25.04.2021 - 17:37 Uhr
FlossenbürgOberpfalz

76. Jahrestag der Befreiung in KZ-Gedenkstätte Flossenbürg ohne Überlebende: "Ihr fehlt uns"

Einsam hallt Marion Ellings Querflöte bei der KZ-Gedenkstätte Flossenbürg durch das Tal des Todes, in dem fünf Menschen des 76. Jahrestages der Befreiung des Lagers gedenken. Die Pandemie diktiert erneut die Spielregeln.

Einsam stehen die fünf Teilnehmer im Tal des Todes; pandemiebedingt findet die Gedenkfeier zum 76. Jahrestag der Befreiung erneut unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt: Gedenkstättenleiter Jörg Skriebeleit (am Pult), Bürgermeister Thomas Meiler, Dekan Karlhermann Schötz, Bauministerin Kerstin Schreyer, MdL Karl Freller (von links).
von Gabi EichlProfil

Schon im vergangenen Jahr hatte die so groß geplante Feier des 75. Jahrestages der Befreiung ins Netz verlegt werden müssen. Damals hatte man gehofft, im Jahr darauf möge der Spuk vorbei sein. Aber der Leiter der KZ-Gedenkstätte Flossenbürg, Jörg Skriebeleit, steht am Sonntagvormittag vor nur vier weiteren Teilnehmern, und er kann nicht verbergen, wie sehr es ihn schmerzt, diejenigen nicht in den Arm nehmen zu können, die hier gelitten, die hier Angehörige verloren haben. Skriebeleit weiß viele von ihnen in diesem Moment zu Hause an einem Bildschirm, und er grüßt Leon Weintraub in Stockholm, Josef Salomonovic in Wien, Jack Terry in New York oder die Urnichte von Wilhelm Canaris. „Ihr fehlt uns“, sagt er. Und dann versagt ihm die Stimme, ehe er an die herzlichen Begegnungen der vergangenen Jahre erinnert, aber auch an die gemeinsame Trauer und Fassungslosigkeit an dieser „Mordstätte“.

Die geplante Folgenutzung des Steinbruchs als Teil der Gedenkstätte bringt der Direktor der Stiftung Bayerische Gedenkstätten, Landtagsabgeordneter Karl Freller, zur Sprache. Er sagt, die Sicherung und die Einbeziehung der authentischen Orte in die Erinnerungsarbeit der KZ-Gedenkstätten habe für die Stiftung oberste Priorität. Denn Orte wie das Tal des Todes seien der Beweis für die heute für viele unvorstellbar wirkenden Verbrechen der Nationalsozialisten. Sie müssten in Zukunft Zeugnis geben vom Leid der Opfer, wenn kein Überlebender mehr am Leben sei.

Für die Stiftung wie auch den Freistaat gebe es keinen Zweifel, dass der Steinbruch nach Auslaufen der aktuell noch geltenden Pachtverträge Teil der Gedenkstätte werden müsse. Freller wörtlich: "Der Steinbruch ist das Symbol für die Entstehungsgeschichte des gesamten Konzentrationslagers Flossenbürg." Für die Vermittlungsarbeit sei er unersetzlich. Das frühere Verwaltungsgebäude des Steinbruchs solle noch dieses, spätestens nächstes Jahr zum festen Bestandteil der Gedenkstätte werden. Bauministerin Kerstin Schreyer, die im Anschluss an die Gedenkfeier den Steinbruch besichtigt, äußert sich nicht konkreter zu den Plänen, erst müssten Kultusministerium und die Stiftung Bayerische Gedenkstätten ihr Konzept vorlegen, sagt sie gegenüber Oberpfalz-Medien.

Vorher hatte Schreyer von der „historischen Pflicht“ gesprochen, an das Schicksal derer zu erinnern, die im Lager Flossenbürg gelitten haben und gestorben sind. Die Shoah und der Völkermord der Nationalsozialisten seien das „Ende der Zivilisation und all unserer menschlichen Werte“ gewesen. Das Leid sei nicht wiedergutzumachen, es bleibe allein das Gedenken. Erinnerungsarbeit sei wichtiger denn je. Schreyer ruft dazu auf, Rassismus und Antisemitismus mit aller Entschiedenheit entgegenzutreten.

Dekan Karlhermann Schötz bekundet für den Förderverein der Gedenkstätte die Trauer über all das, was die Toten des Konzentrationslagers mit ins Grab genommen haben, deren Geist, Humor und Lachen.

Neue Stelle geschaffen, um in KZ-Gedenkstätte an Dietrich Bonhoeffer zu erinnern

Flossenbürg
Gedenkfeier unter Ausschluss der Öffentlichkeit: Gedenkstättenleiter Jörg Skriebeleit, Bauministerin Kerstin Schreyer, MdL Karl Freller, Bürgermeister Thomas Meiler, Dekan Karlhermann Schötz (von rechts).
Die bayerische Bauministerin Kerstin Schreyer besichtigt nach der Kranzniederlegung den Steinbruch, der in die Gedenkstätte eingegliedert werden soll. Zur geplanten Folgenutzung äußert sie sich nicht, erst müssten Kultusministerium und die Stiftung Bayerische Gedenkstätten ihr Konzept vorlegen, sagt sie gegenüber Oberpfalz-Medien.

"Der Steinbruch ist das Symbol für die Entstehungsgeschichte des gesamten Konzentrationslagers Flossenbürg."

Landtagsabgeordneter Karl Freller

 

 

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.