22.02.2019 - 18:07 Uhr
FreihungOberpfalz

Freihung: Zwei Simultankirchen des Jahres

Den Titel Simultankirche des Jahres teilen sich 2019 Hl. Dreifaltigkeit in Freihung (Kreis Amberg-Sulzbach) und die evangelische Katharinenkirche im Ortsteil Thansüß.

Fahnenübergabe (von links): Pfarrer Matthias Weih (Kaltenbrunn, Freihung, Thansüß, Vilseck), Pfarrer Bernhard Huber (Freihung), Susanne Meyer (Vertrauensfrau des Kirchenvorstands in Thansüß), Bürgermeister Norbert Bücherl (Freihung), Pfarrer Hans-Peter Pauckstadt-Künkler (Rothenstadt), Pfarrerin Nadine Schneider (Thumsenreuth und Krummennaab – Simultankirchen des Jahres 2018), Heinrich Müller (Organist und Posaunenchorleiter in Thansüß).
von Externer BeitragProfil

Bei der Mitgliederversammlung des Fördervereins Simultankirchen in der Oberpfalz im Pfarrheim St. Josef in Freihung übergab eine Delegation der beiden Simultankirchen des Jahres 2018 aus Thumsenreuth und Krummennaab die Simultankirchen-Fahnen an die neuen Würdenträger. Hl. Dreifaltigkeit (heute katholisch) in Freihung wurde 2018 aufwendig renoviert. Drei Kilometer entfernt, im Ortsteil Thansüß, steht die evangelische Katharinenkirche.

Gemeinsam ist beiden, dass sie jahrhundertelang von evangelischen und katholischen Christen genutzt und verwaltet wurden. So wie 48 weitere Kirchen in der mittleren und nördlichen Oberpfalz. Der Simultankirchen-Radweg verbindet sie heute miteinander. Seit 2015 ernennt der Förderverein jedes Jahr eine oder zwei davon zu Simultankirchen des Jahres. Der Verein will damit den kulturellen Schatz des Simultaneums in der Region ins Bewusstsein rücken.

Von den ehemals 50 "Kirchen-WGs" zwischen Etzelwang, Königstein und Sulzbach-Rosenberg, Erbendorf, Weiden und Vohenstrauß bestehen heute nur noch 9. "Die Idee der religiösen Toleranz die dahinter steht, ist jedoch bis heute aktuell", betont der Förderverein. Die Kirchen in Freihung und Thansüß wurden 1764/65 beziehungsweise 1721 erbaut, also zur Zeit der gemeinsamen Kirchennutzung. Dies lässt vermuten, dass die Zusammenarbeit der Konfessionen funktioniert hat. In Freihung hatte das Simultaneum bis 1908 Bestand. Die evangelische Gemeinde durfte die von da an katholische Kirche aber bis 1922, bis zum Bau eines eigenen Gotteshauses, weiter nutzen. Die mit den Jahren angewachsene katholische Pfarrei erweiterte ihre Kirche in dieser Zeit auf der Westseite um rund ein Drittel. Das Simultaneum wurde 1935 beendet: Die Katholiken zogen aus und bauten sich eine neue Katharinenkirche im Ort. Als Ablöse zahlten die Evangelischen ihnen 1000 Reichsmark und durften dafür das Gotteshaus mit Kanzel, Glocken und Orgel sowie dem Hochaltar behalten. Wirklich außergewöhnlich ist hier: Ein unbekannter Künstler hat biblische Szenen in der Marmorierung der Säulen versteckt. Nur wer ganz nah herangeht oder ein Fernglas mitbringt, kann sie entdecken.

Freihungs Bürgermeister Norbert Bücherl hatte die Idee mit der Bewerbung zur Doppel-Auszeichnung als Simultankirchen des Jahres. Denn auch die Marktgemeinde hat heuer Grund zum Feiern. Vor 450 Jahren erhielt sie das Marktrecht.Mehr über die beiden Kirchen: www.onetz.de/

Simultankirchen des Jahres 2019:

Veranstaltungen

Sonntag, 14. April, 15 Uhr: Ökumenisches Passionssingen (Hl. Dreifaltigkeit), unter anderem mit dem evangelischen Posaunenchor Thansüß, dem evangelischen Kirchenchor Freihung-Thansüß-Kaltenbrunn, dem katholischen Kirchenchor Freihung, dem Schützenchor Seugast, der Seugaster Stubenmusi, und Incantare Musica.

Samstag, 18. Mai, 19 Uhr: Festgottesdienst „450 Jahre Markterhebung“ Freihung, anschließend offizieller Festakt zum Jubiläum der Marktgemeinde in historischen Gewändern.

