22.08.2019 - 10:34 Uhr
FriedenfelsOberpfalz

Die Tanne als Fichtenersatz?

In Bayern wächst auf einem Drittel der Landesfläche Wald. Und der ist angesichts des Klimawandels bedroht. Was man im Steinwald dagegen tut, zeigt eine Exkursion mit Revierförster Wolfgang Schödel.

Inmitten der Natur erläuterte Revierförster Wolfgang Schödel (rechts) bei einer Exkursion die Chancen und Herausforderungen der Tanne als Fichtenersatz.
von Redaktion ONETZProfil

Der Bund Naturschutz veranstaltete gemeinsam mit dem Naturpark Steinwald eine Exkursion zum Thema "Die Tanne im Steinwald – als Fichtenersatz im Zeichen der Klimaerwärmung" mit Revierförster Wolfgang Schödel. Auch die Geschäftsstellenleiterin der Kreisgruppe Tirschenreuth des Bund Naturschutz Ursula Schimmel sowie Kräuterführerin und Architektin Cornelia Müller nahmen an der Begehung teil. Müller informierte die Wandergruppe dabei unter anderem über die Rolle von Fichten und Tannen im Wohnraum, beim Essen und als Mittel gegen Erkrankungen.

Zu Beginn der Begehung, die an der Glasschleif in Arnoldsreuth bei Pullenreuth startete, sprach Schödel zunächst über den Klimawandel im Allgemeinen. Dabei warf er mithilfe einiger Landkarten und Statistiken nicht nur einen Blick auf den Steinwald, sondern auch auf die weltweite Klima-Situation. Demnach steigen die Temperaturen in Deutschland nicht nur schneller als in anderen europäischen Ländern an, sondern auch rasanter als im weltweiten Durchschnitt. Es sei jedoch nicht das erste Mal, dass der Wald in Gefahr sei. "Bereits in den 1980er Jahren wurde der Wald durch Schadstoffe in der Luft stark beschädigt." Das Waldsterben habe damals durch die Verwendung von Schadstoff-Filtern aufgehalten werden können. In der heutigen Situation müsse man allerdings mehr unternehmen, "eine einfache Lösung gibt es nicht".

Ein mit dem Klimawandel einhergehendes Problem ist die Trockenheit, die den Bäumen zusetzt. Anders als in den vergangenen Jahren habe es heuer weniger Niederschlag im Steinwald gegeben als in den Waldgebieten in der Umgebung. Dafür entdeckt man auch als Spaziergänger bereits Anzeichen im Wald, wie etwa fast ausgetrocknete Bachläufe an Stellen, an denen noch vor kurzer Zeit rauschendes Wasser zu finden war.

Wie sich die Niederschläge in Zukunft entwickeln sei unklar. Doch auch wenn der Niederschlag in nächster Zeit gleich bleiben würde, entstehe durch die Klimaerwärmung weitere Trockenheit. Allerdings müsse man die Situation in jeder Region etwas anders beurteilen, da die Regenfälle zum Beispiel im Süden Bayerns eher zugenommen hätten.

Angesichts der Hitzewellen hofften einige Menschen darauf, dass es bald überflüssig sein werde, im Urlaub in den Süden zu fahren. In Bayern sei "Mittelmeerklima" aber unwahrscheinlich. "Ja, das Klima ändert sich, aber unsere geografische Lage bleibt gleich", fasste Schödel zusammen. Konkret bedeutet das laut dem Revierförster, dass die Tage mit gemäßigten Temperaturen seltener werden. Die, an denen extreme Hitze herrscht, würden hingegen mehr. "Trotzdem gibt es weiterhin kalte Perioden in der Region. Für den Wald heißt das, dass die Bäume weiterhin mit niedrigen Temperaturen zurecht kommen, aber gleichzeitig auch sehr heißen Phasen trotzen müssen."

