25.08.2019 - 17:40 Uhr
FreudenbergDeutschland & Welt

Oberpfälzer kauft Schiff für Seenotretter von "Mission Lifeline"

Dank des Freudenbergers Benjamin Hartmann sind die Seenotretter der "Mission Lifeline" wieder im Einsatz. Sein Modeunternehmen Human Blood hat das neue Rettungsschiff der Dresdner Hilfsorganisation gekauft - in einer sehr geheimen Aktion.

Benjamin Hartmann auf dem neuen Rettungsschiff der Dresdner Hilfsorganisation „Mission Lifeline“. Hartmanns Modefirma Human Blood hat das 21 Meter lange Boot gekauft.
von Julian Trager Kontakt Profil

Es sind Wildwest-Szenen, mitten auf dem offenen Meer. Schüsse und Drohungen der libyschen Küstenwache, ertrinkende Menschen, Chaos. Die Bilder stammen aus einem Video der „New York Times“, sie zeigen einen Einsatz deutscher Seenotretter im Mittelmeer. „Unerträglich“, findet Benjamin Hartmann die Szenen. Das Video löst etwas aus in ihm. Hartmann, in Freudenberg aufgewachsen, will helfen. Noch mehr, als er es bisher eh schon getan hat. Er beschließt, ein Rettungsschiff für „Mission Lifeline“ zu kaufen.

Die Seenotretter der Dresdener Hilfsorganisation sind seit Freitag wieder unterwegs auf dem Mittelmeer – mit der „Eleonore“. So heißt das Schiff, das der Oberpfälzer gesponsert hat. Das alte, die „Lifeline“, liegt noch immer beschlagnahmt in einem maltesischen Hafen, seit Juni vergangenen Jahres. Seitdem konnten die Retter nicht auf See. „Sie haben eine Lösung gesucht“, sagt Hartmann über die Gespräche mit „Mission Lifeline“-Gründer Axel Steier. „Jetzt war halt ich die Lösung.“

Lesen Sie hier den Artikel "Human Blood contra Sheepworld: Rechtes Schaf und grünes Blut"

Amberg

Steier selbst ist glücklich. „Ich habe mich riesig gefreut, dass Herr Hartmann als Käufer aufgetreten ist“, sagt er im Telefonat mit Oberpfalz-Medien. Nicht nur aus finanziellen Gründen. „Wir wollten verhindern, dass die Behörden im Vorfeld wissen, für welchen Zweck das Schiff gekauft wurde.“ Da habe der „unbescholtene“ Name Hartmanns geholfen. Hätte Steier selbst oder „Lifeline“-Kapitän Claus-Peter Reisch ein Schiff angemeldet, hätte das die Behörden hellhörig gemacht. Auf die ist Steier nicht gut zu sprechen. „Die Behörden machen alles, um uns zu stören, um zu verhindern, dass Schiffe auslaufen.“ Die Chance wollten ihnen Steier und Co. nicht geben. Versucht wurde es trotzdem. Ein Beamter habe ein Protokoll zurückgehalten, erzählt Steier. „Der wollte uns ans Bein pinkeln.“ Mit ein paar Anrufen habe Kapitän Reisch das kleine Problem aber lösen können.

Geheime Vorbereitungen

Die Vorbereitungen des Einsatzes waren extrem geheim, mit nur wenig Eingeweihten. Den Namen des Schiffs wusste lange nicht mal der Käufer. „Das hielten sie komplett unter Verschluss“, sagt Hartmann. Die Vorbereitungen dauerten wochenlang. „Wenn man ein Schiff zum ersten Mal rausschickt, ist das immer eine große Unbekannte“, sagt Axel Steier, „es ist ja auch ein Oldtimer.“

Das Schiff – Baujahr 1968, ehemaliges Fischerboot – ist 20 Meter lang und bietet Platz für etwa 100 Menschen. Hartmann hat es bereits vor rund einem halben Jahr gekauft. Gekostet habe es einen sechsstelligen Euro-Betrag, die genaue Summe möchte er nicht nennen. Der Kauf wurde über Human Blood abgewickelt. Mittlerweile wurde das Boot auf „Mission Lifeline“-Kapitän übertragen. Die Finanzierung sei für Hartmann kein Problem gewesen. „Wir machen gute Umsätze“, sagt der 31-Jährige, der sein Unternehmen vor fünf Jahren gegründet hat. „Wir profitieren von der guten PR.“ Vor allem durch Prominente wie Schauspieler Jan-Josef Liefers, Sänger Clueso oder DJ Felix Jaehn.

