22.03.2020 - 15:51 Uhr
FreudenbergOberpfalz

Ein ganzes Dorf im Homeoffice

Wie lebt es sich mit der Ausgangsbeschränkung? Recht beschaulich, wie ein Blick nach Freudenberg zeigt. Ein ganzes Dorf hat sich am Wochenende eingeigelt.

Abstand halten, wenn möglich mit Karte zahlen: Die Kunden der Bäckerei Ries stehen mittlerweile hinter einer Plexiglas-Scheibe.
von Autor (gri)Profil

Der Sicherheitsabstand gilt – auch wenn es regnet. Beim Bäcker in Wutschdorf stehen die Leute am Samstagmorgen bis hinaus zur Straße. Weil es tröpfelt, hat Bäckermeister Marco Ries noch vor Tagesanbruch ein Zelt für die Wartenden aufgestellt. "Das mit der Abstandsregel klappt", sagt Martina Ries hinter der Verkaufstheke. Immer nur zwei Kunden dürfen in den Laden hinein.

"Die gesundheitliche und existenzielle Bedrohung ist inzwischen für alle spürbar", erzählt Ries. "Ich finde die Maßnahmen unserer Regierung wichtig, beim Großteil unserer Kunden merke ich inzwischen auch Bewusstsein und Solidarität." Gerade die älteren Leute, also die Risikogruppe, zeigten sich oft gelassener. "Bei manchen hört man: Mir passiert schon nichts."

Die Bäckersfamilie selbst ist da vorsichtiger. Vor die Auslage hat Martina Ries einen Biertisch gestellt, damit die Leute nicht zu weit drübergreifen. In den nächsten Tagen soll eine große Plexiglasscheibe geliefert werden, die beim Verkauf der Backwaren zusätzlich Schutz bieten soll.

Einkaufen mit Sicherheitsabstand: Immer nur zwei Kunden dürfen in den Verkaufsraum des Bäckers. Damit die anderen draußen nicht nass werden, hat Bäckermeister Marco Ries ein Zelt aufgestellt.

Bürgermeister Alwin Märkl hat viele seiner Mitarbeiter ins Homeoffice geschickt. "Wir haben am Montag gleich die Lizenzen dafür besorgt", sagt er. Das Gemeindezentrum hat unterdessen den Parteiverkehr eingestellt. "Es ist extrem ruhig geworden", blickt Märkl auf die vergangene Woche zurück. "Ich hab plötzlich Zeit, das kenne ich so gar nicht."

In Sachen Corona sei bei der Gemeinde so gut wie nichts aufgeschlagen. Nur anfangs, als die Spielplätze für Kinder gesperrt wurden, habe es ein bisschen Aufregung gegeben. Aber auch das habe sich gelegt. "Ich habe das Gefühl, die Leute gehen gesittet, ruhig und besonnen mit der Situation um", sagt der Rathauschef.

Im Gemeindezentrum brennt zwar Licht. Die Tür ist aber abgeschlossen - Notbetrieb bei der kommunalen Verwaltung.

Die Junge Union hat einen Einkaufsservice für die älteren Bewohner von Freudenberg, Wutschdorf, Hötzelsdorf, Baumgarten und dem Oberland auf die Beine gestellt. Vorsitzender Johannes Greß nimmt telefonisch Bestellungen für Lebensmittel entgegen, jeden Dienstag und Freitag wird ausgeliefert. Allerdings scheint der Bedarf noch nicht so groß zu sein. Bis Samstag hatte sich noch niemand auf das Angebot gemeldet.

Während die Kunden vor der Bäckerei warten, sperrt der Wutschdorfer Pfarrer Moses Gudapati die Kirche auf. Das Gotteshaus bleibt offen, damit die Gläubigen jederzeit hineingehen und beten können. Ausgerechnet für den Gottesdienst aber muss Gudapati zusperren. So wie überall anders auch, ist nur der Mesner anwesend, wenn der Pfarrer die Messe zelebriert. Gudapati macht das abwechselnd in den verschiedenen Kirchen der Pfarreiengemeinschaft Johannisberg, "so dass das Messopfer in jeder Kirche wenigstens einmal in der Woche gefeiert werden kann".

Abgesperrt und verwaist ist der Kinderspielplatz in Wutschdorf. Am Wochenende war in der ganzen Gemeinde kaum jemand auf der Straße anzutreffen.

Das Vereinsleben ist komplett lahmgelegt. Sämtliche Vereine haben ihre Versammlungen auf einen späteren Zeitpunkt verschoben. Heuer wird es keinen Osterbrunnen geben, denn der Obst- und Gartenbauverein hat die Vorbereitungen eingestellt, der Musikverein hat den Probebetrieb abgesagt, so dass auch das Muttertagskonzert entfällt. Und beim Heimat- und Kulturverein ist man sich derzeit nicht sicher, ob das Backofenfest im Mai stattfinden kann.

Bis auf Weiteres wird vor allem digital kommuniziert, auch wenn es nur über ein paar Straßen hinweg ist. Josef Zweck, der Gitarrist der Band "Ois echt", hat am Freitagabend per Facebook ein kleines Konzert gegeben. Er sang den von der Gruppe selbst geschriebenen Titel "Auf unser Lebn!" und viele Nachbarn und Freunde sangen daheim vor dem Tablet oder Smartphone mit.

Zur Lage in den Geschäften in Amberg unter Corona-Vorzeichen

Amberg
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