04.07.2019 - 18:08 Uhr
AmbergDeutschland & Welt

Human Blood contra Sheepworld: Rechtes Schaf und grünes Blut

Das Thema Migration spaltet noch immer die Republik. Wie sehr, zeigen zwei Unternehmer aus dem Kreis Amberg-Sulzbach. Und dank der Sozialen Medien nimmt die Republik auch Anteil am Streit Sheep World kontra Human Blood.

Benjamin Hartmann.
von Wolfgang Würth Kontakt Profil

Was als Oberpfälzer Vorzeige-Kooperation begann, endete am Mittwoch mit einem Knall: "Wir stellen die Kooperation mit der Sheepworld AG wegen unakzeptabler Äußerungen des Sheepworld Gründers mit sofortiger Wirkung ein", lautet die Überschrift einer Erklärung auf der Homepage von Human Blood, einem Modelabel mit Sitz in Berlin und Wurzeln in Freudenberg. In der Hauptstadt sind Human-Blood-Klamotten sehr angesagt. Schauspieler Jan-Josef Liefers trägt sie, Moderatorin Dunja Hayali auch. Gegründet hat das Unternehmen der Freudenberger Benjamin Hartmann. Er hat auch entschieden, die noch frische Kooperation sofort einzustellen.

Human Blood kündigt die Kooperation

Amberg

Kritik an Rackete

Schuld sei Sheepworld-Gründer Tobias Hiltl. Genauer die Beiträge, die der regelmäßig auf seinem privaten Facebook-Account veröffentlicht. Hiltls Profil ist inzwischen nicht mehr offen einsehbar. Am Mittwoch war dort zum Beispiel noch heftige Kritik an der Flüchtlingsrettung im Mittelmeer zu lesen. Schlepperbanden würden die privaten Rettungsschiffe in ihr Geschäftsmodell einplanen. Gäbe es die Hilfsschiffe nicht, würden sich weniger Flüchtlinge aufs Mittelmeer wagen. Sea-Watch-Kapitänin Carola Rackete wirft Hiltl vor, sie unterstütze "Schlepper und Menschenhändler". Auch einen Beitrag von Alice Weidel hat Hiltl zuletzt geteilt, in dem die AfD-Spitzenkraft behauptet, "Migrantengewalt schlägt in unseren Freibädern zu".

Für Hartmann war vor allem die Kritik an Rackete zu viel. "Leider haben wir nicht gründlich recherchiert und nun durch aufmerksame Fans unserer Marke erfahren, dass der Gründer und Vorstand der Sheepworld AG, Tobias Hiltl, auf seinem privaten Facebook-Profil gegen Flüchtlinge hetzt." Human Blood verstehe sich ausdrücklich als "Marke gegen Rassismus" und könne dies nicht dulden. Der Verkauf der gemeinsamen Textilien-Palette mit zwei Motiven sei bereits gestoppt worden. Die verbliebenen Stücke gehen als Spende an die Seenotretter von Life-Line. Diese sollen die Kleidung an Flüchtlinge weiterleiten, die nach der Rettung aus dem Mittelmeer nichts anzuziehen haben.

"Kein Rassist"

Tobias Hiltl wehrt sich auf Nachfrage gegen den Vorwurf, Hetzer oder Rassist zu sein. "Ich sehe mich als liberal-konservativ", erklärt der 40-Jährige. "Normalerweise wähle ich die FDP." Ein Wahl-O-Mat-Test vor der Europawahl habe die CSU als am besten zu ihm passende Partei ergeben. Es sei richtig, dass er die Flüchtlingsrettung im Mittelmeer kritisch sehe, weil diese Schleppern in die Karten spiele. Auch wenn er bei einzelnen Punkten mit der AfD übereinstimmt, sei er weit davon entfernt ein Anhänger zu sein. "Heute darf man seine Meinung nur mehr äußern, wenn sie dem Mainstream entspricht. Und der ist links-grün", sagt Hiltl zu den Vorwürfen.

An Hartmann kritisiert Hiltl, dass dieser ihn nicht persönlich kontaktiert habe, um sich zu erkundigen oder zu diskutieren. In der medienwirksamen Kündigung der Zusammenarbeit sieht Hiltl eine geschickte PR-Aktion. Das habe Hiltl ihm in mehreren Textnachrichten so erklärt, berichtet Hartmann. Auf Nachfrage wollte sich der Sheepworld-Geschäftsführer nicht weiter äußern. "Egal, was ich sage, in den sozialen Medien wird es doch sowieso gegen mich verwendet."

Das stimmt allerdings nur bedingt. Tatsächlich erhält Human Blood viel Unterstützung - auch von prominenter Seite. Unter anderem Comic-Zeichner Ralph Ruthe oder die Flüchtlingsorganisation Life-Line stellen sich via Twitter hinter Hartmann und Human Blood. Verschiedene Medien-Seiten haben den Unternehmer-Streit aufgegriffen. Allerdings erhalten auch Sheepworld und Hiltl in den Kommentaren auf Facebook und Co. Zuspruch und Rückendeckung. Auch wenn die Diskussion um Migration leiser geworden ist - die Republik spaltet das Thema noch immer.

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