12.04.2021 - 16:42 Uhr
FlossenbürgOberpfalz

Evangelische Kirche und KZ-Gedenkstätte verstärken Bonhoeffer-Arbeit

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Spätestens nach den Sommerferien wird in der KZ-Gedenkstätte Flossenbürg eine neue Stelle geschaffen, die sich der Arbeit mit Dietrich Bonhoeffer widmet. Die Landeskirche engagiert sich dauerhaft für diesen evangelischen Erinnerungsort.

Die evangelische Landeskirche und die KZ-Gedenkstätte Flossenbürg wollen gemeinsam die Bildungsarbeit zu Dietrich Bonhoeffer verstärken. .
von Uwe Ibl Kontakt Profil
Eine Tafel erinnert in der KZ-Gedenkstätte Flossenbürg an die Widerstandskämpfer Dietrich Bonhoeffer, Wilhelm Canaris, Ludwig Gehre, Hans Oster, Friedrich von Rabenau, Karl Sack und Theodor Strünck, die am 9. April 1945 im Arresthof des Konzentrationslagers erhängt wurden.

"Wir freuen uns sehr, dass sich die evangelische Landeskirche an der innovativen Arbeit der Gedenkstätte Flossenbürg mit dieser neuen Stelle beteiligt", sagt Gedenkstättenleiter Jörg Skribeleit. Ziel sei es, den evangelischen Erinnerungsort in Deutschland noch breiter bekannt zu machen nicht nur in seiner historischen Bedeutung, sondern ihn auch mit neuen Methoden und Programmen zu aktualisieren.

"Die Gedenkstättenarbeit ist für die evangelische Landeskirche grundsätzlich von hoher Bedeutung und in Flossenbürg als Ort der Ermordung Bonhoeffers ganz besonders", betont Kirchenrat Hans-Martin Gloël, Referent im Landeskirchenamt in München. "Uns ist es wichtig, dass diese gute Arbeit in geeigneter Weise fortgeführt wird und wir als Kirche in der Bildungsarbeit erkennbar sind.“

Einen "wertvollen und notwendigen Beitrag für die Friedensarbeit und Völkerverständigung", nennt Regionalbischof Klaus Stiegler die Erinnerungsarbeit an der KZ-Gedenkstätte. „Die Bayerische Landeskirche finanziert eine pädagogische Stelle, um die für unsere Kirche und Gesellschaft so bedeutsame Erinnerungsarbeit zeitgemäß und zukunftsorientiert mit internationalen Austauschprogrammen, Tagungen, Kongressen und Ausstellungen weiterzuentwickeln.“

Lange war die Arbeit an der Gedenkstätte an die Person des evangelischen Pfarrers in Flossenbürg gekoppelt. "Jetzt tauschen wir eine halbe Pfarrstelle gegen eine ganze Gedenkstättenstelle", spricht Dekan Thomas Guba von einer Aufwertung. Guba betont den pädagogischen Schwerpunkt der evangelischen Arbeit an der Gedenkstätte, den der jeweilige Pfarrer unterschiedlich und so wie es für ihn gut und richtig gewesen sei, umgesetzt habe. Er möchte den "Gedenkort Bonhoeffer" noch deutlicher machen. "Es würde mich freuen, wenn nach einem Monat das Signal kommt, ‚wir können gut miteinander arbeiten‘, nach einem Jahr die Info lautet‚ ‚wir haben Gruppen geführt‘ und nach fünf Jahren ‚wir haben ein gutes Konzept‘."

Bonhoeffer sei diese Aufwertung in der Erinnerungsarbeit absolut wert, urteilt der Weidener Dekan und stellt die Frage, was aus dem Theologen geworden wäre, wenn er den Krieg überlebt hätte. "Vieles von ihm ist fragmentarisch, nicht zu Ende gedacht und bietet deshalb Chancen, anzuknüpfen und offene Fragestellungen weiter zu denken."

"Die Stelle wird bundesweit ausgeschrieben", kündigt Skribeleit an. Für die Auswahl sei eine Personalkommission zuständig. Der Schwerpunkt des neuen Mitarbeiters, den Landskirche und Gedenkstätte gemeinsam finanzieren, oder der neuen Mitarbeiterin werde die konkrete Bildungsarbeit sein. "Wir bekommen Besuche von Bonhoeffer-Schulen aus dem ganzen Bundesgebiet nicht nur aus Bayern", beschreibt Gedenkstättenleiter die Resonanz vor der Corona-Zwangspause. Mit speziellen Programmen wolle man direkt auf Schulen zugehen. 2022 sei eine Art Bonhoeffer-Symposium mit dem Bonhoeffer-Verein geplant. "Wir merken, dass die Person Bonhoeffer nach wie vor eine große Strahlkraft hat, aber sich auch Personen und Gruppen auf ihn beziehen, die man so zunächst nicht erwartet wie evangelikale Kreise." Es gelte Bonhoeffers Person, Theologie und Vermächtnis vor Instrumentalisierung zu schützen, aber auch einen Diskurs auf breiter Basis anzustoßen.

Skribeleit berichtet von den Pläne einer Wechselausstellung über die Männer des Widerstandes vom 20. Juli 1944, der auch Bonhoeffer angehörte. Sie solle über die rein historische Sichtweise hinaus in kritisch-würdigender Form die Bedeutung und Instrumentalisierung der Gruppe zeigen, die sie bis heute erfahren. "Es geht um eine sehr gegenwärtige Sicht, die nicht nur museal ist, sondern die Auswirkungen beleuchtet."

Bonhoeffer-Erinnerung zwischen Verehrung und Missbrauch

Flossenbürg
Hintergrund:

Dietrich Bonhoeffer

  • Geboren am 4. Februar 1906
  • 1933 Mitarbeit in der bekennenden Kirche
  • 1938 Einweihung in die Pläne eines Staatsstreichs gegen die Nationalsozialisten
  • 1940 Suche im Ausland für Unterstützung des Deutschen Widerstands
  • 1943 Verhaftung
  • Ermordung im Konzentrationslager Flossenbürg am 9. April 1945

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