02.07.2021 - 14:22 Uhr
FriedenfelsOberpfalz

Majestixe aus dem Steinwald - die Barone von Gemmingen-Hornberg

Das Bier ist ihr Zaubertrank und der Granit ihr Hinkelstein. Die Familie von Gemmingen-Hornberg gibt mit den Friedenfelser Betrieben vielen Menschen der Region Arbeit. Wir haben sie für den zweiten Teil unserer Adelsserie besucht.

Die Barone Eberhard von Gemmingen-Hornberg (links) und Johannes von Gemmingen-Hornberg vor dem Schloss Friedenfels. Es befindet sich im Besitz der Familie.
von Sebastian Böhm Kontakt Profil

Eberhard Freiherr von Gemmingen-Hornberg sitzt in seinem Büro und überlegt, dann sagt er: "Dieser Name führt dazu, dass man, ähnlich wie der Majestix bei Asterix und Obelix, auf einem Schild getragen wird." Er hat nach einer Antwort auf die Frage, welche Auswirkungen denn sein adeliger Name auf sein Leben hat, gesucht. Man stehe unter Beobachtung und unter einem gewissen Druck, sich richtig oder besonders zu verhalten: "Ohne dass man etwas dafür kann, etwas dafür geleistet hat und ohne, dass man es will", erklärt der 63-Jährige. Man könne sich dann entweder wegducken und still vor sich her leben oder sagen: "Wir machen was draus."

Und die Familie von Gemmingen-Hornberg macht. Was für Majestix sein Aremorica in Gallien ist, ist Friedenfels im Landkreis Tirschenreuth für den Baron. In dem Oberpfälzer Dorf werden zwar keine Hinkelsteine hergestellt, die von Gemmingen-Hornbergs haben aber immerhin die Verantwortung für ein Granitwerk. Außerdem betreiben sie unter anderem eine Landwirtschaft, eine Forstwirtschaft, einen Landhandel und ein Sägewerk. Die Familie besitzt rund 3000 Hektar Wald und 200 Hektar Landwirtschaftsfläche. Circa 100 Mitarbeiter sind in den Friedenfelser Betrieben beschäftigt. Das wichtigste Geschäftsfeld ist und bleibt aber der Zaubertrank des kleinen Dorfes, das inmitten des Steinwalds liegt. "Die Brauerei ist unser Aushängeschild", sagt Johannes Baron von Gemmingen-Hornberg.

Corona bringt Umsatzeinbußen

Der 28-Jährige hat 2020 die Geschäftsleitung der Friedenfelser Betriebe von seinem Vater übernommen. "Der Johannes ist da in ein ganz besonders kaltes Wasser gesprungen. Es war für ihn natürlich sehr schwierig. Er hat wirklich das bemerkenswerte Pech gehabt, genau zu dem Zeitpunkt anzufangen, als Corona ausgebrochen ist", erklärt der Vater, der von Mitte der 80er Jahre bis zum vorherigen Jahr die Verantwortung über die Betriebe hatte. Die Brauerei habe in dieser Zeit eine Umsatzeinbuße von rund 30 Prozent hinnehmen müssen, da mit der geschlossenen Gastronomie ein wichtiger Abnehmer weggefallen sei.

Aber Johannes Baron von Gemmingen-Hornberg nutzte die ruhigere Zeit während der Pandemie. Der neue Chef hat den Vertrieb ausgebaut und den Bieren unter anderem ein neues moderneres Produktdesign verpasst. Er ist ehrgeizig. Der 28-jährige hat einiges vor: "Mit dem Zoigl als Galionsfigur will ich die Region noch prominenter nach außen präsentieren", sagt er. Der älteste von vier Söhnen von Eberhard Baron von Gemmingen-Hornberg hat in Deutschland studiert und in London und New York gearbeitet. „Die Tools, die man hat, muss man schmieden. Und die lassen sich besser schmieden, wenn man weiter weg ist“, sagt er. Nun sei er aber wieder zu Hause im Steinwald. „Das war eine bewusste Entscheidung, die aber länger in mir gereift ist“, erklärt Johannes.