Sonntag, 26. Mai, 18 Uhr: Maiandacht mit Prozession zum Sängermarterl, anschließend Bratwurstessen im Pfarrheimgarten und Kirchenführung (Hl. Dreifaltigkeit).

Sonntag, 14. Juli, 13 Uhr: Radtour auf der Route 5 in Kooperation mit dem Radfahrerverein Eintracht Elbart; Start in Mantel mit Besichtigung/Führung in Thansüß und Freihung, anschließend Einkehr beim Jubiläumsfest der Marktgemeinde.

Sonntag, 8. Septemberg: Tag des offenen Denkmals in der Kirche Hl. Dreifaltigkeit Freihung und der Katharinenkirche Thansüß; in Planung: Führung entlang des Bleierzweges, Start am Parkplatz katholischen Kirche Freihung.

Sonntag, 6. Oktober, 16 Uhr: Kirche & Wirtshaus mit Pfiff (Hl. Dreifaltigkeit), in Kooperation mit der KEB, dem EBW und Arbeitsgemeinschaft Obere Vils-Ehenbach (AOVE).

Samstag, 26. Oktober: Kirchenführertag (Hl. Dreifaltigkeit und Katharinenkirche), organisiert vom Evangelischen Bildungswerk Oberpfalz und der Katholischen Erwachsenenbildung.

Sonntag, 10. November: Kirchweih Dreifaltigkeitskirche Freihung.

Sonntag, 24. November: Kirchweih Katharinenkirche(n) Thansüß.

Info:

Neuwahl

Alle bisherigen Vorstandsmitgliedes Fördervereins Simultankirchen in der Oberpfalz kandidierten wieder für ihre Ämter und wurden auch bestätigt:

Erster Vorsitzender: Pfarrer Hans-Peter Pauckstadt-Künkler.

Zweiter Vorsitzender: Pfarrer Roland Klein.

Schatzmeister: Christian Seidl.

Schriftführerin: Käthe Pühl.

Beisitzer: Bürgermeister Norbert Bücherl (Freihung), Bürgermeister Dieter Dehling (Illschwang), Pfarrer Konrad Schornbaum, Pfarrer Thomas Schertel, Pfarrer Andreas Ruhs und Markus Lommer.

Kassenprüfer: Kurt Beyser und Hans-Joachim Grajer.

Die Simultankirchen des Jahres 2019:

Informationen in Stichworten

Der Förderverein Simultankirchen in der Oberpfalz (FÖV) wählt unter den 50 am Simultankirchen-Radweg beteiligten Kirchen jedes Jahr eine zur „Simultankirche des Jahres“ (SdJ). Die Regionen rund um Sulzbach-Rosenberg und Weiden kommen dabei abwechselnd zum Zug.

Die Gemeinden erhalten zwei Kirchenfahnen mit dem Logo sowie das gelb-violette Simultankirchen-Rad als Leihgaben für Veranstaltungen. Es gibt einen Flyer zu jeder Kirche und weiteres Infomaterial. Der FÖV unterstützt eine Veranstaltung zur SdJ mit einem kleinen Zuschuss.

Bisherige Simultankirchen des Jahres: 2015: St. Vitus/St. Veit in Illschwang (AS); 2016: St. Peter und Paul in Mantel (NEW), 2017: Corpus Christi in Eschenfelden (AS); 2018: Ägidienkirche in Thumsenreuth und Leonardikirche in Krummennaab (TIR).

Der Förderverein Simultankirchen in der Oberpfalz ist ein gemeinnütziger Verein, der es sich zum Ziel gesetzt hat, die 50 ehemaligen und bestehenden Simultan-Kirchen zu erhalten. Gegründet wurde er im Januar 2013. In ihm haben sich Einzelpersonen, Kirchengemeinden und Kommunen zusammengeschlossen, um das Erbe der Simultankirchen in der Oberpfalz lebendig zu erhalten. Erstes wichtiges Projekt ist der Simultankirchen-Radweg, der am 8. Mai 2015 in Sulzbach-Rosenberg und Illschwang eröffnet wurde. Weitere Infos dazu unter www.simultankirchenradweg.de.

Die Marktgemeinde Freihung (Landkreis Amberg-Sulzbach), zu der heute auch die Ortschaft Thansüß gehört, feiert 2019 das Jubiläum „450 Jahre Markterhebung“. Der Name des Ortes weist auf die enge Verbindung zum Bergbau hin. Er erinnert an die Freiheiten, die den Bergleuten von den Landesherren verliehen wurden. Bereits im 12. Jahrhundert sind die Anfänge einer bleischürfenden Bergwerkssiedlung belegt. Im April 1945 endete der Bleibergbau in Freihung.

