12.03.2021 - 13:28 Uhr
FriedenfelsOberpfalz

Geballte Information zu Pflanzenkläranlage in Friedenfels

In einer Sondersitzung des Friedenfelser Gemeinderats gab es nur ein Thema: Die Vorstellung der Genehmigungsplanung zum Bau einer Schilfkläranlage. Nach Infos zur Verfahrenstechnik folgten Antworten auf zahlreiche Fragen des Gremiums.

Diplom-Ingenieur Michael Blumberg (links, stehend) und Diplom-Ingenieur Wolfram Sievert (sitzend) präsentierten dem Gemeinderat sowie Zuhörern die Technik einer zweistufigen Pflanzenkläranlage für Friedenfels.
von Bernhard SchultesProfil

Das Thema Kläranlage interessiert. Die geltenden Abstands- und Hygieneregeln zur Eindämmung der Corona-Pandemie erlaubten bei dieser öffentlichen Sitzung eine gewisse Anzahl von Zuhörern. Bei der Bestuhlung im großen Abstand waren die angebotenen Sitzmöglichkeiten für die Bürger schnell belegt. Bürgermeister Oskar Schuster freute sich über das Interesse und begrüßte Michael Blumberg und Wolfram Sievert vom Ingenieurbüro Blumberg.

Zwei Stufen

Ausführlich und detailliert präsentierten die beiden Diplom-Ingenieure dem Gemeinderat sowie den Zuhörern auf einer großen Leinwand in der Steinwaldhalle die Entwürfe für den geplanten Bau und die Technik der zweistufigen Pflanzenkläranlage mit Rohabwasserbeschickung.

Wolfram Sievert informierte: „Die derzeitige konventionelle Altkläranlage wird durch eine zweistufige Pflanzenkläranlage ersetzt. Diese ist als innovative Sonderform der integrierten Schlamm- und Abwasserentsorgung in vertikal durchströmten Schilfbecken geplant." Das Grundprinzip bestehe darin, dass die Vorklärung nicht wie bei konventionellen Kläranlagen in Absetzbecken erfolgt. Vielmehr würden die Abwässer zunächst in mit Schilf bepflanzte Becken geleitet. "Diese müssen gegen den umliegenden Boden abgesichert sein. Die Becken enthalten am Boden Drainageröhren, die in einer Schicht von grobem Kies liegen. Darüber befindet sich eine weitere Schicht von feinem Kies, die mit Schilfpflanzen besetzt ist. Darüber kommen einige Zentimeter Sand, der als Feinfilter wirkt."

In dem von oben zufließenden verschmutzten Wasser komme es zur Ausflockung der Schwebstoffe. Entscheidend sei, dass die Pflanzen den Untergrund offenhalten. "Deshalb kann das auf diese Weise gefilterte Abwasser rasch nach unten durch die Drainageschicht abfließen. Durch wechselseitigen Betrieb mehrerer Schilfbecken wird deren Funktionsfähigkeit gesichert." Das noch immer mit Schadstoffen belastete Wasser fließe dann durch langgestreckte, nach außen gegen das Erdreich abgedichtete Becken, die in einer Kiesschüttung mit Flechtbinsen oder anderen geeigneten Arten bepflanzt sind, so Wolfram Sievert.

Im Intervallbetrieb

Technisch, betonten die beiden Diplom-Ingenieure Michael Blumberg und Wolfram Sievert, habe sich das Verfahren in den zurückliegenden Jahren vielfältig weiterentwickelt. Umfangreiches Bildmaterial von Anlagen in Frankreich, der Schweiz sowie in Deutschland präsentierten sie zur Erläuterung. "An der grundlegenden Betriebsweise hat sich indes nichts geändert", betonte Wolfram Sievert an anderer Stelle. „Es müssen mehrere Becken im Intervallbetrieb, zum Beispiel im wöchentlichen Wechsel, beschickt werden, damit in den Ruhephasen der abgelagerte Primärschlamm auf und in der Streuschicht ausgetrocknet und mineralisiert werden kann. Dieses Verfahren minimiert den Primärschlammanfall größtmöglich und erlaubt große Räumungsintervalle der Becken.“

Interessant für Gemeinderat und Zuhörer waren die anschließenden Vergleiche zu Kosten, Unterhalt sowie Flächenverbrauch einer Pflanzenkläranlage mit einer technischen Kläranlage. Während sich bei den Baukosten beide Anlagen annähernd mit 2,5 Millionen Euro auf gleicher Höhe bewegen, sei der Unterhalt bei der Pflanzenkläranlage wesentlich günstiger, betonte Diplom-Ingenieur Michael Blumberg. An einer Grafik zeigte er die Einsparungen an Stromverbrauch, Personalkosten, Pumpen, Maschinentechnik, Rechen und Betriebsmittel auf. Mit rund 1,1 Millionen Euro bezifferte er hier die Einsparungen - gerechnet auf 25 Jahre. Für den Bau der Pflanzenkläranlage benötige man 18.746 Quadratmeter, meinte der Redner ferner.

„Die älteste Anlage befindet sich im Harz und funktioniert seit 1974 noch immer problemlos."

Diplom-Ingenieur Michael Blumberg

Einen Fragenkatalog hatten die Gemeinderats-Fraktionen im Vorfeld dem Ingenieurbüro Blumberg übersandt. Darin wollten sie viele weitere Details zu der Anlage wissen. „Ich hoffe, alle Fragen umfangreich geklärt zu haben“, meinte am Ende seiner Ausführungen Diplom-Ingenieur Michael Blumberg, nachdem er die Arbeit vom Klärwärter bis hin zur Haltbarkeit der Anlage nochmals ausgiebig erläutert hatte. "Nein", sagte Blumberg auf die am meisten gestellte Frage hinsichtlich einer möglichen kürzeren Lebensdauer sowie zu Störungen im Betriebsablauf bei Kälte oder Hitze. „Die älteste Anlage befindet sich im Harz und funktioniert seit 1974 noch immer problemlos. Und alle weiteren von uns gebauten Anlagen arbeiten bei extremer Hitze oder auch Kälte genauso wie konventionelle Anlagen.“

Erweiterung möglich

Auch einer Erweiterung der Anlage, sollte Friedenfels von der Einwohnerzahl her wachsen, stand Blumberg gelassen gegenüber. „Die Fläche und eine Zusage des Besitzers für eine Grundabgabe zur Erweiterung, wenn nötig, ist vorhanden.“ Als nächster Schritt folge nun das wasserrechtliche Verfahren über das Landratsamt Tirschenreuth. Einen realistischen Baubeginn sah Diplom-Ingenieur Michael Blumberg, sofern der Gemeinderat der vorgelegten Entwurfsplanung in den nächsten Wochen zustimme, im Frühjahr 2022. „Bei idealen Wetterbedingungen könnten die ersten Maßnahmen sogar noch in diesem Herbst erfolgen“, so Blumberg.

Der Kläranlagenbau war auch Thema der Februar-Sitzung des Gemeinderats Friedenfels

Friedenfels
Deutlich erkennbar sind im Entwurf des Ingenieurbüros Blumberg die neuen neun Becken des Rohabwasserfilters sowie die zwölf Becken für die Vertikalfilterstufen. Links davon und davor gelagert befindet sich die alte Kläranlage, wobei nur das Betriebsgebäude erhalten bleibt.
Interessiert verfolgten Gemeinderat und Zuhörer die Ausführungen zum geplanten Bau einer Schilfkläranlage durch das Ingenieurbüro Blumberg.

 

 

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