13.09.2021 - 11:59 Uhr
FreihungOberpfalz

B 299 bei Freihung fast fertig, dafür nun Schäden auf "Schleichwegen"

Zwei Motorradfahrer, die die Sperre ignorierten, flogen über die Fräskante. Der Umleitung, die wegen der Fahrbahn-Erneuerung der B 299 bei Freihung nötig war, folgten viele Verkehrsteilnehmer nicht. Und haben damit neue Schäden verursacht.

Endspurt bei der Fahrbahnerneuerung der B 299 bei Freihung: Ab Donnerstag wird die Straße wieder freigegeben.
von Heike Unger Kontakt Profil

Wenn bei Bauarbeiten Umleitungen nötig werden, legt das Staatliche Bauamt diese auf dafür geeignete Straßen. Im Fall der Fahrbahn-Erneuerung der B 299 bei Freihung (Landkreis Amberg-Sulzbach), die Mitte August begonnen hatte, bedeutete das: Die Ausweichroute musste sehr weit um die Baustelle herumgeführt werden, über Vilseck und Kaltenbrunn. Ein großer Umweg. Das gefiel offenbar vielen Verkehrsteilnehmern nicht – sie ignorierten die Beschilderung und suchten sich ihre eigenen Wege. Dabei mag Ortskundigkeit eine Rolle gespielt haben oder auch Alternativen, die das Navi oder Google Maps anbieten, vermuten Tobias Bäumler, Bereichsleiter Straßenbau, und der zuständige Abteilungsleiter Stefan Noll vom Staatlichen Bauamt Amberg-Sulzbach.

Bürgermeister Uwe König (FW) wird noch deutlicher: "Das Problem ist, dass in Google Maps praktisch jeder Weg drin ist – auch der kleine Feldweg", der aber für normalen Verkehr nicht geeignet sei. Besonders problematisch sei es, dass solche Wege für Begegnungsverkehr zu schmal sind – was Schäden an den Banketten verursacht. "Die Leute sind sogar durch ein Privatgrundstück eines Landwirts durchgefahren", berichtet König kopfschüttelnd. Auch wenn die Umleitung gut ausgeschildert ist: "Es schaut ja heute fast keiner mehr auf Schilder, sondern nur noch aufs Navi", meint Tobias Bäumler. Ein besonderes Problem waren Lkw: Gemeinderat Sebastian Weiß (CSU) erzählt von "drei verirrten Tiefladern", die mitten in der Nacht in Tanzfleck festsaßen. Bürgermeister Uwe König nennt ein weiteres Beispiel, bei dem zwei Tieflader und ein Holz-Laster am für sie gesperrten Ortseingang von Freihung aufeinandertrafen – und beim Rangieren ein Stallgebäude beschädigt haben. "Das war dann ein längeres Telefonat."

Ungeeignete "Schleichwege"

Das grundsätzliche Problem ist: "Schleichwege", vom Radweg bis zum Flurbereinigungsweg, sind für Verkehr, wie er auf der B 299 unterwegs ist, insbesondere auch für Lastwagen, nicht geeignet. Hinzu kommt, dass der regnerische August die Bankette aufgeweicht hat, was den unbefestigten Wegen zusätzlich zugesetzt hat. Die Folge: Schäden, die Anwohner und Vertreter der Gemeinde Freihung auf mehrere tausend Euro schätzen. Sebastian Weiß drückt es mit Blick auf die gerade erst neu hergerichteten Flurbereinigungswege so aus: "Wir haben hier viel Geld investiert in Gräben und Bankette – und jetzt ist alles kaputt." Uwe König spricht von rund 3000 Metern "Schleichweg", die nun noch vor dem Winter wieder repariert werden müssten: "Die Landwirte können mit ihren schweren Geräten nicht mehr auf das Bankett fahren."

Stefan Noll pflichtet dem bei. Die illegalen Abkürzungen hätten "richtig Schaden angerichtet". Und wer zahlt den jetzt? Das ist noch nicht geklärt, Gemeinde und Bauamt sind hier noch im Gespräch. Denn eigentlich ist das Staatliche Bauamt nur für die Behebung von Schäden verantwortlich, die auf den offiziell ausgeschilderten Umleitungsstrecken entstehen. Jetzt hole man Angebote für die nötigen Reparaturen ein, informierte Tobias Bäumler – "und dann setzt man sich zusammen und schaut, was man macht". Beide Seiten sind zuversichtlich, dass sie eine Lösung finden. Aber sie ärgern sich schon jetzt über Kosten, die einfach nicht nötig gewesen wären.

Beim Bau alles nach Plan

Abgesehen vom Umleitungs-Ärger, mit dem selbst das diesbezüglich erfahrene Bauamt in diesem Ausmaß nicht gerechnet hatte, lief alles nach Plan auf der Baustelle. Die B 299 hat auf einem rund 2,5 Kilometer langen Stück zwischen Tanzfleck und Seugast eine neue Fahrbahn bekommen. Die alte war in einem schlimmen Zustand: Risse, Spurrillen, sogar ein tiefes Loch – die Verkehrsbelastung hatte Spuren hinterlassen, Asphalt- und Tragschichten waren verbraucht. 1,4 Millionen Euro kostet die Fahrbahn-Erneuerung, wie Stefan Noll beim Ortstermin sagt. Eingebaut wurde Splitt-Mastix-Asphalt, der "ein bisschen leiser" sei als herkömmlicher.

Wie geplant könnten die Asphaltierungsarbeiten "termingerecht zum Ende der Sommerferien abgeschlossen werden". Das bedeutet laut Noll auch, dass ab dem ersten Schultag, ab Dienstag, "die Schulbusse die Bundesstraße wieder benutzen können". Dann seien nur noch Restarbeiten nötig, Fahrbahnmarkierungen und die Installation von Leitplanken. Zuletzt konnte der Verkehr die Baustelle zumindest über eine Ampel-Regelung wieder einspurig passieren. Ab Donnerstag, 16. September, ist die B 299 bei Freihung dann wieder komplett freigegeben.

In Amberg wird die Sulzbacher Straße bis Ende 2022 gesperrt

Amberg
Hintergrund:

Drei große Straßenbaumaßnahmen laufen, eine weitere folgt heuer noch

Unter der Regie des Staatlichen Bauamts Amberg-Sulzbach laufen in der Region derzeit drei große Baumaßnahmen. Neben der B 299 bei Freihung werden auch zwischen Ursensollen und Kastl sowie bei Kauerhof Fahrbahnen erneuert. Insgesamt werden in diese drei Projekte, bei denen es um zehn Kilometer geht, rund fünf Millionen Euro investiert. Und die nächste große Baustelle ist schon in Planung.

  • Bundesstraße 299 zwischen Ursensollen und Kastl: Erneuerung der Asphaltbinder- und -deckschichten auf rund 6,5 Kilometern Länge; Kosten: rund 1,6 Millionen Euro; inzwischen wieder für den Verkehr freigegegeben.
  • Bundesstraße 14 bei Kauerhof: Erneuerung Asphalttrag- und -Deckschichten auf rund zwei Kilometern Länge; Kosten: rund 1,6 Millionen Euro.
  • Geplant: Bundesstraße 299/Autobahnzubringer Amberg-Ursensollen; Erneuerung auf sechs Kilometern dieses Jahr noch geplant, Ausschreibung läuft.

 

 

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.