10.12.2020 - 10:14 Uhr
FriedenfelsOberpfalz

Vom Lehrling zum Forstunternehmer

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Um den Steinwald in den nächsten Jahren gesund und intakt zu halten, ist auch der Einsatz moderner Maschinen nötig. Dabei kommt auch Jungunternehmer Florian Frank aus Siegritz eine gewichtige Rolle zu.

Erster Arbeitseinsatz: Aus unwegsamem Gelände chauffierte Florian Frank mit seinem neuen Forwarder geschlagenes Holz zu einem befestigten Waldweg für den späteren Abtransport durch Langholzwagen.
von Bernhard SchultesProfil

Das schnelle und sichere Aufarbeiten von befallenen Borkenkäferbäumen sowie großen Sturmholzmengen ist heutzutage wichtiger denn je. Im Naturpark Steinwald verfolgt man diese Strategie seit vielen Jahren. Erledigte man früher diese Arbeiten mit Rückepferden, so sind es heute Traktoren, Forwarder und große Seilwinden.

Eines dieser derzeit modernsten Fahrzeuge nahm dieser Tage seine Arbeit im Steinwald auf. Waldbesitzer Eberhard Freiherr von Gemmingen-Hornberg war dabei und wünschte seinem ehemaligen Auszubildenden und heutigen selbstständigen Forstunternehmer Florian Frank (31) aus Siegritz stets unfallfreie Holzernte. Frank startete als 14-Jähriger 2004 bei den Friedenfelser Betrieben eine Lehre als Forstwirt.

Selbstständig schon nach der Lehre

Gut erinnern können sich an die damalige Zeit neben dem Baron auch die einstigen Lehrherren. Der heutige Leiter Wald und Wild, Jens Ullmann, sowie Lehrmeister Forstwirt Ingfried Weiß verbrachten mit Frank viele Arbeitsstunden im Steinwald. "Flo war als Lehrbub ein schmächtiges Kerlchen", scherzte Ullmann und fuhr fort: "Beim Aufstellen von Hochsitzen mussten wir schauen, dass wir ihn nicht mit auf die Kanzel hievten. Seine gute Arbeit sowie sein Können und Wissen waren jedoch bereits damals beeindruckend." In die gleiche Kerbe schlug Ingfried Weiß.

Bereits während seiner dreijährigen Lehrzeit als Forstwirt interessierte sich Florian Frank für die Maschinen der damaligen Holzrücker im Steinwald. Insgeheim reifte dabei der Wunsch zur späteren Selbständigkeit als Forstunternehmer. Zum Ende seiner Lehrzeit und nach erfolgreicher Abschlussprüfung erfuhren hiervon auch Eberhard Freiherr von Gemmingen-Hornberg sowie Jens Ullmann. Waldbesitzer von Gemmingen-Hornberg fragte deshalb seinen einstigen Lehrling, ob er sich eine Arbeit als selbstständiger Forstunternehmer im Steinwald vorstellen könnte.

Für Florian Frank ging damit ein Traum in Erfüllung, wie er im Gespräch mit Oberpfalz-Medien berichtete. "Nach einer kurzen Beratung mit meinen Eltern - ich war noch keine 18 Jahre - wagte ich den Entschluss und bereitete meine Selbstständigkeit vor." Verschweigen wollte Florian Frank bei der Fahrzeug-Präsentation im Steinwald aber nicht, dass die Selbstständigkeit anfangs gar nicht so einfach für ihn war. "Nicht leicht war es nämlich, als noch 17-Jähriger an die benötigten Kredite zur Firmengründung zu kommen. Immerhin waren es damals bereits hohe sechsstellige Summen."

Heute freut sich Florian Frank, diesen Weg eingeschlagen zu haben. Er ist stolz auf sein erfolgreiches Unternehmen sowie auf seinen mittlerweile umfangreichen Fuhrpark. Einen großen Forstschlepper verwendet er für den Transport von Holz sowie zu Seilarbeiten an Steilhängen. Mit einem Forwarder transportiert er geerntetes Holz aus dem Wald.

