21.04.2020 - 11:15 Uhr
FriedenfelsOberpfalz

1000 Fenchelpflanzen für den Schwalbenschwanz

Bei den Raupen des Schwalbenschwanz-Schmetterlings steht Fenchel auf der Speisekarte ganz oben. Gartenbesitzer können helfen, indem sie dieses Gemüse anpflanzen. Unterstützung bietet dabei der Verein Kulturlandschaft Südlicher Steinwald.

Die Flügelspannweite des Schwalbenschwanz-Falters beträgt bis zu acht Zentimeter. Sein markantestes Merkmal ist der schwanzförmige Fortsatz an den Hinterflügeln.
von Christa VoglProfil

Die Idee entstand bei einem Sonntagsspaziergang. Robert Mertl und seine Frau schlenderten entlang der Feldwege rund um Friedenfels, bewunderten die üppige Natur und kamen dabei auf den um sich greifenden Artenschwund zu sprechen. Und auch darauf, dass Schmetterlinge immer seltener werden. "Man müsste etwas tun", war sich das Ehepaar einig und überlegte gemeinsam, was man als Einzelner bewirken könne. Zum Beispiel als Hausgartenbesitzer. Zum Beispiel für den Schwalbenschwanz.

Projekt vorgestellt

Das alles ist fünf Jahre her. Fünf Jahre, in denen sich viel getan hat. Mertl erinnert sich, wie er 2016 bei der Jahreshauptversammlung des Vereins Kulturlandschaft Südlicher Steinwald seine Idee für das Projekt, bei dem der Schwalbenschwanz, einer der farbenprächtigsten und größten Schmetterlinge in der Oberpfalz, die Hauptrolle spielt, vorgestellt hat. Wie viele andere Schmetterlinge auch, kämpft der Falter ums Überleben, auch weil in unserer aufgeräumten Kulturlandschaft weder genügend Nektarpflanzen für die Falter noch ausreichend Fraßpflanzen für die Raupen zur Verfügung stehen.

Mertls Hilfsplan besticht durch geniale Einfachheit. Bei den Raupen des Schwalbenschwanz-Schmetterlings steht neben der Möhre, Petersilie und Dill auch Fenchel auf der Speisekarte ganz oben. Daher die Idee: Könnte der Verein nicht Gemüsefenchel-Stecklinge kaufen und diese gratis an interessierte Gartler verschenken? Durch die Verteilung der Jungpflanzen auf verschiedene Gärten im Umkreis hätten die Raupen mehr Fraßpflanzen zur Verfügung, was ihre Vermehrung erleichtern würde. Die Resonanz auf den Projektvorschlag war äußerst positiv und überraschend meldete sich auch gleich ein Sponsor für den Kauf der Gemüsepflanzen.

Doch warum fiel die Wahl genau auf den Schwalbenschwanz? "Der Schwalbenschwanz ist eine attraktive Art. Mit den Fenchelpflanzen können die Gartenbesitzer in ihrem Bereich - nämlich dem eigenen Garten - direkt etwas für ihn tun", erklärt Mertl, der früher als Landschaftsarchitekt tätig war, sich inzwischen aber im Ruhestand befindet. "Die Gartenbesitzer holen die Pflanzen ab, setzen sie in ein Beet und müssen dann eigentlich nur abwarten", erläutert er.

Vor fünf Jahren rief Robert Mertl das Projekt "Fenchelpflanzen für den Schwalbenschwanz" ins Leben. Seitdem kümmern sich die Mitglieder des Vereins "Kulturlandschaft Südlicher Steinwald" um den Fortbestand dieses Schmetterlings.

Lege der Schwalbenschwanz-Falter seine Eier an den Fenchelpflanzen ab, beginne ein richtiges Abenteuer für die ganze Familie, das sich über einige Wochen erstrecke. Eltern wie Kinder seien von den Raupen, die sich mehrmals häuten und so immer wieder Farbe und Größe ändern, fasziniert. Äußerungen, wie "Ich hab noch nie so oft in mein Mistbeet reingeschaut wie dieses Jahr", sind daher nicht verwunderlich, die Raupen seien einfach eine Augenweide. Und, so ist sich der Landschaftsarchitekt und Naturliebhaber sicher, einen schönen "Nebeneffekt" habe das Ganze auch: die Gartenbesitzer würden "dem, was kreucht und fleucht" wieder mehr Aufmerksamkeit schenken und bewusster durch ihren Garten gehen.

