24.11.2021 - 08:49 Uhr
FreihungOberpfalz

Europäisches Jugendprojekt Oberpfalz (EJPO) bereitet Jubiläums-Projekttag in Freihung vor

„Wir müssen uns mit den Tschechen wieder verständigen und als vernünftige Menschen aufeinander zugehen, denn die jetzige Generation kann nichts dafür.“ Dies betont Vertriebenen-Zeitzeuge Horst Adler beim Europäische Jugendprojekt Oberpfalz.

In der angestrebten Partnerschaft mit der Stadt Plasy sieht EJPO-Vorsitzender Hartmut Schendzielorz (Zweiter von rechts) einen "Motivationsschub zur Mitwirkung am Bau eines friedvollen Hauses "Europa". Mit im Boot sind (von links) der Freihunger Bürgermeister Uwe König, Projektbetreuerin Christiane Regn, Vertriebenen-Zeitzeuge Horst Adler und Zweiter Vorsitzender Gerd Müller.
von Siegfried BockProfil

Die erste Präsenz-Veranstaltung des Europäischen Jugendprojekts Oberpfalz (EJPO) nach fast zweijähriger Corona-bedingter Pause fand im Gasthof Glaser in Freihung statt. Der dreistündige Abend stand unter dem Thema „Bayern und Böhmen, Deutsche und Tschechen –damals und heute“.

Das Thema „Deutsche und Vertreibung“ sei an den Schulen lange Zeit unterdrückt worden. Auch in der Tschechischen Republik werde aber Objektivität inzwischen schon gelehrt, sagte Horst Adler, der Ehrenbürger von As/Asch ist. Dort hatten seine Eltern ein Gasthaus betrieben. Von Asch aus geschah der Einmarsch durch Hitler-Deutschland, wurde erstmals tschechischer Boden betreten. Adler gab sich hoffnungsvoll, dass dieses Unrecht aus der Welt geschafft werde, „denn die Benesch-Dekrete haben in unserer europäischen Ordnung nichts verloren“. Die Eigentumsfrage stelle sich nicht mehr.

Die Benesch-Dekrete seien in keiner Sekunde im Geschichtsunterricht behandelt worden, bemerkte der Jugendliche Sebastian Baldauf aus Weiden beim anschließenden Zeitzeugengespräch. „Es wäre ein symbolischer Akt, die Dekrete aufzuheben", fügte Bürgermeister Uwe König hinzu. „Das Thema Frieden ist immer aktuell. Deshalb gilt es, Brücken zu bauen, und dafür ist die Jugend der zentrale Ansatzpunkt“, stellte der Bürgermeister im Beisein von Mitgliedern des Marktgemeinderats Freihung fest. Erste Ideen habe man bereits entworfen für eine Zusammenarbeit auf kultureller, sportlicher und gesellschaftlicher Ebene. Posaunenchorleiter Heinrich Müller bezeichnete den Austausch mit dem Leiter der tschechischen Musikschule als absolut gewinnbringend.

Der zuvor gezeigte zweiteilige Dokumentarfilm über das Sudetenland und den Kalten Krieg zeuge von Unrecht und gebe Anlass, das Verhältnis zwischen Deutschland und der Tschechischen Republik neu zu betrachten, unterstrich Adler. „Damals wurden Täter zu Opfern und Opfer zu Tätern“, sagte er. Adler rief dazu auf, mit den jungen Leuten den Boden zu bereiten für eine vorurteilsfreie Verständigung über die Grenzen hinweg.

EJPO-Vorsitzender Hartmut Schendzielorz versprach, zusammen im Team "das zarte Pflänzchen der begonnenen Zusammenarbeit mit der Fachoberschule Plasy beidseitig zu pflegen und es in den Mittelpunkt der Projektarbeit der nächsten drei Jahre zu stellen". Christiane Regn, Gerd Müller und Heinrich Müller berichteten über ihre Eindrücke vom ersten Treffen in Plasy.

Hintergrund:

Programm des Jubiläums-Projekttags

  • 23. Januar Jahreshauptversammlung mit Neuwahlen
  • 7. Mai Teilnahme an der Jubiläums-Gedenkfeier des Volksbunds Deutsche Kriegsgräberfürsorge auf der Gedenkstätte in Cheb/Eger
  • 5. Juni Jubiläums-Projekttag in Freihung mit Standkonzert am Rathausplatz, Gedenken der Jugend am Ehrenmal, Festgottesdienst, Empfang im Gemeindezentrum mit Partnerschaftsbegründung
  • 11. Juni Abschluss in Plasy/CZ mit Festakt und Unterzeichnung der Partnerschaftsurkunde
  • 11. bis 13. November Teilnahme an der zentralen Gedenkfeier des Deutschen Bundestags zum Volkstrauertag in Berlin
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