Hl. Dreifaltigkeit in Freihung:

Die Kirche wurde 1764/65 während der Zeit des Simultaneums erbaut. Sie steht am höchsten Punkt Freihungs.

Beschreibung (Wikipedia): „Saalkirche, verputzter Massivbau mit Satteldach, eingezogenem, dreiseitig geschlossenem Chor, oktogonalem Westturm aus Sandsteinquadern mit zylindrischem Obergeschoss und Kegeldach.“ Baumeister war Sebastian Regner aus Sulzbach. Die Kirche war von Friedhöfen umgeben: Auf der einen Seite der evangelische, auf der anderen der katholische.

Blick in die Kirche:

Die vermutlich älteste Abbildung von der Freihunger Kirche ist auf dem Hochaltar zu finden. Dieser ist, wie die beiden Nebenaltäre und die Kanzel, im Stil des Rokoko gestaltet. Er kam 1792 in die Kirche und wurde 1797 marmorartig gefasst. Die Kirche ist heute von zahlreichen Mariendarstellungen geprägt. Zum Beispiel am Hochaltar: Er zeigt die Krönung Mariens. Am linken Seitenaltar ist die Aufnahme Mariens in den Himmel dargestellt. Auf der Kanzelseite ist eine sehr schöne Madonna mit Kind zu finden. Auf derselben Seite unter der Empore befindet sich eine Pieta (Maria mit ihrem toten Sohn).

Renovierungen und Umbauten:

1922 wurde die Kirche aufgrund von Platzmangel auf der Westseite erweitert. 1929 entstanden die Deckenbilder.

Renovierungen fanden in den 1960er- und 1980er-Jahren statt. 1962 wurde eine neue Orgel mit 22 Registern angeschafft, die man 1987/88 um zehn Register und ein Manual erweiterte. Nach der letzten grundlegenden Renovierung im Jahr 2018 erstrahlt die Kirche in neuem Glanz.

Simultaneum in Freihung:

Seit der Reformation mussten die Bürger Freihungs mehrmals ihre Konfession wechseln, häufig gegen ihren Willen. 1652 verfügte Pfalzgraf Christian August von Sulzbach, dass alle Kirchen in seinem Herrschaftsbereich simultan, also von beiden Konfessionen gemeinsam, zu nutzen und zu verwalten seien. Dies bedeutete: Beide Konfessionen an einem Ort teilten sich ihre Kirchen und Friedhöfe, ja das ganze kirchliche Eigentum, je zur Hälfte. Dies bezog sich auch auf das Einkommen der Pfarrer und die Lasten, die mit dem Unterhalt der kirchlichen Gebäude verbunden waren. Jede Veränderung, etwa bei der Ausstattung der Kirche, durfte nur mit Zustimmung der anderen Konfession geschehen.

Das Simultaneum wurde in Freihung 1663 eingeführt. Die beiden Konfessionen vereinbarten daraufhin genaue Kirchenbesuchszeiten. Anfangs hielt der evangelische Pfarrer aus Kaltenbrunn nur alle drei Wochen in Freihung Gottesdienst und am Nachmittag Christenlehre. 1908 wurde das Simultaneum aufgelöst. Die evangelische Gemeinde durfte die von da an katholische Kirche aber bis zum Bau eines eigenen Gotteshauses bis 1922 weiter nutzen. Die evangelische Friedenskirche in Freihung wurde 1924 eingeweiht.

Die katholische Pfarrei Freihung wurde 1909 Expositur von Kaltenbrunn und am 16. Juli 1921 zur Pfarrei erhoben. Bis 1999 befand sich das evangelische Gemeindehaus in direkter Nachbarschaft zur katholischen Kirche. Heute steht dort das katholische Pfarrheim. Die evangelische Gemeinde errichtete ihr Gemeindehaus neben ihrer Kirche.

Die Katharinenkirche in Thansüß:

Eine Vorgängerkapelle der jetzigen Katharinenkirche wurde 1549 in einem Ratsprotokoll aus Kaltenbrunn so beschrieben: „Daselbst ist eine Kapelle, haben die im Dorfe mit Betteln und Singen erbaut…“. Sie wurde vermutlich. im Dreißigjährigen Krieg zerstört. Andreas Kummer stiftete zur Erbauung einer neuen Kirche 1716 50 Gulden. 1721, also zur Zeit des Simultaneums, wurde die heutige Kirche im Stil des Barock und Rokoko fertiggestellt.

