06.10.2021 - 08:50 Uhr
FlossenbürgOberpfalz

Flossenbürger Firma arbeitet seit zwei Jahren mit Vier-Tage-Woche

Die Vier-Tage-Woche in der Nordoberpfalz bleibt aktuell. Nun hat sich ein Unternehmer aus Flossenbürg gemeldet. Bei "Meier Bauelemente" gibt es die Vier-Tage-Woche bei vollem Lohn bereits seit zwei Jahren. Der Chef berichtet, wie es läuft.

Vier Tage in der Woche arbeiten, bei vollem Lohn: In einer Flossenbürger Firma gibt es die Vier-Tage-Woche seit zwei Jahren.
von Julian Trager Kontakt Profil

Vor zwei Jahren, so erzählt er es selbst, kam der Flossenbürger Unternehmer Christoph Meier auf eine Idee. Weil es auch in der Baubranche oftmals so ist, dass die Arbeiter ab Mittag schon an den Feierabend denken, dachte er damals: Warum nicht gleich auf den Freitag verzichten? Kurz darauf führte Meier in seinem Unternehmen die Vier-Tage-Woche ein – und sie gibt es dort noch heute.

Die Vier-Tage-Woche – nur für vier Tage die Woche arbeiten, bei vollem Lohn – ist seit Wochen ein Thema. Ein Bericht von Oberpfalz-Medien über eine Weidener Firma, die sie im nächsten Jahr in einem Pilotprojekt testen wolle, sorgte für einige Reaktionen. Wie das ginge, ob das überhaupt funktionieren könne. Auch Christoph Meier meldete sich. Der 34-Jährige, in dessen Firma es die Vier-Tage-Woche seit zwei Jahren gibt, könne ganz gut darüber berichten, seine Erfahrungen weitergeben.

Wie gewinnt man heute Fachkräfte? Eine gute Antwort auf diese Frage war für Meier die Einführung der Vier-Tage-Woche. Seit fünf Jahren ist er Geschäftsführer von "Meier Bauelemente", seit vergangenem Jahr alleiniger Inhaber. Er achte darauf, dass seine Mitarbeiter nicht ausbrennen. Deswegen damals auch die Idee, einen Tag streichen zu lassen. Seine Leute müssten freitags zu manchen Baustellen lange anfahren, dann hätten sie vielleicht noch vier Stunden Arbeit, in denen sie gedanklich oft schon den Feierabend herbeisehnten. "Also konnte der Tag gleich weg", meint Meier. "Meine Mitarbeiter sparen sich dadurch mordsviel Zeit." Potenzial, das sonst verbraucht werde.

Kaum Krankheitstage mehr

In einem Meeting hatte es Meier seinem Team vorgeschlagen. Alle hätten es gut gefunden. "Also haben wir es mal vier Wochen ausprobiert", erinnert sich der 34-Jährige. Als es ihm selbst, seinen Mitarbeitern und den Kunden gefiel, ließ man es weiter laufen. Seitdem arbeiteten seine Mitarbeiter nur vier Tage die Woche, alles sei gut. "Komplett reibungslos, es gab keine Probleme", sagt Meier.

"Es ist eine Win-Win-Situation", meint der Flossenbürger. Zum einen würden die Beschäftigten weniger arbeiten, weniger ausgelastet sein. Zum anderen steige die Produktivität. Die steige, erklärt Meier, aus mehreren Gründen. Die Mitarbeiter haben einen ganzen Tag mehr Freizeit, das sei gut für die "Work-Life-Balance". Wenn man ehrlich sei, erzählt der Unternehmer, würden die Leute ja auch in der Arbeit mal privat telefonieren, im Netz surfen, einen Arzttermin ausmachen. "So kann das jetzt alles am freien Tag gemanagt werden." Die Mitarbeiter könnten sich aussuchen, wann sie frei haben wollen, Freitag oder Montag, ein verlängertes Wochenende. Privatsachen müssten nicht mehr zwischen Tür und Angel erledigt werden. "Die Mitarbeiter kommen dann erholter in die Arbeit, sie haben die Möglichkeit, mehr vom eigenen Leben zu haben." Die Beschäftigten fühlten sich wertgeschätzter, meint Meier, sie würden dadurch mehr leisten, für die Firma, für die Kollegen. Man helfe sich mehr. Und: Krankenstandstage gebe es so gut wie keine mehr.

