05.09.2019 - 10:47 Uhr
FlossOberpfalz

Doost so wertvoll wie ein Van Gogh

"Man kann nur das, was man kennt, auch lieben." Das schreibt Markus Staschewski zum Findlingsweg. Nach seiner Aussage sei das Projekt von den Naturschutzbehörden genehmigt. Das aber erforderte einen Winkelzug.

Direkt in die Felsen sind die umstrittenen Bronzetafeln im Doost eingelassen.
von Uwe Ibl Kontakt Profil

Kritik gab es vor allem an Bronzeplatten, die direkt an den Steinen im Doost angebracht wurden. Unverständlich sind sie auch für den Parksteiner Gerd Knorr. Er ist häufig und gern im Naturschutzgebiet Doost unterwegs. "Ich kann von einem Van-Gogh-Gemälde auch kein Stück Leinwand rausschneiden und dafür einen Zettel aufkleben auf dem steht: ‚Das ist ein schönes Bild‘."

Ich kann von einem Van-Gogh-Gemälde auch kein Stück Leinwand rausschneiden und dafür einen Zettel aufkleben auf dem steht: ‚Das ist ein schönes Bild‘.

Gerd Knorr

Staschewski ist Leiter der Beratungsgruppe "Sonderprojekte" des Marktgemeinderates Floss, der den Findlingsweg mit verantwortet hat. Mit Hilfe von Geschichte und Geschichten, mit Literatur und ansprechender künstlerischer Gestaltung wolle man bei dem Projekt den Menschen mit der Natur in Einklang bringen.

"Es soll doch alles nur eine positive Entwicklung von Floß und Naturpark unterstützen, den Zugang zur Natur im Sinne der Sensibilisierung und Umweltbildung stärken und die Region mit ihrer zauberhaften Mythen- und Sagenwelt einer interessierten Öffentlichkeit vorstellen", beschreibt Herbert Hofberger die Intention hinter dem Weg. Das Büro Hofberger und Hartisch war für Detailplanung und Realisation zuständig.

Hofberger bekennt, dass es ihm schwer falle, die Kritik an den zehn Tafeln mit einer Größe von etwa 30 Mal 30 Zentimetern im Doost zu verstehen. "Die Auswirkungen auf die Artenvielfalt des Doosts sind bei Null und Sinn und Zweck des Naturschutzes sind dadurch aus meiner Sicht in keinster Weise beeinträchtigt." Für den Doost als Wanderziel werde schon seit langem Werbung gemacht. Beim "Findling" gehe es nicht um Massentourismus und Unmengen von Menschenscharen, die im Doost alles zusammentreten würden.

Bereits Anfang Juli hat Knorr das Landratsamt über die Beschädigungen informiert und Antworten sowohl von der unteren Naturschutzbehörde in Neustadt wie auch von der höheren bei der Regierung in Regensburg erhalten.

Nach deren Auffassung solle der Naturerlebnispfad einer naturverträglichen Erholung dienen sowie natürliche und kulturhistorische Elemente verbinden und vermitteln. "Die Bronzetafeln passen sich der Umgebung an und die Wegmarkierung wurde auf Steinen, der Umgebung entsprechend angebracht", heißt es in der Email, die dem Neuen Tag vorliegt. Auf große, bunte Tafeln habe man bewusst verzichtet. "Derartige Lehrpfade sind in Naturschutzgebieten weit verbreitet und sollen einem besseren Naturverständnis dienen."

Im Doost wären nach Auffassung der höheren Naturschutzbehörde bei der Regierung der Oberpfalz Verbesserungen an den Markierungen nötig gewesen. Für Kritik sorgen aber solche Eingriffe, die im Naturschutzgebiet gemäß Verordnung eigentlich nicht erlaubt sind.

Die Konzeption sei grundsätzlich mit den Naturschutzbehörden abgestimmt gewesen, heißt es in einer Stellungnahme der Regierung zum aktuellen Stand. "Allerdings ließ sich dem Konzept nicht entnehmen, dass Informationstafeln an vorhandene Findlinge im Naturschutzgebiet angebracht werden sollten." Das habe sie erst durch den Hinweis erfahren. "Da die mit der Anbringung der Bronzetafeln verbundene Beschädigung der Findlinge nicht rückgängig gemacht werden kann, wurde schließlich eine Befreiung von den Verboten der Naturschutzgebietsverordnung erteilt." Die höhere Naturschutzbehörde werde zusammen mit dem Landratsamt Neustadt, Vertretern des Naturparkes und des Marktes Floß zeitnah eine Ortsbesichtigung durchführen, um sich einen Überblick über die Situation zu verschaffen und gegebenenfalls Verbesserungen umzusetzen.

Der Naturpark Nördlicher Oberpfälzer Wald habe beabsichtigt, durch den Rundweg „Der Findling – Ruhe finden auf Floßer Wegen“ alle Natur- und Kulturschönheiten im Bereich Floß durch eine zentrale Wegeführung mit Einzelstationen zu verbinden. Die sei als Beitrag zur naturverträglichen Erholung gedacht.

Die Brücke über die Girnitz im Doost einschließlich des Holzgeländers ist nicht mehr im besten Zustand. Das bestätigt auch die höherer Naturschutzbehörde in Regensburg. Für Diskussionen sorgen aber die Bronzereliefs, die in dem Naturschutzgebiet direkt in den Felsen angebracht sind.
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