31.03.2021 - 13:43 Uhr
FlossOberpfalz

Seltene Rostgänse bei Floß gesichtet

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Sie sind größer als Enten und tragen ein auffälliges Federkleid. In der Nähe von Floß tauchten vor kurzem Rostgänse auf, die eigentlich in Asien beheimatet sind.

Rostgänse (in der Mitte sitzt ein Teichhuhn) halten sich bevorzugt in der Nähe von Wasser auf.
von Stephanie Hladik Kontakt Profil

Vielleicht fühlten sich die drei Rostgänse (zwei Männchen und ein Weibchen), die an einem Märztag auf einer Wiese bei Kalmreuth laut trompeteten, an die Steppenlandschaften ihrer Heimat erinnert. In Zentralasien leben sie meist an flachen Gewässern und auf Grasflächen. Auch Kälte macht ihnen nichts aus. Ist die Oberpfalz also ein ideales Brutgebiet?

Wer weiß das schon. Woher die Tiere bei Floß kamen, kann niemand sagen. Als Teilzieher überwintern sie an ihren Brutstätten oder in Winterquartieren, die zum Beispiel in der Türkei liegen. Wahrscheinlicher ist, so vermuten Vogelexperten, dass hin und wieder Rostgänse (Tadorna ferruginea) ihren Züchtern auskommen und sich dann in freier Wildbahn ansiedeln. Das hält auch Berthold Fröhlich vom Kleintierzuchtverein Floß durchaus für möglich. Mit Rostgänsen hatte der Vorsitzende bislang weder als Züchter noch im Verein etwas zu tun. "Ich kenn auch keinen Züchter bei uns in der Gegend", teilte er auf Anfrage von Oberpfalz-Medien mit.

Bis zu 60 Zentimeter groß

Ihren Namen haben die rund 60 Zentimeter großen Tiere von ihrem rostroten Gefieder am Körper. Während Weibchen am Kopf etwas heller, fast weiß, erscheinen, sind Männchen gut an einem schmalen, schwarzen Halsring zu erkennen. Im Flug ist vor allem die schwarz-weiße Flügeloberseite prägnant. Die Tiere zählen zu der Unterfamilie der Halbgänse, das heißt sie verhalten sich auf der einen Seite wie Enten (gründeln nach Nahrung in flachen Gewässern) und wie Gänse (sie zupfen Gras, Samen).

Enten werden verdrängt

Auf rund 160 bis 200 Brutpaare schätzt der Naturschutzbund die Population in Deutschland. Sie sollen aus der Schweiz eingeflogen sein, denn dort gibt es die größte Rostganspopulation außerhalb des natürlichen Verbreitungsgebietes. Wo sie sich niederlassen, vermehren sie sich durchaus zügig. Dabei sind die prächtigen Tiere nicht unbedingt gern gesehene Gäste, da sie sich während der Brutzeit oftmals aggressiv verhalten und sämtliche Enten aus ihrem Revier vertreiben, was so manchem Naturschützer ein Dorn im Auge ist. Als Höhlenbrüter gräbt die Halbgans Erdhöhlen. Sie schreckt aber auch nicht davor zurück, sich in fremden Brutstätten, zum Beispiel von Schleiereulen oder Turmfalken, einzunisten.

Die Art ist in Zentralasien mittlerweile gefährdet. Dort werden ihre Lebensräume durch Trockenlegung, Flussbegradigung und durch klimatisch bedingte Austrocknung bedroht. Vielleicht gefiel den Rostgänsen bei Kalmreuth deshalb die feuchte Wiese so gut. Gesehen wurden sie seitdem allerdings nicht mehr.

Zwei Rostgänse auf einer Wiese bei Kalmreuth bei Floß.
Bis 60 Zentimeter groß können Rostgänse werden. Während die Flügel schwarz-weiß erscheinen, tragen die Tiere am Körper ein auffallend rostrotes Gefieder.

Serie "Natur Pur": Gänsesäger mögen Weiden

Weiden in der Oberpfalz

Spießgänse bei Hirschau

Hirschau
Info:

Rostgänse

  • In Steppen Zentralasiens zu finden. In Tibet auch an höher gelegenen Seen; Höhen bis zu 5000 Meter keine Seltenheit
  • 58-70 Zentimeter groß, Flügelspannweite 110-135 Zentimeter
  • Höhlenbrüter vor allem in Baum-, Fels- oder Erdhöhlen. Ab und zu nisten sie auch in verlassenen Greifvogelnestern.
  • 160 bis 200 Brutpaare in Deutschland (NABU, Stand 2019)

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