03.08.2020 - 09:29 Uhr
FlossenbürgOberpfalz

Für Flossenbürg: "Gute Idee, aber falscher Standort"

Als bei der Feier des Geotops von der Förderzusage für das Steinhauerhaus die Rede ist, schrillen bei einigen Gemeinderäten die Alarmglocken. Der Gemeinderat hat dem Projekt noch nicht zugestimmt. Und die Mehrheit hat das auch nicht vor.

Die SPD- und FWG-Gemeinderäte wollen gegen den Ausbau des Steinhauerhauses stimmen, sind aber durchaus für eine Geo-Infostelle anderswo in der Gemeinde: Roman Schell, Ulrich Krapf, Holger Bannert, Hans-Peter Gruber, Pamela Wünsche, Alexander Sailer, Birgit Neumann (von links).
von Gabi EichlProfil

Die Gemeinderäte von SPD und FWG wollen den Plänen, aus dem verfallenen Steinhauerhaus am Burgweiher eine Informationsstelle zu machen, nicht zustimmen. Das bekräftigen die fünf SPD-Räte und die zwei Freien Wähler bei einem Ortstermin. Beide Fraktionen zusammen haben eine knappe Mehrheit im Gemeinderat und könnten die Pläne somit verhindern.

Projekt ja, Standort nein

Wie SPD und FWG betonen, sei man keineswegs grundsätzlich gegen ein solches Geo-Infozentrum, man sei nur gegen den Standort. Und diese Haltung sei nicht neu, seit Ende des vergangenen Jahres unternähmen beide Fraktionen immer wieder Anläufe, um zu einer gemeinsamen Lösung mit Bürgermeister Thomas Meiler und der CSU-Fraktion zu kommen. Auch im Kommunalwahlkampf hätten SPD und FWG keinen Zweifel daran gelassen, dass sie gegen einen Ausbau des Steinhauerhauses seien. Dies sei in Wahlveranstaltungen im Beisein des Bürgermeisters mehrmals gesagt worden.

Der SPD-Sprecher Roman Schell sagt beim Ortstermin, er habe wiederholt das Gespräch mit dem Bürgermeister gesucht, nachdem der Widerstand in der Bevölkerung gegen das Projekt immer massiver geworden sei. Und er habe immer wieder darauf hingewiesen, dass seine Fraktion dem Standort am Burgweiher nicht zustimmen werde.

Bei den Freien Wählern hatte sich Alexander Sailer schon im August 2019, als das Thema erstmals auf der Tagesordnung im Gemeinderat stand, gegen das Projekt ausgesprochen.

Es ging in jener Sitzung am 8. August 2019 darum, rechtzeitig einen Förderantrag für das Projekt zu stellen. Die Sitzung war darum auch vorverlegt worden, um den Stichtag für die Abgabe des Förderantrags nicht zu verpassen. Verschiedene Gemeinderäte fühlten sich damals eigenem Bekunden nach unwohl, so schnell entscheiden zu müssen. Birgit Neumann (FWG) und Peter Gruber (SPD) sagten, es sei schwierig, in so kurzer Zeit über eine solche Investition zu entscheiden. Am Ende stimmte die Mehrheit dafür, einen Förderantrag für das Projekt zu stellen; dagegen waren Sailer und Gruber.

Pamela Wünsche (SPD) weist als eine von fünf neu gewählten Gemeinderäten darauf hin, dass das Projekt seit der Kommunalwahl noch nicht ein einziges Mal Gegenstand einer Gemeinderatssitzung gewesen sei.

Die „überwiegend negativen Rückmeldungen von Bürgern“ (Sailer) sind aber nicht der einzige Grund für die ablehnende Haltung von SPD und FWG. Wie die Sprecher Schell und Neumann sagen, seien sich die Befürworter des Projektes nicht bewusst, was dieses an Folgekosten nach sich ziehe. Der abgelegene Standort berge eine erhebliche Gefahr von Vandalismus. Darüber hinaus sei ein großer Eingriff in das idyllische Naturschutzgebiet Schlossberg erforderlich. Die Sanierung des baufälligen Steinhauerhauses werde teurer als geplant werden, da es an dem Standort keinerlei Infrastruktur gebe, die Wege dorthin ausgebaut werden müssten, da für ältere und behinderte Menschen vollkommen ungeeiget. Es gebe keine Rettungswege und keine Parkplätze. Überdies könne die Infostelle dort oben im Winter nicht genutzt werden.

Anderen Standort suchen

Die SPD- und FWG-Gemeinderäte sprechen sich für einen anderen Standort der Infostelle aus. Wie Sailer sagt, könne man jederzeit mit den heutigen technischen Möglichkeiten in einer Infostelle an einem besser zugänglichen Ort das Nationale Geotop darstellen; wer dazu in der Lage sei, könne sich das Geotop dann auch jederzeit vor Ort ansehen. Dazu sei es aber nicht erforderlich, eine unzugängliche Ruine in einem Naturschutzgebiet auszubauen.

Das Steinhauerhaus (Pfeil) finden nur Einheimische; es ist vollkommen zugewachsen.
Der Weg zum Steinhauerhaus vom Sportplatz aus: ein schmaler Trampelpfad.

Der Flossenbürger Schlossberg darf sich seit kurzem Nationales Geotop nennen. In diesem Zusammehang spielt auch der Infopoint eine tragende Rolle.

Flossenbürg
Geo-Informationsstelle in Flossenbürg:

Was, wer, wozu

Was: Das frühere Steinhauerhaus am Burgweiher, das vollkommen eingewachsen unmittelbar gegenüber dem Nationalen Geotop am Schlossberg liegt, soll zu einer Geo-Informationsstelle ausgebaut werden. Dazu würde auf das einsturzgefährdete Gebäude ein Kubus gepackt mit Panoramafenstern in Richtung Steinbruch und Naturschutzgebiet.

Wer: Hinter dem Projekt stehen Bürgermeister Thomas Meiler und die CSU-Fraktion im Gemeinderat, unterstützt werden sie von dem in Parkstein ansässigen gemeinnützigen Verein Geopark Bayern-Böhmen.

Wozu: Die Infostelle würde in erster Linie Studenten und Fachleuten der Geologie dienen, sie soll aber auch den Tourismus befördern.

Kosten: Das Projekt wird aus dem europäischen Fördertopf für Regionalentwicklung und europäische Zusammenarbeit (INTERREG A) bezuschusst. Es ist Teil eines länderübergreifenden 1,2-Millionen-Projektes in Zusammenarbeit mit dem tschechischen Plana; der Anteil Flossenbürgs in Höhe von etwa 500.000 Euro würde voraussichtlich mit 85 Prozent gefördert.

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