07.01.2021 - 11:49 Uhr
FlossOberpfalz

Flosser Perchtengruppe trotzt mit Ideen dem Virus: Zum Deifl mit Corona

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Was tut ein Krampus, wenn ihn ein Virus nicht Krampus sein lässt? Er setzt sich hin und schreibt eine neue Krampus-Geschichte, schnitzt sich ein neues Gesicht, näht sich eine Hose. Und wartet auf ein besseres Jahr. Ein Krampus-Jahr.

Eine Art Gruselkabinett: Klaus Windschügl in seinem Gartenhäuschen, in dem er seine Masken und Gewänder aufgehängt hat, fast alle davon sind selbst gefertigt.
von Gabi EichlProfil

Die Flossboch Deifl'n, jene bunte Truppe von Krampussen und Hexen, konnte zum ersten Mal seit ihrem Zusammenschluss vor ein paar Jahren nicht auftreten. Und das war hart für jeden einzelnen Deifl, sagt Noah Lugert, der Geschichtenschreiber der Truppe. Denn die Krampusse vom Flossboch haben ja nur die zwölf Rauhnächte zwischen dem ersten Weihnachtsfeiertag und Dreikönig für ihr Treiben.

Seit kurzem eingetragener Verein

„Wir waren trotzdem nicht untätig“, sagt Lugert. Eine fürs Publikum unspektakuläre Sache, aber für die Deifln wegen immer spektakulärerer, nicht ganz ungefährlicher Auftritte umso wichtiger: Die Flossboch Deifln sind seit kurzem eingetragener Verein, die Mitglieder somit versichert.

Worauf das Publikum sich schon vorfreuen kann: Lugert hatte im vergangenen Jahr mehr Zeit als sonst für das Schreiben und die Choreographie der Geschichten.

Wer auch lieber aufgetreten wäre, statt zu Hause zu bleiben, ist der Flossenbürger Klaus Windschügl, der erst vor zwei Jahren zu den Flossboch Deifl´n gestoßen ist und sich als großer Gewinn für die Truppe entpuppt hat. Der 44-jährige gelernte Schlosser hat aber auch zu Hause fast jede freie Minute mit seiner noch jungen Leidenschaft verbracht. Zum Glück sind seine Frau Evi und die Kinder Janina und Nico ebenso vom Ausleben dieses Brauchtums begeistert, dass sie den Vater gern gewähren lassen. Vor allem dann, wenn er ihnen eine neue Maske schnitzt oder eine Hose näht. Denn Windschügl schnitzt, malt, näht, restauriert, repariert, jede Fertigkeit selbst beigebracht, das Paradebeispiel eines Autodidakten.

Auslöser war der Neustädter Faschingszug 2017. Dort hatten Windschügl und seine Frau erstmals eine Gruppe riesiger furchterregender Gestalten gesehen und waren begeistert. Eine kurze Recherche ergab, dass die Anschaffung eines solchen Kostüms mehrere tausend Euro kostet. Thema gegessen. Weil Windschügl aber gar so begeistert war, kaufte er sich statt Kostüm und Maske einen Klotz Zirbenholz und ein paar billige Schnitzmesser. Und fing an zu schnitzen.

"Haben wir unseren Schnitzer"

Es wurde eine viel zu schwere, noch recht ungeschliffene Maske daraus. Aber eine Maske, die man durchaus tragen konnte. Heute hängt sie in einem Eck seines Gartenhäuschens und dient nur noch als Beispiel dafür, wie man sich mit Leidenschaft und Zähigkeit entwickeln kann. Denn Windschügl schnitzt inzwischen weit eleganter, versierter. Gleichzeitig näht er Gewänder mit einer alten Ledernähmaschine, fertigt unerhört lärmende Glockengürtel, weiß, wo man die richtigen Pferdeschweife fürs Krampushaar bezieht, die besten Hörner. Ganz nebenbei hat er sich auch noch das Gerben beigebracht, aber das würde zu weit führen.

Windschügl und Lugert, der die Flossboch Deifl´n gegründet hat, kennen sich schon lange, der Flossenbürger hat Lugert als Jugendlichen trainiert. Für Lugert ist sein ehemaliger Fußballtrainer ein Glücksfall: „Jetzt haben auch wir unseren Schnitzer.“

"Sind immer kinderfreundlich"

Lugert, im Hauptberuf Rettungssanitäter, ist der kreative Kopf der Deifl'n. Als Musiker im Nebenberuf hat er sein eigenes Tonstudio zu Hause, in dem die selbstgeschriebene Geschichte dann auch gleich komplett choreographiert wird.

Eine Sache ist Lugert bei den Auftritten der Flossboch Deifl'n wichtig, so spektakulär diese nicht zuletzt dank eines Pyrotechnikers in den eigenen Reihen sind: „Wir sind immer kinderfreundlich.“ Was bedeutet: Nach dem Auftritt wird die furchterregende Maske abgenommen, damit jedes Kind erkennen kann: Das sind ganz normale Menschen unter den Masken. Aber bis dahin dürfen ruhig einmal ein paar Tränen des Entsetzens fließen, die Geschichten haben in der Regel durchaus einen pädagogischen Anspruch, in dem das Gute über das Böse siegt.

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Hintergrund:

Die Flossboch Deifl'n,

  • Geschichte: 2017 Gründung als loser Zusammenschluss von vier Begeisterten. Ende 2020 Umwandlung in einen eingetragenen Verein
  • Mitglieder: aktuell 25
  • Vorstands: Vorsitzende Anna Schwarz, Stellvertreter Peter Kick, Kassier Andreas Gürtler
  • Auftritte: acht große Auftritte (aufwändige choreographische Umsetzung selbstgeschriebener Geschichten), zuletzt im Flosser Ortsteil Plankenhammer, etwa zehn kleinere Auftritte, unter anderem bei Hochzeiten oder größeren Veranstaltungen in Floß

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