Nun kam seine neueste Errungenschaft dazu, ein Komatsu Forwarder 855. Dieses Fahrzeug, das per Schiff und Tieflader vom Produktionsstandort Umea in Mittelschweden zum Servicepartner Howa in Neusorg angeliefert wurde, ist laut Frank mit allem ausgestattet, was für eine umwelt- und waldschonende Holzernte nötig ist. Gekostet hat sie einen mittleren sechsstelligen Euro-Betrag.

Fahrzeug viel leiser als Vorgänger

Florian Frank präsentierte die Möglichkeiten vor dem ersten Arbeitseinsatz den anwesenden Gästen und ließ dabei ins Fahrzeug sowie unter die Motorhaube blicken. Ein Sechs-Zylinder-Turbodieselmotor mit 170 kW Leistung erfülle die neueste Abgasstufe EU Stage V. Durch eine spezielle Abgasnachbehandlung würden die Schadstoffausstöße im komplexen Ökosystem Wald auf ein Minimum reduziert, hieß es.

Das spezielle Getriebe "Speed Shift" könne durch zwei Fahrmotoren im Arbeitsmodus eine Fahrgeschwindigkeit von bis zu 14 km/h erreichen (ein Standardgetriebe ermöglicht maximal 8 km/h). Zeitgleich würde durch eine intelligente Steuerung die Motordrehzahl auf einem niedrigen Niveau gehalten, wodurch das Fahrzeug viel leiser gegenüber Vorgängerfahrzeugen und mit weniger Kraftstoffverbrauch betrieben werden könne.

Zu einer ordnungsgemäßen Bewirtschaftung gehört in Zeiten des Borkenkäfers eine schnelle und sichere Aufarbeitung der geschädigten Bäume.

Jungunternehmer Florian Frank

Jungunternehmer Florian Frank

Bei weiten Rücke-Entfernungen sei eine große Zuladung möglich, um die Anzahl der Fahrten gering zu halten. Eberhard Freiherr von Gemmingen-Hornberg freute sich auch über die Niederdruckreifen am Forwarder. "Diese garantieren eine geringere Bodenverdichtung und ermöglichen mir das Anbringen von Moorbändern für die Holzernte in Feucht- und Moorgebieten", erklärte Florian Frank.

Wichtig war dem Jungunternehmer auch, dass Wanderer und Radfahrer im Steinwald Verständnis zeigen, wenn Forstmaschinen und Holz mal kurzzeitig für Sperrungen von Waldwegen sorgen. "Zu einer ordnungsgemäßen Bewirtschaftung gehört in Zeiten des Borkenkäfers eine schnelle und sichere Aufarbeitung der geschädigten Bäume. Dies ermöglicht mir mein neues Fahrzeug."

Probesitzen im neuen Komatsu Forwarder 855: Eberhard Freiherr von Gemmingen-Hornberg (Bild) war beim ersten Arbeitseinsatz dabei.
Eberhard Freiherr von Gemmingen-Hornberg (vorne Mitte) ist eine nachhaltige Waldwirtschaft in seinen Wäldern wichtig. Die Investition in eine umweltfreundliche Forstmaschine durch Florian Frank (auf dem Forwarder) freute den Waldbesitzer. Glückwünsche zur Neuanschaffung übermittelte auch Forstwirt lngfried Weiß (rechts). Unterstützung bei der Holzernte erhält Florian Frank von seinem Vater Wolfgang Frank (links).
Modernste Technik im Cockpit des Komatsu Forwarder 855. Ein Lenkrad gibt es in der ergonomischen Kabine nicht mehr.
Große Freude bereitete Florian Frank (Dritter von links) die Ankunft seiner neuen Forstmaschine. Die Übergabe erfolgte beim Servicepartner Howa in Neusorg. Mit dabei waren (von links) der Technische Gebietsleiter der deutschen Vertretung „Komatsu Forest GmbH“, Marek Trommer, und Verkäufer Manuel Schreck, Wolfgang Frank sowie vom Servicepartner Howa Nobert Horn und Matthias Horn.

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