23.05.2019 - 08:00 Uhr
FlossOberpfalz

Für das Auto von morgen forschen

Fahrzeugtechnik basiert selten allein auf den Ideen einzelner Automobilhersteller, sondern ist Ergebnis der Zusammenarbeit zwischen Autobauern und Zulieferern. Das zeigt auch das Beispiel "Nexans autoelectric".

3-D-Konstruktion bei "Nexans autoelectric". In Floß tüfteln Ingenieure und Techniker an den Lösungen von morgen. Über 500 Menschen sind dort beschäftigt.

In der Marktgemeinde Floß (Kreis Neustadt/WN) sitzt die Unternehmenszentrale und Denkfabrik der "Nexans autoelectric"-Gruppe, eines weltweit aktiven Automobilzulieferers. "Wenn ein Fahrzeug heute auf den Markt kommt, liegen bereits drei bis vier Jahre Projektarbeit hinter uns", sagt Claudius Grüner. Er leitet bei "Nexans autoelectric GmbH" die Entwicklung. Zusammen mit Maria Schmidt, zuständig für die Unternehmenskommunikation, gewährt er Einblick in das aktuelle Unternehmensgeschehen...

11 000 Mitarbeiter

"Nexans autoelectric" produziert komplette Systeme wie Kabelsätze und Bordnetzkomponenten, vorwiegend für Premium-Marken der Automobilindustrie. "Vergleichbar mit dem menschlichen Nervensystem sorgt "Nexans autoelectric" für die Energie- und Signalübertragung im Fahrzeug. In Autos der Luxusklasse werden dazu bis zu 6000 Meter Kabel verarbeitet. Das Bordnetz besteht aus bis zu 2500 einzelnen Leitungen." Als Systemlieferant hat "Nexans autoelectric" die komplette Verantwortung für die Funktion des Kabelsatzes. "Sobald der Fahrzeughersteller beginnt, eine neue Modellreihe zu entwickeln, sind die Ingenieure von 'Nexans autoelectric' mit an Bord - beim Kunden vor Ort, in Floß und in unseren Produktionswerken." Weltweit beschäftigt das Unternehmen stattliche 11 000 Mitarbeiter, verteilt auf vier Kontinente. Über 500 Mitarbeiter - in der Mehrzahl Ingenieure und Techniker - arbeiten dabei in Floß oder direkt beim Kunden.

Elektromobilität

Das Thema Elektromobilität steht bei "Nexans autoelectric" schon seit längerem im Fokus: "Wir befassen uns bereits ziemlich lange mit Hochvoltkabelsätzen - das heißt mit der Verkabelung von elektrischen Antriebssystemen - und haben 2005 ein Patent dafür angemeldet", erinnert der Entwicklungsleiter.

Inzwischen zählen in diesem Segment mehrere Premiumhersteller zu den Kunden und vor wenigen Monaten schloss das Unternehmen ein großes Auftragspaket für mehrere reine E-Fahrzeug-Modelle ab. Ab 2020 erwartet die Flosser Führungsetage einen signifikanten Umsatzzuwachs bei Hochvoltkabelsätzen. Grüner rechnet spätestens im Jahre 2030 weltweit mit einem Anteil von gut 30 Prozent Elektro- und Plug-in-Fahrzeugen. Charakteristisch für Hochvoltleitungssätze im Vergleich zu Niedervoltleitungssätzen sind die deutlich höheren Leitungsquerschnitte, führt der Chef-Entwickler aus. "Leitungen und Stecker müssen geschirmt werden, um elektromagnetische Unverträglichkeiten zu vermeiden, und das eingesetzte Material muss sehr hoher Eigenerwärmung standhalten." Diese besonderen Anforderungen verlangen von den Ingenieuren und Technikern in Floß ein hohes Maß an Know-how.

Autonomes Fahren

Längst geht es bei dem Oberpfälzer Zulieferer auch um autonomes Fahren. Hiermit beschäftigt sich - auch unabhängig von konkreten Kundenaufträgen - das Team "Neue Technologien". "Autonom fahrende Autos erfordern erhebliche Umstellungen beim Kabelsatzdesign und Produktionsprozess."

Grüner begründet dies damit, dass die Sicherheit der Systeme hier absolut dominiere und klassische, fehleranfällige Handarbeits-Arbeitsplätze damit ausgeschlossen seien. Eine neue Herausforderung für die Ingenieure, denn sie müssen die Produkte so entwickeln, dass diese mit automatisierten Verfahren hergestellt werden können. "Auch miniaturisierte Bauteile werden eine noch größere Rolle spielen als bisher. Damit verbunden sind neue Kontakt- und Steckersysteme sowie kleinere Leitungsquerschnitte."

Enorme Datenmengen

"Die steigende Fahrzeugvernetzung erfordert die Verarbeitung enormer Datenmengen und noch komplexere Kabelsätze." Dementsprechend steigen die technischen und qualitativen Anforderungen an "Nexans autoelectric", und somit auch die erforderlichen Qualifikationen der Mitarbeiter. "Wir stellen jährlich ein komfortables Weiterbildungs-Budget für unsere Beschäftigten bereit. Darüber hinaus ist es uns wichtig, qualifizierte Nachwuchskräfte zu gewinnen und zu fördern", berichtet Schmidt. Daher bietet das Mitgliedsunternehmen des Partner-Circles der OTH Weiden-Amberg Praktika und Abschlussarbeiten sowie die Ausbildung in dualen Studiengängen an und kooperiert mit mehreren bayerischen Hochschulen.

„Wenn ein Fahrzeug heute auf den Markt kommt, liegen bereits drei bis vier Jahre Projektarbeit hinter uns“, sagt Claudius Grüner, Chef-Entwickler beim Flosser Kabelspezialisten.
Champion in der Provinz: Die "Nexans autoelectric GmbH" steuert von Floß (Kreis Neustadt/WN) die Unternehmensaktivitäten. Weltweit arbeitet über 11000 Menschen für die Gesellschaft mit Oberpfälzer Wurzeln.
Ein Hochvoltkabelsatz auf dem Prüfstand.
Schön dicht halten: Wasserdichte-Verklebung eines Hochvoltkabelsatzes.

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