Flosser Gotteshäuser werden wegen Holzwurmbefalles begast

Floss
21.09.2022 - 15:49 Uhr

Es besteht dringender Handlungsbedarf. In der St.-Nikolaus-Kirche und in der Pfarrkirche St. Johannes der Täufer in Floß ist der Holzwurm am Werk – und das massiv. Aber nun wird ihm der Garaus gemacht.

Überall ist Wurmstaub zu sehen an Kanzel, Figuren und Gerüsten der Haupt- und Nebenaltäre in der St.-Nikolaus-Kirche, aber auch an der Orgel und am Treppenaufgang zur Empore in der Pfarrkirche. Der immense Holzwurmbefall erfordert in beiden Gotteshäusern eine gründliche Behebung der Schäden.

Und diese erfolgt derzeit: Eine beauftragte Spezialfirma aus Lauf an der Pegnitz führt seit Montag Begasungsmaßnahmen zur Bekämpfung des gemeinen Nagekäfers durch. Diese dauern bis heute, Donnerstag. Erst am Freitag sind beide Kirchen wieder zugänglich.

Schäden immer augenscheinlicher

Pfarrer Max Früchtl, dem die Sicherheitsmaßnahmen in beiden Kirchen ein großes Anliegen sind, war am Montag als Erster an der Baustelle der St.-Nikolaus-Kirche. Die Holzwurm-Schäden dort werden immer größer und sichtbarer, stellte er dabei fest.

Und tatsächlich: Die Schäden, die der Holzwurm an der Kanzel in der seit über 299 Jahren bestehenden St.-Nikolaus-Kirche bereits angerichtet hat, sind erheblich – und in Form von Sägemehl auch deutlich zu erkennen. Das Schnitzwerk des Bildhauers Johann Linhardt aus Beidl – der Maler Franz Jachhörl aus Tirschenreuth besorgte die Fassung – ist ein erhaltenswertes Kunstwerk in diesem Gotteshaus.

Aber auch an der ab 1912 eingebauten Kirchenorgel in der Pfarrkirche, die 1974 durch eine elektrische Spiel- und Registratur sowie einen fahrbaren Spieltisch überarbeitet und mit neuen Registern erweitert wurde, sowie am Treppenaufgang zur Empore zeigten sich durch den Holzwurm verursachte Schäden. Vor einer Erneuerung und Sanierung galt es, diese unbedingt zu beheben.

Darauf weist auch Pfarrer Max Früchtl in seinen Mitteilungen an die Gläubigen und Pfarrangehörigen hin. Bei ihnen ist großes Verständnis für die Begasungsmaßnahmen erkennbar. Ganz einfach gesagt: Der Aufwand und das Materielle dürfen bei solch dringenden und notwendigen Unterhaltungsmaßnahmen keine Rolle spielen.

Keinerlei chemische Reste

Und deshalb ist nun die Spezialfirma aus dem Fränkischen vor Ort. In der heute hoch modernisierten und technisierten Zeit habe durch Erfindung neuer chemischer Mittel eine Renaissance der Begasung Einzug gehalten, hält Begasungsleiter Carsten Dähne im Gespräch mit Oberpfalz-Medien fest.

Damit verbunden sei ein völliger Ausschluss von Korrosionen. Zugleich stehe eine neue Möglichkeit der Bekämpfung des Holzwurmes in Kirchen zur Verfügung – und dies bei gleichzeitig vollständiger Abtötung aller Schädlingsstadien des Nagetieres in allen Holztiefen. Nach der ausreichenden Einwirkung des Begasungsmittels mit dem Wirkstoff Sulfuryldifluorid blieben am Ende keinerlei chemischen Reste in den Kirchen zurück, sichern die Experten zu.

Mit der Begasung sei aber auch ein vorbeugender Effekt verbunden. Erfahrungen zeigten, dass sich noch Jahrzehnte danach kein Neubefall etabliert, merkt die Fachfirma an.

Die Begasungen in den beiden Kirchen laufen seit Montag und enden am heutigen Donnerstag. Erst morgen, Freitag, sind die Gotteshäuser wieder zugänglich und deren uneingeschränkte Nutzung möglich.

Hintergrund:

Die Kanzel in der St.-Nikolaus-Kirche Floß

  • Schnitzwerk des Bildhauers Johann Linhardt aus Beidl. Fassung durch Maler Franz Jachhörl aus Tirschenreuth
  • Oberer Teil trägt einen Engel, der mit seiner Posaune zum Jüngsten Gericht ruft.
  • Unterer Teil weist Rokokomuschelwerk mit Relief des heiligen Johannes Nepomuk auf. Ein Engelchen zeigt Siegespalme des Märtyrers, ein anderes ein Schloss - Hinweis auf Verschwiegenheit des Beichtvaters.
 
 

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