Aus der Zeit um 1417/18 findet sich ein Zeugnis einer kleinen Siedlung und der dort stehenden Kapelle. Sie soll dem heiligen Achatius geweiht gewesen sein. Der war ein römischer Soldatenmärtyrer des zweiten Jahrhunderts und wird den 14 Nothelfern zugeordnet. Details zu dem Hinweis sind nicht erhalten, niemand weiß, wo das Kirchlein gestanden sein soll und auch bauliche Reste wurden nie gefunden.
Ein Verzeichnis vom 28. Mai 1799 spielt ebenfalls auf die Kapelle an. Es ist einer von zahlreichen Vermerken, die im Laufe der Geschichte niedergeschrieben wurden: „Derorten sind 5 Häuser und liegt dieses Dörfl im Wald, soll allda vor älteren Zeiten ein Kirchl gestanden und den Namen St. Oetzen geführt haben, wonach sich also dermahlen das Dörfl nennt.“ Welchen Stellenwert der Hinweis von 1417/18 hat, zeigt sich im Sitzungssaal des Rathauses. Im „Lebensband“ verweist eine der 24 Tafeln auf die St. Ötzener Kapelle.
Aktuell leben in dem Ortsteil im Nordosten der Grenzgemeinde 5 Familien mit 23 Einwohnern. Sie alle halfen mit, die 600-Jahr-Feier vorzubereiten und abzuwickeln. Dafür war ein gehöriger Aufwand nötig, der am Samstag mit Bilderbuchwetter belohnt wurde. Mehr als 100 Einwohner, gebürtige Ötzener, Familienangehörige, Freunde und Gäste aus den Nachbarorten Hildweinsreuth, Rumpelbach und Gaismühle versammelten sich zum Auftakt des Nachmittags am Parkplatz bei der Abzweigung zum Panoramaweg.
Selbst aus Mannheim reisten Angehörige an – einige Minuten verspätet. Peter Schwanitz schmunzelte zur Bitte, deshalb mit dem offiziellen Beginn noch etwas zu warten: „Die verstehen uns sowieso nicht.“ Wichtiger waren in den Minuten die visuellen Eindrücke. Enthüllt wurde eine an zwei Granitstelen angebrachte Hinweistafel. Sofia Schwanitz und Laura Frenzel gestalteten sie mit einem prägnanten Text, mit einer historischen Übersichtskarte aus dem Jahr 1800 und mit zwei von Weltmeister und Olympiasieger Eric Frenzel zur Verfügung gestellten Luftaufnahmen.
Bei der Infotafel blieb es nicht. Im „Ortszentrum“ steht jetzt ein mächtiger Erinnerungsstein. Eine Tafel verweist auf dem Granituntergrund mit den Zahlen 1417/18 und 2018 auf das 600-jährige Bestehen der Siedlung. Franz Rosner unterstützte das Aufstellen des Blocks mit einer großzügigen Spende des seit 20 Jahren existierenden „Ötzen-Stammtisches“. Manfred Sladky fertigte die Tafel. Mit Bier, Sekt und alkoholfreien Getränken stießen alle auf den runden Geburtstag an.
Weiter ging es im zum Festsaal umgewandelten Stadel von Karl und Tanja Schwanitz. Dort wurden die Gäste mit Kaffee und Kuchen versorgt. Peter Schwanitz bat, diese Stunden zu kurzweiligen Gesprächen oder auch zu Erinnerungen an früher zu nutzen: „In der Geschichte gab es wichtige Ereignisse. Selbst ein Steinbruch gehört dazu. Heute haben wir den Panoramaweg, den Mittelpunkt Mitteleuropas oder auch den Kunststadel in der Nähe. Und mit Eric Frenzel lebt ein weltweit erfolgreicher Wintersportler in unseren Reihen.“
„Haltet euren Gemeinschaftssinn hoch“, forderte Bürgermeister Thomas Meiler. Der Ortsteil imponiere schon immer mit einem vorbildlichen Miteinander. Intensiv beschäftigte sich das Gemeindeoberhaupt mit geschichtlichen Aspekten. So finden sich in den sogenannten „Salbüchern“ wiederholt Auflistungen der in St. Ötzen lebenden Menschen, der Anwesen oder des Viehbestandes: „Vermutlich war das Grundlage für die Abgaben.“
Ins Auge fiel ein Eintrag von 1712: „Damals hatte St. Ötzen sogar einen eigenen Hirten. Er hieß Hans Brendl, und sein einziger Besitz war eine Kuh.“ So weit reichten die Erinnerungen am Samstag zwar nicht zurück, erzählt wurde aber trotzdem viel. Hunger und Durst musste auch niemand leiden. Am Abend kam ein Spanferkel auf den Tisch.














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