09.04.2021 - 10:21 Uhr
FlossOberpfalz

Gedenktafel in der Flosser jüdischen Friedhofanlage erneuert

Der Markt unterstützt die Pflege- und Unterhaltsarbeiten im jüdischen Friedhof. Jetzt wurde die Gedenktafel der Sammelgrabstätte für 33 jüdische Märtyrer aufgefrischt.

Eines der bedeutendsten Kulturdenkmäler im Markt, die seit 1692 bestehende jüdische Friedhofanlage, ist ein fester Bestandteil des jüdischen Kultus im Markt und Zeuge der Vergangenheit. Gemeindearbeiter Siegfried Schell erneuerte nun die Gedenktafel der 1945 errichteten Sammelgrabstätte für 33 jüdische Märtyrer.
von Fred LehnerProfil

Zu den bedeutendsten Kulturdenkmälern im Flosser Amt gehört der im Jahr 1692 auf einer Anhöhe nordöstlich des Marktes angelegte jüdische Friedhof an der Staatsstraße nach Flossenbürg. Dort werden immer wieder Arbeiten nötig, so wie an der Gedenktafel der Sammelgrabstätte

Dass der Friedhof schon 1729 zu klein war und die damalige jüdische Gemeinde sich um eine Erweiterung bemühte, lag am steten Anwachsen der jüdischen Gemeinde. Schließlich wurden im Jahre 1840 72 jüdische Familien mit 391 Personen gezählt, der absolute Höchststand seit 1684. Ganz so einfach waren die Bemühungen der jüdischen Gemeinde, die Friedhofanlage erweitern zu können, nicht. Erst auf dem Rechtsweg (zwangweise ) war dies möglich. Damals lag der Schätzpreis für die erweiterte Grundstücksfläche bei 60 Gulden. Da aber den Juden an einer gütlichen Einigung gelegen war, bezahlten sie schließlich 150 Gulden.

Die Einfriedungsmauer mit Flossenbürger Granitsteinen wurde 1778 errichtet und 1842 erweitert. Sie wurde in den vergangenen Jahren teilsaniert. Heute noch sind mehr als 400 Grabsteine erhalten. Die letzte Beisetzung fand 1946 statt.

Eine Besonderheit im jüdischen Friedhof ist das bereits im April 1945, kurz vor Vollendung des Zweiten Weltkrieges, errichtete Gemeinschaftsgrab von 33 jüdischen Häftlingen aus dem nahegelegenen KZ Flossenbürg. Noch zum Ende der vierziger Jahre des letzten Jahrhunderts wurde ein Gedenkstein mit folgender hebräischer und deutscher Inschrift errichtet: "Zum Andenken an die jüdischen Märtyrer, die in den Verfolgungsjahren durch die Nazis ermordet wurden und hier eine Grabstätte fanden, wurde diese Tafel durch die Verbliebenen errichtet."

In der Amtszeit von Bürgermeister Fred Lehner hatte Bauhofleiter Siegfried Schell vor mehr als 20 Jahren die verwitterten Inschriften erneuert. Die aufgetragene Farbe bedurfte nach dieser langen Zeit einer dringenden Auffrischung. Dies wurde auf Veranlassung von Sigi Schell dem Landesverband der israelitischen Kultusgemeinden in München gemeldet, der den Markt um Sanierung der Gedenktafel bat.

In diesen Tagen machte sich Gemeindearbeiter Schell im Auftrag des Marktes erneut an die Arbeit. Erwähnenswert sind auch die jährlichen Pflegearbeiten im Friedhof durch die Schüler des Staatlichen Berufsbildungszentrums Neustadt/WN. Die Anregung dafür kam vom früheren Schulleiter, dem Flosser Oberstudienrat Erich Höllerer aus Würzelbrunn.

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