglied. „Aber das sind bei ihm nur die harten Fakten. Ich und wir schätzen ihn aber ungemein für die weichen Faktoren. Er ist jemand der immer ein offenes Ohr hat und mit Rat und Tat zur Seite steht, ohne sich aufdrängen zu wollen, der die Ärmel hochkrempelt und mit anpackt“, lobte Kitta Schaller.

Waltraud Stangl war 1990 die erste weibliche Markträtin der CSU. „Alleine deswegen gilt sie nicht nur in der Frauen-Union in Floß als eine der politischen Vorreiterinnen, sondern auch in unserer CSU ist sie das definitiv. Du hast mit deiner ruhigen, herzlich warmen und besonnenen Art als weibliches Gesicht der CSU-Familie extrem gut getan und tust das heute noch“, betonte Kitta.

„Bei unserem dritten neuen Ehrenmitglied ist es schwierig, die Vielzahl politischer, gesellschaftlicher und menschlicher Vorzüge in Worte zu fassen“, sagte der Ortsvorsitzende. Auf 42 Jahre Kommunalpolitik im Marktrat und 24 Jahre Mitgliedschaft im Kreistag bringt es Erich Schieder, der noch immer ein Aktivposten sei.Der frühere Kreisobmann des Bauernverbandes ist Senioren- und Behindertenbeauftragter der Gemeinde und hat sich als Chronist der Dörfer Ellenbach und Schlattein einen Namen gemacht. „Er lebt die Interessen seiner Partei, seiner CSU, und das tut er mit einer bis heute raumfüllenden Aura, einer Selbstverständlichkeit und einem ungemeinen Wissens- und Erfahrungsschatz, dass es auch für mich als jungen Vorsitzenden immer wieder faszinierend ist, wie er geselliges, gesellschaftliches und politisches Engagement über Jahrzehnte hinweg gelebt hat und sicherlich auch weiterleben wird“, anerkannte Kitta.

Die Flosser CSU hat Vertreter aller Parteien und aller Vereine zur Jubiläumsfeier im evangelischen Gemeindehaus eingeladen.
Festleiter Armin Betz blickt auf 70 Jahre CSU in der Marktgemeinde Floß zurück.
Die Flosser CSU hat Vertreter aller Parteien und aller Vereine zur Jubiläumsfeier im evangelischen Gemeindehaus eingeladen.
Die Flosser CSU hatte Vertreter aller Parteien und aller Vereine zur Jubiläumsfeier im evangelischen Gemeindehaus eingeladen.

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