Rund hunderttausend Rehkitze sterben deutschlandweit jedes Frühjahr auf den Wiesen und Feldern einen qualvollen Tod, weil sie unter die scharfen Messer eines Mähwerks geraten. Ricken, wie weibliche Rehe in der Jägersprache genannt werden, legen ihre Jungen im Frühjahr in Wiesen und Futteranbauflächen ab. Statt bei Gefahr davonzulaufen, ducken sich die Jungen bei Gefahr instinktiv auf den Boden. Die Kitze sterben oder werden verstümmelt, wenn sie nicht entdeckt werden.
Die Rehkitzretter fliegen die Felder vor der Mahd mit Drohnen ab, um die Jungen aufzuspüren. Damit retten sie nicht nur Rehen das Leben, sondern auch anderen Tieren, wie die Helfer berichten. Junge Hasen, Igel, Vogelgelege und sogar Katzen seien aus den Wiesen geholt worden, berichten die Rehkitzretter stolz.
Es gibt im Landkreis Tirschenreuth einen Verein und einen Verband, die sich hier engagieren: der Verein Rehkitzrettung Tirschenreuth im Osten und die Rehkitzretter des Jagdverbands Kemnath im Westen des Landkreises.
Fünf Drohnen im Einsatz
Gut 120 Mitglieder und zwischenzeitlich fünf Drohnen hat der Verein Rehkitzrettung Tirschenreuth. Nach Angaben der Zweiten Vorsitzenden Annette Gleißner wurden damit heuer gut 300 Kitze gerettet, das waren zwar weniger als im Vorjahr, doch dafür gab es Gründe: „Die Saison war schwierig“, erklärt Vorsitzender Eberhard Freiherr von Gemmingen-Hornberg. „Im April war es eiskalt. Solche Wettereinflüsse beeinflussen die Tiere, die Kitze kamen deshalb später zur Welt.“ Da sei oft die erste Mahd schon vorüber gewesen. Bei der zweiten Mahd seien die Jungen schon größer gewesen, hätten sich nicht mehr weggeduckt, sondern seien häufig den Rettern davongelaufen.
Teils waren an einem Morgen bis zu sieben Teams gleichzeitig unterwegs. Dafür seien 1359 ehrenamtliche Stunden geleistet worden, ergänzt von Gemmingen-Hornberg. Der Verein Rehkitzrettung flog in diesem Jahr 2000 Hektar Wiesen ab. „Wir fanden auch Junghasen, Igel, Entengelege und Katzen“, betont Zweite Vorsitzende Annette Gleißner. Sie erzählt von einem Entengelege, das die Rehkitzretter entdeckt hätten. „Die Entenmutter wäre nicht mehr zurückgekommen. Deshalb haben Sandra und Elias Stöckl die Eier mitgenommen. Die Entlein konnten ausgebrütet und aufgezogen werden.“
Was Vorsitzenden von Gemmingen-Hornberg freut: Der Verein hat einiges in Bewegung gebracht. Die Akzeptanz der Landwirte und Maschinenführer für das Absuchen seit der Gründung des Vereins enorm angestiegen. Viele Jagdgenossenschaften im Landkreis würden mittlerweile die Wiesen vor der Mahd absuchen lassen. „Etliche Jäger gehen sogar selbst mit eigenen Drohnen in die Wiesen“, berichtet der Baron.
Nachfrage nimmt zu
Mit ähnlichen Zahlen wartet Bruno Ponnath auf. Er ist Jagdpächter, Hegegemeinschaftsleiter, Vorstandsmitglied beim Jagdverband Kemnath e. V. und selbst immer wieder als Drohnenpilot im Einsatz. Sein Verband deckt das Gebiet von Ebnath bis Kastl sowie vom westlichen Steinwaldrand bis Wirbenz ab. Herbert Tretter hat dort vor fünf Jahren mit einer Drohne mit dem Retten begonnen. Bald schon sind weitere Drohnen angeschafft worden, weil die Nachfrage nach dem Absuchen vor der Mahd zugenommen hat.
Ponnath hat erzählt von 150 geretteten Kitzen in diesem Jahr. „Es sind aber noch nicht alle Einsätze erfasst“, betont er. Die Einsätze hat der Jagdverband unter Federführung von Herbert Tretter organisiert. Auch die Kemnather sammelten Junghasen sowie Gelege von Fasanen und Rebhühnern ein. Sogar die Brut einer Wiesenweihe wurde entdeckt und gerettet.
Der Kemnather Verband fliegt mit sechs Drohnen. Für jede stehen zwei bis drei Piloten bereit. Fünf der Piloten seien selbst Jäger, erzählt Ponnath. Auch die Kemnather Rehkitzretter berichten von schwarzen Schafen. Diese ließen sich leider nicht umstimmen, obwohl sie eigentlich dazu verpflichtet seien, die Wiesen vor der Mahd abzusuchen. Wie sie das machen würden, bleibe natürlich ihnen überlassen. Jedoch habe sich gezeigt, dass herkömmliche Methoden nicht ausreichend seien, sagt Ponnath. Der Drohneneinsatz sei aktuell die effektivste Methode.
Schwierig sei die Einsatz-Koordinierung, wenn Lohnunternehmer die Wiesen mähten, weiß er. Dann komme es leider vor, dass Rehkitze nach dem Absuchen wieder in die Wiesen zurückgelaufen seien, bis gemäht werde. Ponnath ist dabei voll des Lobes über die Kitzretter. „Wenn man sieht, welche Begeisterung entsteht, wenn sie ihr erstes Kitz retten, ist das Freude pur.“ Dem kann Annette Gleißner aus dem Stiftland nur zustimmen. Es seien Glücksmomente, ein kleines, hilfloses Wesen aus den Wiesen tragen zu dürfen.
Früh aus den Betten
Auch von Gemmingen-Hornberg erzählt von einigen Unverbesserlichen, die das Angebot der Tierretter nicht annehmen würden. „Das Töten oder Verletzen von Kitzen ist kein Kavaliersdelikt. Es ist eine Straftat, die mit hohen Geldbußen belegt wird“, warnt er. Beide Einrichtungen könnten noch Helfer gebrauchen. Rehkitzrettungen beginnen um 2 Uhr morgens. Die meisten Helfer eilen nach den Einsätzen gegen 9 Uhr zu ihren eigentlichen Jobs.
Rehkitzretter
- Suchen vor der Mahd mit der Drohne die Wiesen und Felder ab, um Kitze vor dem Tod zu bewahren.
- 2024 haben die Retter des Jagdverbands Kemnath und des Vereins Rehkitzretter Tirschenreuth etwa 450 Kitze aufgespürt und gerettet.
- Helfer sind ebenso willkommen wie Spenden für die Reparatur oder Neuanschaffung von Drohnen.
- Der Verein Rehkitzrettung Tirschenreuth ist unter Telefon 0152/58411729 oder per E-Mail (info[at]rehkitzrettung-tir[dot]de) zu erreichen.
- Den Jagdverband Kemnath kann man unter Telefon 0 96 42/43 9 kontaktieren.




































Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.
Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.