Der Druck der Tradition

Nun sitzt er in Friedenfels neben dem Ölgemälde seines Ururgroßvaters, dem Brauereigründer Gustav von Siegle, und seinem Vater. „Jede Generation muss schauen: Kann ich das weiter beschützen, was sie geleistet haben“, erklärt Johannes. Er sei sich bewusst, dass die Firma, die er übernommen hat schon seit 1886 existiere. Klar sei hier der Druck noch größer, das alles zu erhalten, als das vielleicht bei einer neueren Firma der Fall sei. „Wir haben hier eine große Verantwortung. Wir sind der Arbeitgeber für viele Familien in der Region.“

Der 28-Jährige wird von seinen Mitarbeiten „Baron Johannes“ genannt. „Ich habe mich für das Hamburger Sie entschieden“, erklärt er. Eberhard von Gemmingen-Hornberg wird sogar nur „Herr Baron“ genannt. „Das war bei meinem Vater schon so“, sagt der 63-Jährige schmunzelnd. Aber das sei eben nunmal ein Teil seines Namens, erklärt er und fügt an: „Der Adel in Deutschland ist abgeschafft. Und das ist mir auch ganz wichtig, dass Sie das bringen. Er ist jetzt ein Teil des Namens. Wir können da auch gar nichts dafür. Bei uns steht eben ein längerer Name im Pass, als zum Beispiel bei Ihnen.“

Langer Name, wenige Vorteile

Positive Folgen bringe der längere Name fast keine, sagen die beiden. „Die Vorteile sind wirklich lächerlich wenige, wie zum Beispiel, dass du im Restaurant schneller an einen Tisch kommst. Aber an jedem Flughafen ist der Name zum Beispiel eine Katastrophe, weil er in diese vorgegebenen Buchstabenfelder nicht reinpasst“, erklärt Eberhard von Gemmingen-Hornberg und lacht. Sein Sohn stellt die Frage „Was heißt denn Titel?“ und beantwortet sie auch gleich selbst: „Mein Name ist zwar länger, als der von anderen Menschen, aber das was dahinter steckt, ist doch nur die Herkunft und die hat jeder.“ Was aber der Name vor allem mit sich bringe, sei eben die Pflicht, Verantwortung zu übernehmen, sagt Eberhard von Gemmingen-Hornberg.

„Ich habe viele Ehrenämter, ich sitze im Gemeinderat in Friedenfels, im Kreistag in Tirschenreuth, bin Vorsitzender vom Naturpark Steinwald, bin Teil des Präsidiums vom bayerischen Jagdverband und Teil des Naturschutzbeirats.“ Das gehöre einfach dazu, wenn man so eine exponierte Position einnehme, wie er in Friedenfels, sagt der Baron. Denn: Wie hatte er es noch mal erklärt? Eberhard von Gemmingen-Hornberg wurde wie Majestix auf ein Schild gehoben – nur konnte er es sich nicht aussuchen.

Teil 1 der Serie: Graf Beissel von Gymnich - der Getriebene von Guteneck

Guteneck
Hintergrund:

Die Familiengeschichte

Die Familie von Gemmingen geht auf ein Rittergeschlecht zurück, das seinen Stammsitz im Ort Gemmingen (Landkreis Heilbronn, Baden-Württemberg) im Kraichgau hatte.

Die seit dem hohen Mittelalter urkundlich belegte Familie zählt zu den verzweigtesten deutschen Adelsgeschlechtern überhaupt.

Erstmals erwähnt wurde der Familienname im Jahr 1259. Im 14. Jahrhundert teilte sich die Familie in zwei heute noch bestehende Stämme, die sich nach ihren am Neckar liegenden Burgen Gemmingen-Guttenberg und Gemmingen-Hornberg nennen.

Ende des 19. Jahrhunderts kam die Familie von Eberhard und Johannes von Gemmingen-Hornberg nach Friedenfels. Der Grund war eine Heirat.

Fritz von Gemmingen-Hornberg (1860-1924) war nämlich mit der Tochter des Industriellen Gustav von Siegle (unter anderem ein Mitbegründer von BASF) verheiratet, aus dessen Besitz der Familie unter anderem die Burgruine Weißenstein und das Schloss Friedenfels in der Oberpfalz zukamen.

Auch die Burgruine Weißenstein im Steinwald befindet sich also im Besitz der Familie. Eberhard von Gemmingen-Hornberg unterstützt bei der Instandhaltung des historischen Bauwerks. Die Burgruine stellt übrigens auch das Motiv des Logos der Brauerei Friedenfels dar.

 

 

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.