"Vielerorts in Bayern sind Wald und Wild miteinander im Einklang“, sagte die Forstministerin im Agrarausschuss des Landtags. Dies sei dem beispielhaften Einsatz von Jägern, Waldbesitzern und Forstleuten zu verdanken. Seit 1986 prüft die Forstverwaltung in Bayern alle drei Jahre, ob der Wald sich gut verjüngt. Das heißt, ob junge Bäume in ausreichender Zahl nachwachsen, oder ob die kleinen Fichten, Tannen, Buchen und Eichen so stark vom Wild verbissen werden, dass sie nicht hochkommen und der Nachwuchs fehlt. Begutachtet werden nicht die einzelnen Jagdreviere, sondern immer eine so genannte Hegegemeinschaft, also ein Zusammenschluss mehrerer benachbarter Reviere.
Für die Jäger im Landkreis Tirschenreuth ist ein durchmischter, gesunder Wald die beste Lebensgrundlage für die heimischen Wildarten, deshalb tun sie alles dafür, solche Waldstrukturen zu fördern, schreibt die BJV-Kreisgruppe Tirschenreuth in einer Pressemitteilung. Generell zeigen die Ergebnisse des Forstlichen Gutachtens auch heuer wieder niedrige Verbisswerte. Im Vergleich zu 2015 ist der Verbiss zwar geringfügig höher ausgefallen, bei Laub- und Nadelbäumen hat er um ein Prozent zugenommen.
„Das war durchaus zu erwarten“ erklärt Eberhard Freiherr von Gemmingen-Hornberg, Vorsitzende der BJV-Kreisgruppe. „Die Ergebnisse liegen ganz im Rahmen einer dynamischen Entwicklung. Schließlich waren die Zahlen in den letzten beiden Gutachten extrem niedrig. Entscheidend ist, dass der Wildverbiss, seit es das Forstliche Gutachten gibt, stetig abgenommen hat.“
In den 1980er und 1990er Jahren hatte sich die Forstverwaltung zum Ziel gesetzt, dass höchstens 20 Prozent der Fichten verbissen werden. Heute liegen die Verbisszahlen längst unter 5 Prozent. Der Zustand der bayerischen Wälder – so der jährliche Waldzustandsbericht – ist so gut wie nie. Im Privatwald liegt der Verbiss – auch das zeigen die Zahlen vor allem für den Tannenverbiss im Bergwald – niedriger als in den Staatsforsten. "Die Jäger haben ihre Hausaufgaben gemacht", erklärt Baron von Gemmingen-Hornberg.
Trotzdem würden immer wieder Negativbeispiele in den Vordergrund gerückt und besonders die Zahlen der Bereiche kommuniziert, in denen es noch Nachholbedarf gibt. Die BJV-Kreisgruppe fordert daher ein Umdenken beim Forstlichen Gutachten: "Entscheidend für den Nachwuchs ist das, was an jungen Bäumen nachwächst und in ein hiebsreifes Alter kommt. Das Vegetationsgutachten aber betrachtet nicht die vielen tausend Bäumchen, die gut wachsen, sondern zählt nur die wenigen, die verbissen wurden." Oft werde das Gutachten deshalb als „Negativgutachten“ bezeichnet.
Doch der Verbiss sei nur ein Faktor. Die Sommertrockenheit, die Zunahme an Schädlingen im Wald, teilweise falsche Bejagung und auch waldbauliche Fehler würden das Wachstum der Bäume beeinflussen. "Tiere im Wald werden immer Bäume fressen, sie gehören zum Nahrungsspektrum des Wildes. Das heißt, es wird immer Wildeinfluss geben." Deshalb fordere der BJV ein Gutachten, das die gesamte Zusammensetzung der Vegetation aufnimmt, und nicht nur den Schaden misst.
"Seit über 30 Jahren wird das Gutachten durchgeführt und die Ergebnisse werden alle drei Jahre als ungenügend dargestellt. Gerade die Ergebnisse aus dem Bergwald zeigen, dass die ständige Abschusserhöhung nichts bringt", weiß Baron von Gemmingen-Hornberg. Im Gegenteil: "Zu hoher Jagddruck fördert den Verbiss."
Der Kreisvorsitzende, der selbst auch Waldbesitzer ist, fordert deshalb weniger Ideologie beim Blick auf die Ergebnisse des Forstlichen Gutachtens: „Wir wollen das Vegetationsgutachten nicht abschaffen, aber wir wollen keine regelmäßige pauschale Verurteilung. Nach 32 Jahren könnten die Verantwortlichen langsam zu der Einsicht kommen, dass der Automatismus ‚Wildschaden = Abschuss erhöhen‘ nicht zum Ziel führt." Die Tiere des Waldes seien ein wichtiger Teil der Natur und müssten auch als solcher wertgeschätzt und nicht nur als Schädlinge gesehen werden. „Natur ist nicht teilbar. Deshalb wünschen wir uns, dass beim forstlichen Gutachten endlich das zählt, was letztlich durchkommt und das hiebsreife Alter erreicht. Denn das ist unser zukünftiger Wald.“












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