Hartmanns Marke soll eine Botschaft senden: gegen Rassismus, Hass und Ausgrenzung. Die Seenotrettung ist da nicht weit. „Ich finde es schade und doof, dass die europäischen Länder nichts machen“, sagt der 31-Jährige über die EU-Politik zu diesem Thema. „Irgendwer muss die Leute retten, die kann man ja nicht ertrinken lassen.“

T-Shirts für Flüchtlinge

Die Verbindung zu „Mission Lifeline“ gebe es bereits länger. Hartmanns Modefirma verkauft seit rund einem Dreivierteljahr auch „Lifeline“-Produkte. Ein Teil der Erlöse geht direkt an die Seenotretter. „Dabei ist der Kontakt zustande gekommen“, sagt der Freudenberger, der seit gut einem Jahr in Barcelona lebt.

Hartmann sorgte erst Anfang Juli für Schlagzeilen, als sein Label die Kooperation mit dem Ursensollener Unternehmen Sheepworld beendete. Sheepworld-Gründer Tobias Hiltl hatte zuvor auf Facebook die „Sea-Watch“-Kapitänin Carola Rackete als Schlepperin und Menschenhändlerin bezeichnet. Der Verkauf der gemeinsamen Textilpalette war daraufhin gestoppt worden. Die verbliebenen Stücke der Kollektion sind mittlerweile in Händen der „Mission Lifeline“, sagt Hartmann. Die T-Shirts sind mit auf der „Eleonore“. Sie sollen an Flüchtlinge verteilt werden, die trockene Klamotten brauchen.

Keine Irrfahrt erwartet:

Eine Irrfahrt wie die der „Ocean Viking“ soll es für die „Eleonore“ nicht geben. Die „Ocean Viking“ irrte zwei Wochen über das Meer, weil niemand die Flüchtlinge aufnehmen wollte. Die „Eleonore“ fahre unter deutscher Flagge, Kapitän Claus-Peter Reisch hat sich zudem vor der Mission mit Horst Seehofer und Markus Söder getroffen. „Wir sind guter Dinge, dass für uns eine schnelle Lösung gefunden wird, falls wir Leuten helfen müssen“, sagt Steier.

"Eleonore" heißt das neue Rettungsschiff der "Mission Lifeline", der Freudenberger Human-Blood-Gründer Benjamin Hartmann hat es für die Dresdner Seenotretter gekauft.
"Mission Lifeline"-Gründer Axel Steier (links) und Benjamin Hartmann auf der Kommandobrücke des neuen Schiffs.

Lesen Sie mehr über den ersten Einsatz des neuen Rettungsschiffes "Eleonore"

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Kommentare

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Tobias Punzmann

Es behauptet niemand, dann man Afrika mittels Migration retten kann. Das wird vielleicht von rechten Kreisen den "Gutmenschen" gerne in den Mund gelegt. Afrika braucht erstmal einen Ausbeutungsstopp und Aufbauhilfe. Aber derweil muss man ertrinkende Menschen aus dem Wasser ziehen. Und dabei wird genauso wenig gefragt, ob sie nicht vielleicht selber mit schuld sind, wenn sie bei einem Schlepper aufs Boot steigen, wie die Feuerwehr das einen Besoffenen fragt, den sie aus dem Auto schneidet.

Hier ein guter Artikel über die angebliche "Sogwirkung": https://www.spiegel.de/politik/deutschland/migration-das-maerchen-von-der-sogwirkung-gastbeitrag-a-1283331.html

