16.08.2019 - 15:48 Uhr
FriedenfelsOberpfalz

Kleinod in Friedenfels strahlt in neuem Glanz

Freundlich und einladend zum Gebet präsentiert sich seit einigen Tagen wieder die Kriegerkapelle auf dem Schusterberg. Rentner Walter Konhäuser hat die Gebetsstätte renoviert. Und das bereits zum vierten Mal.

191 gefallene Friedenfelser des Ersten und Zweiten Weltkriegs sind auf den Gedenktafeln verewigt. Bei der Renovierung der Kapelle hat Walter Konhäuser die Inschriften gesäubert. Bild: bsc
von Bernhard SchultesProfil
Die Kriegerkapelle auf dem Schusterberg in Friedenfels liegt Walter Konhäuser am Herzen. Seit 1981 bemüht er sich um das kleine Gotteshaus und war zum vierten Mal an einer Renovierung beteiligt.

Herbstliche Stürme, winterliche Schneetreiben, Kälte und Frost machen auch vor Gotteshäusern nicht halt. Walter Konhäuser, der viel mit seinem Mountainbike in freier Natur unterwegs ist und oft dabei den Schusterberg überquert, stellte bei einer seiner diesjährigen "Frühjahresausfahrten" fest, dass der letzte Winter und die Feuchtigkeit der Schneeschmelze dem kleinen Gotteshaus auf dem Schusterberg enorm zugesetzt hatten. Also hat er die kleine Kriegerkapelle ehrenamtlich instandgesetzt - wieder einmal.

"1981 hat alles angefangen", erzählte der agile Rentner den Oberpfalz-Medien, die ihn bei seinen Arbeiten auf dem Schusterberg besuchten. Der Tod seiner Frau war für ihn der Auslöser, sich um derartige Projekte zu kümmern und bei Renovierungsarbeiten mitzuhelfen. Damals war der von Friedenfelsern und Feriengästen gern besuchte Andachtsort auf dem Gipfel des Schusterberges in einem erbärmlichen Zustand. Zusammen mit der Kolpingsfamilie, die auch die Kreuzwegstationen hinauf zum Schusterberg auf Vordermann gebracht hat, und einer Baufirma, beteiligte sich Walter Konhäuser an der Generalsanierung der Schusterbergkapelle. Als Malermeister kennt er sich aus mit Farbe und Pinsel. Gemeinde und Kirchenverwaltung schätzten seine Kenntnisse und seine lange Berufserfahrung. Denkmalpflegerisches Fachwissen war nämlich bei den Arbeiten nötig und verschiedene Auflagen bei der Ausführung und Instandsetzung mussten eingehalten werden.

Nebenbei engagierte sich Walter Konhäuser bereits damals bei sozialen und gesellschaftlichen Projekten rund um den Erholungsort. Mehrere Friedenfelser Vereine unterstützte er beim Ausbau und Neubau von Vereinsheimen und der Gestaltung der Räumlichkeiten. Viel Zeit opfert er seitdem auch für den Fremdenverkehr. So hält er zum Beispiel eine Bankgruppe sauber und setzt sie immer mal wieder instand.

1998 war er zum zweiten Mal an der Renovierung der Kriegerkapelle beteiligt. 2015 hat er nach dem Diebstahl des großen Altarbildes aus der Schusterbergkapelle eine besonders umfangreiche Restauration gestemmt. Denn an der Wand klaffte ein freier Fleck, zum Ärger vieler Gläubiger und vorbeikommender Wanderer. Anfänglich plante Walter Konhäuser damals ein Kreuz zwischen Altar und Decke zu malen. Doch bei seinen Aufenthalten in der Kapelle entdeckte er mehrere Schäden. An den Außenmauern und Granitsäulen waren Moos und Algen zu sehen. Die aufwendige Kassettendecke im Vorraum der Kapelle war morsch, und die Holzdecke in der Kirche brauchte dringend einen Anstrich. Die Steinmauern innen und außen wiesen Flecken und Frostschäden auf. "Mit einem Arbeitseinsatz an einem Nachmittag war es damals nicht getan", erinnert sich Walter Konhäuser.

Bei dem neuerlichen Einsatz bekam er Unterstützung von seinem Freund Bernhard Kellner, mit dem er schon mehrere Projekte rund um den Erholungsort durchgeführt hat. "Der Bernd hat mir auch dieses Mal mein gesamtes Werkzeug, Farben, Leitern und die Baumaterialen mit dem Gemeindebus zum Schusterberg transportiert und nach der Fertigstellung wieder abgeholt", lobt Walter Konhäuser. Die zahlreichen Stunden, die er alleine in und an der Kriegerkappelle bei seinen Arbeiten verbringt, genießt er. "Da bin ich mit dem Herrgott alleine und kann über vieles nachdenken". Große Ehrfurcht flößten ihm bei den jüngsten Arbeiten die großen Granittafeln in der Kapelle mit den Namen und der Angabe des Todestages der gefallenen und vermissten Soldaten im Ersten und Zweiten Weltkrieg ein. "54 Namen aus dem Ersten Weltkrieg und 137 aus dem Zweiten Weltkrieg sind darauf verzeichnet. 191 Friedenfelser sinnlos in den Tod getrieben, das muss man sich mal vorstellen", so Walter Konhäuser. Er hat mit einem Pinsel aus jeder Zahl und jedem Buchstaben den Schmutz entfernt. "Diese Arbeiten konnte ich zumindest im Stehen erledigen und musste nicht auf Knien kriechen, wie bei dem zuvor neu aufgebrachten Putz über den Sockelleisten und schadhaften Wänden im Bodenbereich", meint Walter Konhäuser. Und weil er schon mal da war, machte er gleich alle Risse in den Wänden dicht und brachte neue Farben auf - haargenau im gleichen Farbton wie zuletzt. Für den Malermeister war dies kein Problem.

Auch die an der Decke hängende, vom Wetter geschützte prächtigen Kassettendecke im Vorraum der Kapelle hat eine Auffrischung erfahren. Der Anstrich über dem Kopf und auf der Leiter stehend sowie die Arbeiten am First des kleinen Gotteshauses, waren für den mittlerweile 82-jährigen Rentner aber auch kein Problem. "Wenn Gott mir die Kraft gibt und ich gesund bleibe, werde ich hoffentlich auch bei der nächsten Renovierung dabei sein, scherzte Walter Konhäuser zum Abschluss der Arbeiten.

Ausgebessert wurden durch Walter Konhäuser auch schadhafte Stellen an der aufwendigen Kassettendecke im Vorraum der Kapelle.
Ob Maler- oder Putzarbeiten, die jüngste Instandsetzung brachte viele Mängel auf den Plan. Kniend am Boden erledigte Walter Konhäuser auch diese Angelegenheiten.
Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.