Rückmeldungen von Raupensichtungen an den verteilten Fenchelpflanzen sind übrigens ausdrücklich erwünscht. Auch Fotos. Freude und Enttäuschung liegen aber oft sehr nahe beieinander, weiß Mertl. Will heißen: die Raupen an den Fenchelpflanzen sind auch ein willkommener Leckerbissen für Vögel oder Eidechsen. Die Raupen sind zwar wirklich gut getarnt und ein ungeübtes Auge übersieht sie leicht, aber hungrigen Vögeln entgeht nicht so leicht etwas. "Fressen und gefressen werden", dieses Prinzip herrsche auch im Garten. Doch selten fallen den Räubern alle Raupen zum Opfer. Und falls doch, dann gebe es ja im nächsten Jahr eine neue Chance.

Zwei Generationen

In unseren Breiten vermehren sich Schwalbenschwänze meist mit zwei Generationen pro Jahr: die erste Generation, die als Puppe überwintert hat, fliegt im Zeitraum von April bis Juli. Die zweite kann man im Juli und August antreffen. Zum Beispiel auf eben den Fenchelpflanzen, die in Friedenfels vom Verein "Kulturlandschaft Südlicher Steinwald" Anfang Mai gratis verteilt werden. Natürlich können Gartenbesitzer unabhängig von dieser Vereinsaktion die Gemüsefenchelpflanzen auch in "ganz normalen Gärtnereien" kaufen.

Dieses Jahr gestaltet sich die Sache mit der Abholung und Verteilung der Pflanzen wegen Corona etwas schwieriger. Der Verein wird sich diesbezüglich mit den zuständigen Behörden abstimmen und gemeinsam werde man eine Lösung finden, ist sich Mertl sicher.

Mehr Verteilstellen

Der Landschaftsarchitekt, der schon allein durch seinen Beruf ein Leben lang "mit der Natur befasst" war, wundert sich manchmal selbst über den großen Erfolg des Projekts. Trotzdem sind noch einige Wünsche offen: "Es wäre schön, wenn es mehr Verteilungsstellen für die Fenchelpflanzen im Landkreis gäbe." Und: Es würde ihn besonders freuen, wenn sich Schulklassen und Kindergartengruppen regelmäßig am Projekt beteiligen würden. So wie in der Vergangenheit bereits eine Schulklasse aus Mitterteich oder der Kindergarten in Friedenfels. Auch Obst- und Gartenbauvereine könnten die Gelegenheit nutzen und mitmachen.

Für Robert Mertl wäre es "ein Traum", wenn sich verschiedene Gruppen aus allen Ecken des Landkreises Tirschenreuth an der Aktion beteiligen würden, damit es überall in den Gärten einen gedeckten Tisch für die Raupen des Schwalbenschwanzes gibt. Ein Wunschtraum, der doch eigentlich leicht zu erfüllen ist.

Gut getarnt und gut genährt: Während sich die bunt gefärbten Schmetterlinge selbst allgemeiner Beliebtheit erfreuen, haben es die Schwalbenschwanzraupen schwerer. Im Garten werden sie oft aus Unkenntnis bekämpft. Da die Raupen aber einzeln auftreten, richten sie keinen spürbaren Schaden an und sollten daher unbedingt geschont werden.
Hintergrund:

"Hilltopping" am Waldecker Schloßberg

Bei männlichen Schwalbenschwänzen lässt sich nach Angaben des Naturschutzbundes ein interessantes Phänomen beobachten: die Gipfelbalz. Die Tiere fliegen bei diesem "Hilltopping" markante Erhebungen an und segeln wieder und wieder an den Hängen hinab, um nach Weibchen zu suchen oder von diesen im Flug gesehen zu werden. Für die Gipfelbalz nutzen sie neben natürlichen Erhebungen und auch Bergehalden. Einer dieser Berge, auf denen sich der Schwalbenschwanz in der Region regelmäßig einfindet, ist nach den Beobachtungen von Robert Mertl der Waldecker Schloßberg im Kemnather Land.

Die Pflanzen werden am Freitag, 8. Mai, von 14 bis 18 Uhr am Dorfladen in Friedenfels ausgegeben. Dazu würde Mertl gerne landkreisweit weitere Verteilstellen einrichten. Interessenten, welche die Aktion unterstützten wollen, sollen sich bei Robert Mertl, Telefon 09683/766 oder Mail info[at]kulturlandschaft-steinwald[dot]de, melden. (cvl)

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