27.08.2019
Tobias Leißner

Ich sehe das ein wenig differenzierter. Es handelt sich nicht um Libyer die dort in See stechen, sondern größtenteils um durch mehrere Länder angereiste Afrikaner, das haben die letzten Fälle gezeigt - Menschen die ganz gezielt den Weg Richtung Europa suchen. Warum steigen diese Menschen denn in die Boote, Tunesien beispielsweise wäre schon sicherer als Libyen! Libyen wird mehr oder weniger in Kauf genommen, um von dort aus in See Richtung Europa zu stechen, das ist die Realität, das ist doch mehr als offensichtlich.
Die Kosten für die Schlepper sind von massiv notleidenden Menschen auch nicht aufzubringen, diese Überfahrt kann sich nicht jeder leisten, sie betragen rund 1600€ für die Schlepper, es kann sich jeder seine eigenen Schlüsse ziehen wer hier einen Platz in den Booten der Schlepper einnimmt, verhungernde Kinder mit ziemlicher Sicherheit nicht, in der Regel sind es größtenteils jüngere Männer.
Die Aufnahmekapazität Europas ist leider begrenzt, ohne Hilfe vor Ort geht es nicht, auch wenn das zeitlich nicht von heute auf morgen passieren wird, aber daran führt kein Weg vorbei. Wer ernsthaft glaubt Europa können Afrika mittels Migration retten, der ist sich scheinbar über die Zahlen nicht ganz im Klaren.

27.08.2019
Tobias Punzmann

Diese Menschen kann man nicht an die nächstgelegene (libysche) Küste bringen, da sie dort in den Internierungslagern unter unsäglichen Umständen gequält und gefoltert werden. Der Antrieb zur Flucht übers Mittelmeer ist nicht unbedingt die Sehnsucht nach der sozialen Hängematte in einem europäischen Land, in dem sie nicht gerade wohl gelitten, in manchen Kreisen sogar verhasst sind, sondern einfach nur ihr Leben zu retten - und die große Gefahr dabei zu ertrinken ist ihnen immer noch lieber, als in Libyen langsam sterben zu müssen.

Die Seenotrettung wäre eigentlich die ureigenste Aufgabe der Europäischen Staaten. Es ist eine Schande für eine humanistische Welt, wenn dies Privatpersonen mit ihrer eigenen Zeit und ihrem eigenen Geld erledigen müssen. Allerhöchster Respekt gegenüber diesen Menschen!

Für die Ursachenbekämpfung hätten wir seit der Entdeckung Afrikas Zeit gehabt. Leider haben wir fleißig das Gegenteil getan. Unser Wohlstand basiert auf deren Armut. Und sollte jetzt doch endlich mal damit begonnen werden, Fluchtursachen zu bekämpfen, dauert es Jahrzehnte bis die Hilfe greift.
Wer meint, man müsste nur genug Menschen zur Abschreckung ersaufen lassen, um uns aller Probleme mit der Zuwanderung zu entledigen, der sollte dringendst seinen moralischen Kompass neu justieren lassen - sofern dies überhaupt noch möglich ist.
Wenn Menschen am ersaufen sind, muss man sie aus dem Wasser ziehen, und nicht mit guten Ratschlägen für ihre Hinterbliebenen versorgen. Wenn's brennt, kommt bei uns auch die Feuerwehr und löscht, anstatt Handzettel mit Tipps zur Brandverhütung zu verteilen. Dafür ist später Zeit.

26.08.2019
Tobias Leißner

Bei allem Respekt gegenüber den guten Absichten, aber das Geld für diese Überfahrten können Menschen die wirklich in Not sind nicht aufbringen, die wirklich notleidenden Menschen verbleiben dort wo sie sind in ihrem Elend, diesen
Menschen wird durch diese Schiffe nicht geholfen. Die Menschen in den Booten werden wenige Seemeilen außerhalb der libyschen Küste aufgenommen und nach Europa gebracht, sie haben meist keine Aussicht auf Bleiberecht und verursachen sehr hohe Kosten, Geld mit dem man vor Ort den wirklich notleidenden Menschen in vielfacher Anzahl helfen könnte, so bleibt es nur Symptom- aber nicht Ursachenbekämpfung. Um die Rettung Ertrinkender geht es hierbei auch eher weniger, denn man will diese Menschen ja gezielt nach Europa bringen, sonst würde man sie an die nächstgelegene Küste bringen, wie man es mit einem in Seenot geratenen libyschen Fischer ja auch tun würde, der lediglich an die libysche Küste gebracht werden möchte, wohin würde ihn das Schiff bringen, nach Europa?
Ein Blick auf Länder die eine "no way" Politik verfolgen zeigt einen anderen Weg, diese Länder werden nicht mehr angesteuert, niemand ertrinkt auf dem Weg dorthin, eine im Grunde einfache Rechnung. Aber Richtung Europa wird das Sterben wohl auch weiterhin weitergehen, ob die Seenotretter nun retten oder eine Sogwirkung haben, um sich auf See zu begeben, darüber kann sich jeder seine eigene Meinung bilden.

26.08.2019