28.01.2020 - 11:17 Uhr
FriedenfelsOberpfalz

Das alte Feuerwehrhaus ist nun bald Geschichte

Die Tage des alten Feuerwehrhauses in Friedenfels sind gezählt. In der nächsten Woche beginnen die Abriss- und Rückbauarbeiten am Gebäude und auf dem Gelände.

Ein letztes Mal prüften (von rechts) Kommandant Christian Bischof, die Vorsitzenden des Feuerwehrvereins, Jürgen Kraus und Martin Bischof, sowie Bernhard Stilp die Räumlichkeiten des alten Feuerwehrhauses. In der nächsten Woche sollen die Abrissarbeiten und der Rückbau beginnen.
von Bernhard SchultesProfil

Der Abriss des Gebäudes an der Poststraße wird das Ortsbild stark verändern, wissen die Verantwortlichen der Gemeinde. In der jüngsten Gemeinderatssitzung unterrichtete Bürgermeister Gottfried Härtl Zuhörer und Ratsmitglieder und gab bekannt, dass das Abbruchunternehmen Plannerer GmbH ab dem 3. Februar mit dem Rückbau beginnen wird.

Viele Friedenfelser können sich noch an die Zeit erinnern, bevor das Gebäude zum Feuerwehrhaus umgebaut wurde. Weit leuchteten die Schriftzüge und das knallige Gelbrot von Shell kündigte den Autofahrern eine von zwei Tankstellen in Friedenfels an. Otto Schraml - Einheimischen unter dem Namen Posthalter bekannt - baute 1969 die Tankstelle mit einem kleinen Verkaufsraum für Autozubehör.

Obwohl nur 150 Meter weiter damals die Firma Heider eine Gasolin-Tankstelle betrieb, bescherte die ideale Lage an der Staatsstraße von Thumsenreuth nach Wiesau beiden Familien ein florierendes Geschäft. Neben den Friedenfelsern und ihren Feriengästen tankten auch Leute von auswärts, die auf dem Weg zur oder von der Arbeit waren. Besonders viel Leben kehrte 1973 in die Tankstelle ein. Kfz-Meister Ludwig Schraml aus dem Ortsteil Bärnhöhe pachtete die Tankstelle und betrieb in den Räumlichkeiten eine gut laufende Kfz-Werkstätte.

Der versierte Meister erledigte Kundendienste und reparierte Autos aller Marken. Doch bereits ein Jahr später kündigten die großen Mineralölkonzerne ihren Rückzug auf dem Lande an und verabschiedeten sich von kleinen Standorten, wie Ludwig Schraml im Gespräch mit Oberpfalz-Medien berichtet. Obwohl Friedenfels zu Beginn nicht gleich betroffen war, löste er seinen Pachtvertrag und baute sich eine Kfz-Werkstatt ohne Tankstelle im Ortsteil Bärnhöhe auf. Besitzer Otto Schraml betrieb die Tankstelle bis zur endgültigen Auflösung mit seiner Familie weiter.

Ab Mitte der 70er Jahre suchte die Gemeinde Friedenfels nach einer Unterkunft für ihre Feuerwehr. Das kleine "Feuerlösch-Requisitenhaus" zwischen dem einstigen "Café am Steinwald" und dem Rathaus sowie die seit 1958 bestehenden Räumlichkeiten in der Gemeindeverwaltung (heutige Tourist-Info) platzten aus allen Nähten. 1982 erwarb deshalb die Gemeinde das Gebäude mit der ehemaligen Tankstelle an der Poststraße von der Familie Schraml. Aufgrund der Platznot der Feuerwehr wurden die einstigen Pläne der Gemeinde für eine Bücherei oder ein "Haus der Jugend" in den erworbenen Räumen fallen gelassen und das Areal wurde zum Feuerwehrhaus umgebaut.

Anbau einer Garage

Kommandant Christian Bischof: "Das Feuerwehrgerätehaus war bereits beim Bezug 1984 als Übergangslösung gedacht. Es entsprach aber nach dem Umbau dem Standard eines ländlichen Gerätehauses mit Unterstellmöglichkeiten für das Feuerwehrauto LF 8, Umkleide- und Schulungsraum sowie einer kleinen Küche." Bis zum Bau des neuen Feuerwehrhauses 2011 an der Badstraße sei das alte Gebäude in den 27 Jahren mit viel Eigeninitiative und Engagement der Feuerwehr instand gehalten worden, erklärt Bischof weiter. Dazu gehörte auch der Anbau einer Garage für den Feuerwehr-VW-Bus. "Das stets undichte Flachdach auf dem Feuerwehrhaus jedoch bereitete immer wieder Sorgen. Auch fehlende Sanitärräume waren ein Problem. Beim Bezug des umgebauten Feuerwehrhauses hatte damals niemand daran gedacht, dass auch einmal Mädchen und Frauen bei der Feuerwehr aktiv sein können. Die Feuerwehrleute arrangierten sich aber stets mit dem Zustand", meint Christian Bischof und blickt bei dem Gespräch mit Oberpfalz-Medien mit etwas Wehmut auf den naherückenden Abrisstag.

Neben den dienstlichen Schulungen und Zusammenkünften im alten Gebäude seien bei seinen Kameraden noch viele gesellige Ereignisse in Erinnerung. "Im alten Feuerwehrhaus wurden 24-Stunden-Dienste verrichtet, wozu auch Übernachtungen in der großen Garage gehörten. Auf Feldbetten und Matratzen wurde dabei nach Dienstende geschlafen, sofern die älteren Kollegen nicht mit ihrem lauten Schnarchen die jungen Feuerwehrler vertrieben", erinnert sich der Kommandant schmunzelnd.

Prüfung auf Altlasten

Seit dem Umzug ins neue Feuerwehrhaus im Jahr 2011 wurde das alte Gebäude nur noch für Lagerzwecke verwendet. Da die Gemeinde keine weitere Nutzungsmöglichkeit mehr sah, wurde das Thema Abriss mehrmals im Gemeinderat behandelt. Kein einfaches Vorhaben. "Das Feuerwehrhaus und das Gelände der ehemaligen Tankstelle mussten auf Altlasten im Mauerwerk und im Boden überprüft werden. Dadurch verzögerte sich der geplante Rückbau. Nachdem nun jedoch alle Untersuchungen abgeschlossen sind, steht einem Abriss in der kommende Woche nichts mehr im Wege.

Viele Unterrichtsstunden und Lehrgänge wurden im Schulungsraum des alten Feuerwehrhauses gehalten.
Bilder an Infotafeln und Stellwänden erinnern noch an die früheren Aktivitäten rund ums Gerätehaus.
Im einstigen Umkleideraum der Feuerwehrmänner bröckelt mittlerweile der Putz von den Wänden und der Decke.
Auch eine kleine Küche beherbergte das alte Feuerwehrhaus.
Ein letztes Mal prüften (von rechts) Kommandant Christian Bischof, die Vorsitzenden des Feuerwehrvereins, Jürgen Kraus und Martin Bischof, sowie Bernhard Stilp die Räumlichkeiten des alten Feuerwehrhauses. In der nächsten Woche sollen die Abrissarbeiten und der Rückbau beginnen.
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