Zehn Tage im Einsatz, und schon ist das von Benjamin Hartmann finanzierte Schiff, die "Eleonore", weg - ab in die Hände von Matteo Salvini. Beschlagnahmt von italienischen Behörden. "Eleonore"-Kapitän Claus-Peter Reisch hatte am Montag nach einer heftigen Sturmnacht den Notstand an Bord ausgerufen und steuerte trotz eines Verbots einen Hafen in Sizilien an.
Für den Freudenberger Hartmann, der das alte Fischerboot vor gut einem halben Jahr gekauft und es später an Reisch übertragen hatte, ist das schon ein Rückschlag, sagt er. "Aber die 104 Menschen wären ertrunken, hätte es kein Boot gegeben." Die Crew der "Eleonore" hatte die Migranten aus einem sinkenden Schlauchboot gerettet, "in buchstäblich letzter Sekunde", wie Reisch twitterte. "Einen höheren Preis als das Leben gibt es nicht", sagt der 31-jährige Hartmann. "Das kann man nicht mit Geld aufrechnen." Der Oberpfälzer hatte einen sechsstelligen Eurobetrag in den Kauf des Schiffes gesteckt.
Trotzdem schade
Und trotzdem ist es schade. "Klar, jetzt ist erstmal die Möglichkeit weg, weiter zu retten." Aber, es gebe ja noch weitere Rettungsschiffe. "Solange Europa wegsieht, bleibt eben keine andere Wahl, als dass private Organisationen Schiffe kaufen und auf See fahren."
Kapitän Reisch bittet auf Twitter bereits um Spenden für ein neues Schiff. Ob sich seine von ihm gegründete Modefirma Human Blood wieder beteiligt, ist noch unklar, sagt Hartmann. Nichts tun, sei aber keine Alternative. "Wir haben ja weiterhin die Mission-Lifeline-Edition im Shop die laufend spenden generiert." Der Freudenberger, der mittlerweile in Barcelona lebt, kann sich aber durchaus vorstellen, mit einem eigenen Boot und einer eigenen Crew aufs Mittelmeer zu fahren und Menschen zu retten.
Kritik an Europa
Ob die "Eleonore" für immer weg ist, sei ebenfalls noch unklar. "Ich begrüße, dass Salvivi bald Geschichte ist", sagt Hartmann. "Dann sollte sich die Lage entspannen - und vielleicht bekommen wir dann auch das Schiff zurück." Der 31-Jährige stehe nahezu jeden Tag in Kontakt mit "Mission Lifeline"-Gründer Axel Steier. "Es hat sich eine Freundschaft entwickelt." Unklar ist auch, ob gegen Kapitän Reisch ermittelt wird. Die italienische Polizei hatte den Bayer am Montag jedenfalls zu einer Anhörung mitgenommen, teilte "Lifeline" mit. Auf das illegale Einfahren in italienische Hoheitsgewässer steht eine Strafe von bis zu einer Million Euro.
Die 104 "Eleonore"-Migranten werden unterdessen von Deutschland, Frankreich, Portugal und Luxemburg aufgenommen, wie die EU-Kommission am Dienstag bekannt gab. Für Hartmann ein richtiger Schritt. "Ich finde es positiv, dass sich was tut." Auch wenn es nur "sehr, sehr langsam" vorangehe. "Solange private Menschen Leib und Leben riskieren und ihr eigenes Geld investieren müssen, um Europas Job zu erledigen, läuft etwas schief", kritisiert der Freudenberger. "In einer europäischen Gemeinschaft lässt kein Hafen ein Schiff unter deutscher Flagge einreisen - das hat nichts mehr mit einer 'europäischen Gemeinschaft' zu tun."















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