12.06.2020 - 18:07 Uhr
FlossenbürgOberpfalz

KZ-Gedenkstätten alleine können nicht gegen rechtes Gedankengut wirken

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Wird ein Angriff auf eine KZ-Gedenkstätte verübt, heißt es gleich: Pflichtbesuche für Schulklassen. Doch hilft in diesem Fall nicht, schreibt Elisabeth Saller in ihrem Kommentar.

Eine Schulklasse besucht die KZ-Gedenkstätte Flossenbürg lange vor dem Ausbruch der Corona-Pandemie.
von Elisabeth Saller Kontakt Profil
Kommentar

Ein Rechtsradikaler zeigt in der KZ-Gedenkstätte Dachau den Hitlergruß, antisemitische Parolen werden in Kleve an die Wand gesprüht. Wie kann man Menschen davon abhalten, rechtsradikale Täter zu werden? Hilft ein Pflichtbesuch einer KZ-Gedenkstätte für alle Schüler?

Nein. Wer die kriminelle Energie hat, einen Ort, der an Nazi-Verbrechen erinnern soll, zu schänden, der ändert seine Einstellung nicht nach einer zweistündigen Führung, auch wenn diese noch so eindrücklich ist. Diese Täter sind von ihrer Gesinnung überzeugt - und wissen ganz genau, wo sie sich befinden und wie sie diese Stätten, die Opfer der Nazis, ihre Angehörigen, Gäste und Mitarbeiter angreifen können. KZ-Gedenkstätten können Besucher nicht gegen rechtes Gedankengut immunisieren.

Um Rechtsradikalismus zu verhindern, müssen viele Stellen zusammenarbeiten: Eltern müssen die Leistung ihrer Kindern anerkennen, zeigen, dass sie stolz auf den Nachwuchs sind. Freunde, Mitschüler, Vereine können Jugendliche davor bewahren, nach rechts abzudriften. Lehrer müssen rechtsradikale Provokationen im Unterricht aufgreifen, das Gesagte einordnen. Und jeder kann sich Hilfe holen - etwa bei der Mobilen Beratung gegen Rechts in Regensburg oder der Bundeszentrale für politische Bildung.

Flossenbürg verzeichnet weniger Angriffe als andere KZ-Gedenkstätten

Flossenbürg

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