Kunde darf nicht leiden

Und was ist mit den Kunden? "Die wissen das zu schätzen", sagt der Flossenbürger. Die Baustelle sei sauberer, die Mitarbeiter besser gelaunt. Natürlich: "Bei aller Liebe, wir wollen nicht, dass der Kunde darunter leidet." Alles laufe normal weiter. "Die Baustelle für den Kunden muss niemals ruhen", sagt Meier. Man arbeite in vier Teams. Wenn Team A am Freitag frei hat, arbeite da dann Team B, das montags frei hat. "Meier Bauelemente" hat 16 Mitarbeiter, der Stammsitz liegt in Flossenbürg, derzeit wird aber in Neustadt/WN eine neue Zentrale gebaut.

Nach bisher zwei Jahren mit der Vier-Tage-Woche zieht Christoph Meier ein positives Fazit. "Es funktioniert gut", sagt er. Und man kann damit "definitiv" bessere Fachkräfte anwerben. Jeder in der Baubranche schreie doch nach Fachkräfte – aber keiner bilde noch aus. "Wer kümmert sich noch um die Mitarbeiter?", fragt Meier. Bei ihm sei das eben schon der Fall. In seiner Firma gebe es ja nicht nur die Vier-Tage-Woche, sondern viele verschiedene Bezahlmodelle, nach Stunden, nach Festtarif, alles Verhandlungssache. Für die Arbeiter auf der Baustelle, die Leute im Büro, im Verkauf. Im Büro gebe es zwar gewissen Kernzeitarbeiten, aber ansonsten könnten die Mitarbeiter dort kommen und gehen, wie sie wollen. "Die haben Narrenfreiheit", sagt Meier. Alles sei sehr flexibel. "Die Zeit, in der die Leute in der Früh schlecht gelaunt in die Arbeit und spät abends noch schlechter gelaunt nach Hause gegangen sind, ist vorbei."

Weidener Firma will Vier-Tage-Woche einführen

Weiden in der Oberpfalz

Kommentar zur Vier-Tage-Woche

Deutschland und die Welt
Hintergrund:

Was sagt die IG Metall Amberg dazu?

  • Neben der Vier-Tage-Woche gehört auch das Thema Flexibilität zu den Modewörtern des modernen Arbeitens. Flexibilität hört sich gut an, aber ist es das auch?
  • "Wenn man Arbeitszeiten ungleich verteilt, ist das grundsätzlich völlig in Ordnung", sagt Horst Ott, Erster Bevollmächtigter der IG Metall Amberg. Neben betrieblichen Belangen müssten aber auch persönliche Belange der Arbeitnehmer eine Rolle spielen.
  • Wie ist die Lebenssituation des Beschäftigten? Hat jemand eine junge Familie, ist er Azubi oder steht er kurz vor der Rente? Das seien immer andere Voraussetzungen, so Ott. Man müsse die individuellen Punkte berücksichtigen.
  • Ein wichtiger Punkt: Flexibilität dürfe nicht nur für mehr Arbeit dienen. "Viele Arbeitgeber in der Region verstehen Flexibilität als mehr Arbeit, volle Arbeitskonten", sagt Ott. Aber man müsse eben auch die Entnahme regeln, nicht nur aus Arbeitgebersicht. Oft sei es ja doch noch so, dass Mitarbeiter wie Erntehelfer funktionieren: Wenn sie gebraucht werden, müssen sie da sein. "Aber im Grundsatz ist das Thema Flexibilität für uns in Ordnung."
  • Zur Vier-Tage-Woche hat die IG Metall eine klare, positive Meinung. "Das ist für uns kein Neuland." Bei VW habe man das in den 90er für kurze Zeit durchgesetzt.
Christoph Meier hat vor zwei Jahren die Vier-Tage-Woche in seiner Flossenbürger Firma "Meier Bauelemente" eingeführt.

 

 

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