06.08.2019 - 14:42 Uhr
FlossenbürgOberpfalz

Barrierfreiheit am Gaisweiher: Gemeinde will nichts ändern

"Der Campingplatz Gaisweiher hat nie damit geworben, barrierefrei zu sein", sagt Bürgermeister Thomas Meiler. Damit weist er die Kritik der Camperin Rosemarie Zaruba an den Sanitäranlagen zurück. Letztlich gehe es ihr um etwas ganz anderes.

"Die braucht die Treppe nicht", betont Erwin Löw (links), Berater für Barrierefreiheit vom VdK Flossenbürg. Bürgermeister Thomas Meiler (Mitte) und Jürgen Markelstorfer, Vorsitzender der "Campingfreunde Gaisweiher" sind sich einig: Geändert wird nichts.
von Wolfgang Fuchs Kontakt Profil

"Helene Huber will das Image von unserem Campingplatz und vom Kommunalservice beschädigen", schimpft Thomas Meiler, Bürgermeister der Gemeinde Flossenbürg, über die ehemalige Pächterin der Gaststätte. Am Rande des Pachtstreits beschwere sich nun auf einmal auch Camperin Rosemarie Zaruba: Die Sanitäranlagen seien nicht barrierefrei. Da Zaruba und Huber "eng miteinander befreundet" seien, glaubt Meiler nicht an Zufall.

"Gebe keine Ruhe"

"Wenn Frau Zaruba mit den Voraussetzungen zufrieden ist, ist sie herzlich willkommen. Sonst sollte sie vielleicht Konsequenzen ziehen und für sich und ihren Mann einen anderen Campingplatz suchen. Das muss sie entscheiden." Mit dieser Aussage Meilers konfrontiert, äußert Zaruba Unverständnis: "Muss erst etwas passieren? Und warum soll ich mir einen anderen Platz suchen? Mir gefällt es hier. Aber ich gebe keine Ruhe. Ich sage, was ich denke."

Man wolle sich das, was man nach der Sanierung des Platzes aufgebaut habe nicht kaputtmachen lassen, hatte sich Jürgen Markelstorfer, der Vorsitzende des Vereins "Campingfreunde Gaisweiher", ins Gespräch vor Ort mit Meiler eingebracht. Er deutet dabei auf die Anlage, die vor rund zwei Jahren "in abgespeckter Form" saniert und damit vor einer Schließung bewahrt wurde.

Zaruba, gemeinsam mit ihrem Mann seit zwölf Jahren Dauercamperin am Gaisweiher, hatte sich gegenüber unserer Zeitung öffentlich darüber beklagt, dass in den Sanitäranlagen ein Bereich für Behinderte fehle und "alles viel zu eng" sei. In den WCs gebe es keine Haltegriffe. Die Zugangsrampe könne sie nicht nutzen, um ihren schwerbehinderten Mann im Rollstuhl nach oben zu schieben, denn der Weg sei zu lang. Stattdessen hieve sie ihn die drei Stufen bis zur Tür nach oben. Dies sei nicht ungefährlich, da es kein Geländer gibt.

Nach diesen Vorwürfen haben die "Campingfreunde" einen Fachmann kommen lassen. Erwin Löw, Berater für Barrierefreiheit vom VdK Flossenbürg, führt die Gruppe durch die Sanitäranlage und erklärt: "Die braucht die Treppe nicht." Die Anlage sei problemlos über die Rampe zugänglich, auch mit Rollstuhl. Die Türrahmen seien breit genug, im Vorraum sei genügend Platz, und im Waschraum könne der Rollstuhl locker unter die Waschbecken gefahren werden. In die Duschen passe zwar kein Rollstuhl, aber man könne ganz nah an sie heranfahren, einen Stuhl hineinstellen und sich mit Hilfe einer Gehstütze, wie der 76-jährige Ludwig Zaruba sie nutze, in die Dusche setzen.

Nichts zu beanstanden

"Ein Geländer brauchen wir nicht", stellt auch Meiler klar. "Der Zugang ist gewährleistet." In 14 Tagen werde zudem der Vorplatz geteert, da würde ein Geländer bei den Arbeiten bloß stören. Ob irgendwann später eines hinkomme, müsse er mit dem Verwaltungsrat klären. Dass Zaruba die Rampe nicht akzeptiere, sei reine Konfrontation.

Rosemarie Zaruba, die auf ausdrücklichen Wunsch Markelstorfers nicht beim Rundgang dabei war, betont bei einem anschließenden Gespräch: "Ich wünsche mir ein Geländer an der Treppe und jeweils einen Griff zum Festhalten in Dusche, Waschraum und Toilette. Dann wäre dieses Thema für mich gegessen." Dabei gehe es ihr nicht um sie allein, sondern generell um Menschen mit Handicap. "Und ich möchte betonen: Was die mit dem Restaurant haben, geht mich nichts an und interessiert mich nicht."

Ihre Platznachbarin Heidlind Stenzel, selbst seit den 1970er-Jahren Gast auf dem Campingplatz, ergänzt: "Eigentlich wäre es eine Lappalie. Ich hatte den Bürgermeister gebeten, das Geländer vom alten Sanitärgebäude an das neue anzubringen. Wir wären auch bereit, die Kosten zu tragen. Das würde nicht nur den Behinderten helfen: Alle täten sich leichter. Der Bürgermeister hat es sich notiert, aber nichts getan. Herr Markelstorfer ebenso."

Der Campingplatz habe nie den Anspruch einer Barrierefreiheit gehabt, betont Meiler. Das sei "topografisch schwierig", da das Gelände sehr hügelig sei. "Wir versuchen alles, um die Anlage für Camper so angenehm wie möglich zu gestalten. Beim Fußweg am See und bei der Gaststätten-Toilette haben wir etwa geschaut, dass alles barrierefrei ist." Letztere ist jedoch aufgrund des Rechtsstreits mit Huber geschlossen. "Wir müssen das Gerichtsurteil abwarten."

Lesen Sie mehr über den Streit um die Sanitäranlage auf dem Campingplatz Gaisweiher

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Hier finden Sie mehr Informationen zum Pachtstreit um das Gasthaus Gaisweiher

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Kommentar:

Keine Harmonie im Idyll

Was für ein schönes Plätzchen dieser Gaisweiher doch ist – zumindest darin sind sich wohl wirklich alle Beteiligten einig. Doch wie schnell kann ein Idyll zur Hölle werden, wenn die Harmonie nicht stimmt. Laut Rosemarie Zaruba wünschen sich mehrere Dauer-Camper ein Geländer an den Stufen, die zur Sanitäranlage führen, sowie jeweils einen Griff in Dusche, Waschraum und Toilette zum Festhalten. Bürgermeister und Vorsitzender des Vereins „Campingfreunde Gaisweiher“ stellen sich quer.
Seit dem Pachtstreit um die Gaststätte herrscht Misstrauen. Die Verantwortlichen sehen das Image des Campingplatzes bedroht. An einem lösungsorientierten Gespräch mit der Kritikerin scheinen sie kein Interesse zu haben. Vielleicht wäre ein Sprung ins Nass ein Ansatz, um danach mit kühlem Kopf die Probleme anzugehen. Ein Geländer und ein paar Griffe wären dann der Schlüssel zurück ins Idyll.

Wolfgang Fuchs

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