Flossenbürg
05.09.2021 - 10:31 Uhr

Gedenkstättenarbeit in Flossenbürg: "Nie wieder als Mantra reicht nicht"

SPD-Landesvorsitzenden Florian von Brunn besucht die KZ- Gedenkstätte in Flossenbürg. Er ist damit einer von vielen im August. Grund zur Freude. Aber es gibt einen Haken an der Sache.

Jörg Skriebeleit (rechts) führt den SPD-Landesvorsitzenden Florian von Brunn (vorn links), MdL Annette Karl (Dritte von rechts) und SPD-Politiker aus der Region durch die KZ-Gedenkstätte. Bild: Eichl
Jörg Skriebeleit (rechts) führt den SPD-Landesvorsitzenden Florian von Brunn (vorn links), MdL Annette Karl (Dritte von rechts) und SPD-Politiker aus der Region durch die KZ-Gedenkstätte.

Die KZ-Gedenkstätte hatte noch in keinem August so viele Besucher wie heuer. Ein Umstand ganz nach dem Geschmack des Landesvorsitzenden einer Partei, die sich die Volksbildung auf die Fahnen geschrieben hat. Wäre da nicht ein Haken.

Der Gedenkstättenleiter Jörg Skriebeleit hat den SPD-Landesvorsitzenden Florian von Brunn, der auch die Fraktion im Landtag führt, zusammen mit Brunns Kollegin Annette Karl und SPD-Politikern aus der Region durch die Anlage geführt. Er erläuterte dabei die Besonderheiten der Gedenkstätte, die durch ihren geringeren Bekanntheitsgrad neben Namen wie Auschwitz oder Dachau in der Lage sei, mit pädagogischen Konzepten zu experimentieren. Skriebeleit sprach von einem „Experimentierfeld der Erinnerung“.

Aber so erfreulich die hohen Besucherzahlen auch dank des pandemiebedingten Inlandstourismus sind, Skriebeleit weist darauf hin, dass es sich bei den Gästen um sogenannte bildungsnahe Familien handle. Auch die bildungsfernen Familien zu erreichen, „das ist eine ur-sozialdemokratische Angelegenheit“. Die Gedenkstätte bemühe sich seit Jahren um diese. Wie sehr sich ein Besuch auch für kleinere Kinder lohnt, beschreibt die stellvertretende Landrätin Margit Kirzinger. Sie sei vor kurzem mit ihrem elfjährigen Enkel in der Anlage gewesen; dieser habe sich so wissbegierig gezeigt, dass sie einen erneuten Besuch mit ihm plane. Bezirksrätin Brigitte Scharf lobt den Umstand, dass derlei heute in der Schule mehr thematisiert werde als zu ihrer Schulzeit. Karl spricht davon, dass Nichten nach einem Besuch „fertig“ gewesen seien. Vor allem durch das „aus den Nummern wieder Menschen machen“, wie es in der Gedenkstätte praktiziert werde.

Skriebeleit beschreibt die Pläne der Gedenkstätte mit dem Steinbruch in den nächsten Jahren. Keinesfalls wolle man eine „Käseglocke“ über diesen stülpen. Er bittet ausdrücklich um Anregungen, um Ideen. Das „Nie wieder als Mantra“ reiche nicht.

Von Brunn dankt Skriebeleit ausdrücklich für dessen moderne Version der Gedenkstättenarbeit; für die bayerische SPD sei diese weiterhin „Verpflichtung“, dies zumal in einer Zeit, in der rechte Parteien wieder Auftrieb hätten. Am Gedenkstein der Sozialdemokraten legt die SPD-Abordnung einen Kranz nieder.

Floß05.09.2021
 
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