10.11.2019 - 12:32 Uhr
FriedenfelsOberpfalz

Mehr Bambis mit Drohnen vor dem Mähtod bewahren

Der Zuspruch ist groß, denn es geht um eine emotionelle Sache: In Friedenfels wird ein Verein zur Kitzrettung gegründet. Jäger, Bauern und Privatleute engagieren sich.

Einige Inteessierte wie Kreisobmann Ely Eibisch und Annette Gleißner (Mitte von links) sowie die Drohnenpiloten Johannes Dötterl und Christian Müller (rechts und links) und einige Privatleute haben sich bereits zur Mitarbeit bereiterklärt. Das freut den Initiator, Eberhard Freiherr von Gemmingen-Hornberg (Zweiter von links).
von Ulla Britta BaumerProfil

Jährlich sterben einige Tausend Kitze durch Landmaschinen. Die Bauern trifft keine Schuld, sie sehen die Tiere nicht. Rehkitze ducken sich bei Gefahr tief ins hohe Gras. Ihr Schutzinstinkt wird zur Todesfalle. Jäger, Bauern und Privatleute aus dem Landkreis wollen dabei nicht mehr zusehen müssen. Gut 15 Leute haben sich zum "Gründertisch Kitzrettung TIR" formiert. "Die Kitze sind praktisch unsichtbar. Man sieht sie erst einen halben Meter davor. Oft läuft man vorbei", erklärt Johannes Dötterl.

Der Drohnenpilot hilft mit seinem Fluggerät seit längerem, Kitze vor der Mahd zu orten. Allerdings könnten zwei Drohnen, die momentan im Einsatz sind, nur einen Bruchteil abdecken. Der Jagdverband sah deshalb dringend Handlungsbedarf, berichtet Kreisvorsitzender Eberhard Freiherr von Gemmingen-Hornberg. Er hat auch Kreisobmann Ely Eibisch ins Boot geholt - und damit den Bauernverband. Eibisch hebt das Interesse der Landwirte hervor: "Keinem gefällt es, ein Kitz zu überfahren." Annette Gleißner hat an einer anstrengenden Kitzrettung ohne Drohnensichtung teilgenommen. "Wir haben ein Tier übersehen", erzählt sie traurig. Eberhard von Gemmingen-Hornberg spricht von der Beteiligung der Jäger, Bauern und Privatpersonen als wichtigen Säulen für den Erfolg. Die Kitzrettung sei aufwendig, kostspielig und arbeitsintensiv.

"Wir bewirtschaften 28 000 Hektar Wiesen", belegt Eibisch die Notwendigkeit zum Handeln. 8000 Hektar würden regelmäßig gemäht. Von Gemmingen-Hornberg erzählt von 25 Kitzen, die in nur zehn Tagen aus Wiesen im Steinwald geholt wurden. Gesucht sind nicht nur weitere Drohnenpiloten, sondern auch Spendenwillige. Schließlich koste eine professionelle Drohne 15 000 Euro, dazu komme die Wärmebildkamera und weiteres Equipment. Die Investitionen würden sich aber lohnen, erklärt Dötterl. Eine Wiese zu Fuß zu durchforsten beanspruche viele Stunden. "Mit der Drohne überfliege ich sie in zwei Minuten." Es gibt viel zu tun für die Kitzretter von Friedenfels bis zum ersten Einsatz. So gilt es, Unterstützer zu finden und die Helfer zu schulen. Interessierte müssen den Drohnenflugschein machen.

Hintergrund:

Vereinsgründung am 22. November

Abspielen werden sich die Rettungsaktionen von Ende April bis Juni. Die Trupps schwärmen in der Morgendämmerung aus oder in der Nacht. Der Einsatz der mit Wärmebildkameras ausgestatteten Drohnen ist bei niedriger Bodentemperatur sinnvoll, damit die Rehe gut sichtbar werden. Meldet die Kamera ein Objekt, muss alles schnell gehen. Helfer müssen in die Wiese und das Kitz hinaustragen. Der Verein „Kitzrettung TIR“ wird am Freitag, 22. November, um 19 Uhr in der „Schlossschenke“ gegründet. Jeder kann unverbindlich dazukommen. Infos für Interessierte und Drohnenpiloten, die sich engagieren wollen, gibt es über die Hotline Kitzrettung, Telefon 0151/26 85 26 59.

Mit professionellen Drohnen, wie sie Christian Müller (links) und Johannes Dötterl (rechts) Eberhard Freiherr von Gemmingen-Hornberg (Mitte) zeigen, sollen in Zukunft mehr Rehkinder vor einem grausamen Tod in der Wiese bewahrt werden.
Johannes Dötterl gibt bekannt, dass er ab sofort die Kitzortung mit seiner Drohne über den Verein "Kitzrettung TIR" betreuen werde.
Christian Müller, 18 Jahre jung, ist der zweite Drohnenpilot, der sich für den neuen Verein engagieren möchte.
Johannes Dötterl erklärt den Stammtisch-Mitgliedern die Technik seines Fluggerätes.

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