Die Kanzel aus dem Jahr 1680 ist am südlichen Chorbogen angebracht. Der fünfeckige Kanzelkorb ist durch vier korinthische Säulen gegliedert, in den Feldern vergoldete Profilleisten um kleine marmorierte Felder. Das Orgelgehäuse ist im klassizistischen Stil um 1780 entstanden. Der schlichte Taufstein aus Sandstein mit dem Kupferdeckel kam vermutlich 1980 und in die Kirche.

Etwas ganz Besonderes ist der Rokokoaltar. Er stammt aus dem Jahr 1750. Das Altarbild ist jedoch von 1934 oder 1937 und versetzt das Kreuzigungsgeschehen in die nördliche Oberpfalz: Aus der Oberpfälzer Hügellandschaft ragen der Parkstein und der Rauhe Kulm hervor, eine Aussicht, die man auf der Höhe zwischen Thansüß und Kaltenbrunn genießen kann. Künstler war Georg May Hoffmann, Hof. Außergewöhnlich sind aber auch die kleinen biblischen Szenen, die in der Marmorierung der Predella, der Säulen und des Altaraufsatzes zu finden sind.

Simultaneum in Thansüß:

1524 Die Thansüßer bekennen sich zur Lehre Luthers.

1627 Die Gegenreformation erreicht das Amt Parkstein-Weiden und damit auch Thansüß. Im August wird die katholische Religion wieder eingeführt. Mit Ende des Dreißigjährigen Krieges im Jahr 1648 wird per Erlass der Konfessionsstand aus dem Jahr 1624 wiederhergestellt. Thansüß wird deswegen, wie das gesamte Amt Parkstein-Weiden, erneut evangelisch.

1663 Einführung des Simultaneums

1935 wird das Simultaneum in Thansüß gelöst. Die evangelische Gemeinde behielt damals das Gotteshaus, die Kanzel und den Hochaltar (ohne Tabernakel), die Orgel, die Glocken, das Gestühl, das Vortragekreuz, das große Kreuz sowie die Uhr.

Die evangelische Gemeinde hatte der katholischen eine Abfindung von 1000 Reichsmark zu zahlen. Die katholische Gemeinde hatte noch ein Mitbenutzungsrecht bis zum 1. Januar 1938. 1935 beginnt die katholische Pfarrgemeinde mit dem Neubau eines Gotteshauses, ebenfalls einer Katharinenkirche.

Zwei Anekdoten aus Thansüß

In einer Ortsbeschreibung des katholischen Schulverwesers Johann Herzer im Jahr 1844 heißt es: „Eine rühmliche Erwähnung verdient noch der Umstand, daß sich im Jahre 1813 die Protestanten freiwillig verpflichteten, zur ferneren Subsistenz eines katholischen Lehrers einen definitiven jährlichen Beitrag zu machen, um der dasigen katholischen Schule ihren Fortbestand zu sichern.“ Es scheint also zu dieser Zeit ein gutes Verhältnis zwischen beiden Konfessionen geherrscht zu haben.

Presssack als Anreiz einer Posaunenchorgründung: Nach dem Silvestergottesdienst im Jahr 1952 stellten der evangelische Pfarrer Christian Seiler, Organist Johann Müller (Hausname „Gaßbauer“) und Gemeindemitglied Paul Gerhard Schwarz bei einem Gespräch fest, dass ein Posaunenchor für solche Anlässe eine schöne Sache wäre. Sie beschlossen, für eine Erstausstattung eines solchen Chores eine Sammlung durchzuführen. Aber der Organist war skeptisch, ob man einen solchen Chor finanzieren und gründen könnte und wettete deswegen mit Pfarrer Seiler um einen Presssack. Doch siehe da: Am Palmsonntag 1953 gestaltete der evangelische Posaunenchor Thansüß seinen ersten Gottesdienst. Die Wettschuld wurde daraufhin von Johann Müller beglichen. Herr Schwarz übernahm die Leitung des Posaunenchores, der bei vielen kirchlichen und auch weltlichen Anlässen sehr gefragt ist. Seit 1981 ist Heinrich Müller Posaunenchorleiter in Thansüß.

Freihunger Deckengemälde.
Freihunger Madonna.
Thansüßer Altardetail.
Freihunger Hochaltar.
Kirchenbesichtigung in Thansüß.
Thansüß: St. Katharina.
Freihung: Hl. Dreifaltigkeit.
Thansüßer Altar

Aktuell und Wissenswert

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