14.06.2020 - 13:20 Uhr
FlossOberpfalz

Neue Bürgermeister schnuppern Rathausluft

Vor sechs Wochen wurden Robert Lindner, Sebastian Hartl und Reinhard Sollfrank zu neuen Bürgermeistern in ihren Gemeinden gewählt und ließen sich von ihren Berufen beurlauben. Für alle drei ein tiefer Einschnitt in der Biografie.

Der Luhe-Wildenauer Bürgermeister Sebastian Hartl mit Laptop und schwarzem Notizbuch
von Redaktion ONETZ Kontakt Profil

Als hauptamtlicher Rathauschef von Floß hörte Robert Lindner (SPD) mit einem lachenden und weinenden Auge als Medizincontroller am Klinikum Nordoberpfalz auf. Der Abschied von den Freunden und Kollegen fiel schwer und musste coronabedingt sehr minimalistisch erfolgen.

Da Lindner seit 2008 im Gemeinderat sitzt und seit 2014 Fraktionssprecher war, konnte er sich vieles von dem vorstellen, was ihn nun erwarten würde. Es sei eine „sportliche Aufgabe“, die Zusammenhänge und die jeweiligen Ansprechpartner zu erkunden sowie zu klären, wer schon welche Vorarbeiten geleistet hat.

Dazu würden ihn alle in der Verwaltung, im Bauhof oder bei der Feuerwehr bestens unterstützen. Überrascht zeigt er sich, so viele Unterschriften für Kleinstbeträge bis hin zu großen Ausgaben leisten zu müssen. Anfragen am Abend oder auch am Wochenende seien kein Problem.

Kurz vor der konstituierenden Sitzung sei er schon etwas angespannt gewesen, doch mittlerweile habe er zwei weitere Runden hinter sich, in denen sich demokratische Mehrheiten bildeten. Er freue sich, Projekte wie die Photovoltaikanlage auf dem Feuerwehrhaus, die Stromgewinnung in der Kläranlage und auf den kommunalen Dächern, das Mehrgenerationenhaus oder Biotopbäume im Gemeindewald voranzubringen.

In Luhe-Wildenau hatte der Marktrat vor gut einem Jahr für einen hauptamtlichen Bürgermeister gestimmt. Das ist nun Sebastian Hartl (CSU). Für ihn verlief die Zeit nach der Kommunalwahl turbulent. Seinen Arbeitsplatz im Marketing- und Online-Management bei der Volksbank Raiffeisenbank Nordoberpfalz, deren Mitarbeiter ihm einen emotionalen Abschied bereiteten, sah er seither eher selten. Er war mehrere Stunden täglich zur Information über aktuelle Probleme bei Geschäftsstellenleiter Michael Gräf im Rathaus und verbrachte den Großteil seiner Zeit im Krisenstab des Katastrophenschutzes.

Aus seinem Nebengewerbe im Bereich Marketing und Medien stieg er Ende April ebenso aus wie er schweren Herzens seine Funktion als Kreisbrandmeister aufgab, um voll für die Gemeinde da sein zu können. Nun werde er als „ganz normaler Feuerwehrmann“ der Heimatwehr als Gruppenführer bei Einsätzen zu Verfügung stehen.

Im Amt schätzt er die vielseitigen Aufgaben und freut sich neue, unvorhergesehene Ereignisse bewältigen zu können. Die erste Sitzung war für ihn mit dem Amtseid, der Überreichung der Amtskette und seiner Antrittsrede sehr bewegend. Es liege im Wesen der Person, Dinge zu ändern. Beim Projekt Senioreneinrichtung – egal welcher Art und standortunabhängig – sei man zwei Schritte weiter, es werde ein Maßnahmenplan erstellt und die Digitalisierung mit Bürger-App und Serviceleistungen vorangetrieben.

Nach seiner auch für ihn überraschenden Wahl zum ehrenamtlichen Bürgermeister Parksteins beantragte der Postbeamte und Zusteller Reinhard Sollfrank (FWG) bei seinem Arbeitgeber statt Teilzeit Urlaub ohne Bezüge. Damit löste er sein Wahlversprechen ein, keinen weiteren Beruf auszuüben, um hundertprozentig für die Gemeinde arbeiten zu können.

Zwar sei er sehr gerne Postler gewesen und denke schon manchmal etwas wehmütig an diese Zeit zurück, besonders auch an den Umgang mit Menschen. Doch das komme ihm auch im neuen Amt, das er mit Freuden angenommen habe, zugute. Er sei sehr zufrieden und fühle sich, da ohne Parteibuch, nur den Bürgern verpflichtet.

Momentan sei noch alles neu. Sollfrank war vorher auch nicht im Marktrat. Er habe sich dieses Amt auch etwas anders vorgestellt, doch man wachse mit den Anforderungen, gibt er zu. Das Lampenfieber, das er bei der Amtseinführung verspürt habe, habe sich nach mittlerweile drei Marktratssitzungen gelegt.

Die Zeit sei auch für einen ehrenamtlichen Bürgermeister eng bemessen. Mit dem Straßenbau nach Schwand und der dortigen Dorferneuerung sowie dem Anbau des Feuerwehrhauses in Hammerles stünden größere Maßnahmen an. Zeitnah realisiert würden eine Ladestation für Elektroautos, Hundekotbeutelspender im Ortsbereich und der Ausbau des Radwegenetzes. Heuer wohl nicht mehr umsetzbar sei der Badeweiher in Schwand.

Als ehrenamtlicher Bürgermeister Parksteins ist Reinhard Sollfrank Ansprechpartner der Bürger.
Bürgermeister Robert Lindner aus Floß hat sich in seinem Amtszimmer eingelebt.

Mehr zur Kommunalwahl im Landkreis Neustadt/WN und der Oberpfalz

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