Die fehlende Hitzebeständigkeit der Fichten sei deshalb ein Problem. Hinzu komme die Bedrohung der Baumbestände durch den Borkenkäfer und den Schwammspinner. Deshalb stellt sich die Frage nach möglichen Alternativen zur Fichte. Der Wald müsse umstrukturiert werden, "doch ein Waldumbau ist nicht von heute auf morgen möglich", erklärte Schödel. Man müsse "in Generationen denken". Der Fokus der Förster liege nun auf der Tanne, ihre Anzahl soll in den nächsten Jahren vergrößert werden. Vorteilhaft an dem Nadelbaum ist, dass er als sogenannter Pfahlwurzler auch aus tieferen Erdschichten Wasser ziehen kann, da seine Wurzeln weiter nach unten reichen. Die Wurzeln der Fichte wachsen hingegen näher an der Oberfläche, weswegen es für sie nur schwer möglich ist, in trockenen Perioden Flüssigkeit aus dem dürren Boden zu gewinnen. Hinzu kommt, dass die Tanne bis zu doppelt so alt wie die Fichte werden kann. Außerdem sei ihr Holz insgesamt beständiger als das der Fichte.

Da die Tannen jedoch nur ein Prozent des Altbestandes im Steinwald ausmachen, müssen die Zuständigen viele neue Tannen setzen. Revierförster Wolfgang Schödel selbst hat bereits Tausende Exemplare in der Umgebung gepflanzt. Ziel ist es, die Natur durch viele kleine Pflanzen zu verjüngen. Problematisch für das Wachstum der Bäume sei jedoch das Rotwild. Besonders an jüngeren Pflanzen bedienten sich Rehböcke gerne. Ein nicht-chemischer Biss-Schutz mit kleinen Spitzen aus Plastik soll die Tiere davon abhalten, zu viele der kleinen Tannen anzugreifen. "Etwas Verbiss lässt sich nicht verhindern, macht aber auch nicht viel aus, solange der Schaden sich in Grenzen hält", sagte Schödel. Man könne nicht erwarten, dass alle Tannen unbeschadet bleiben, jedoch sei es wichtig, den Wildbestand mithilfe der Jäger so unter Kontrolle zu halten, "dass das Projekt nicht scheitern muss".

Doch ist die Tanne wirklich die einzige Lösung? Bei ihrer Exkursion durch den Steinwald stießen die Wanderer auch auf Douglasien. Die aus den USA stammende Baumart zeichnet sich durch ihre große genetische Vielfalt aus. Sowohl in kalten, trockenen als auch in warmen Küstenregionen könne sie bestehen. Die Anpassungsfähigkeit der Douglasie an das Klima ist zwar vorteilhaft, aber es sei trotzdem nicht leicht, die Pflanze in der Region großflächiger einzusetzen. Das liege unter anderem daran, dass nicht viele der Douglasien so lange bestehen können, bis sie hochgewachsen sind. Der Wildverbiss sei auch hier eine Gefahr. Da die Baumart nach Zitrone duftet, sei sie für die Tiere sogar noch attraktiver als die Tanne, erläuterte Kräuterführerin Cornelia Müller.

Im Steinwald biete sich die Tanne als Fichtenalternative insgesamt also gut an. Da es jedoch viele verschiedene Faktoren gibt, die die Natur beeinflussen, könne man nur schwer kalkulieren, wie sich der Wald in Zukunft entwickelt. Deswegen sei es besonders wichtig, nicht nur auf eine einzelne Baumart zu setzen. Man könne nicht vorhersehen, welche Insekten, Pilze oder Wetterbedingungen der Natur in nächster Zeit zu schaffen machen werden. "Um für mehrere Eventualitäten gewappnet zu sein, sollte man deshalb mindestens vier verschiedene Arten von Bäumen relativ großflächig ansiedeln", so Schödel.

Diese Vorrichtung aus blauem Kunststoff soll die jungen Tannen vor Verbiss schützen.
Vorteilhaft an der Tanne ist, dass sie als sogenannter Pfahlwurzler auch aus tieferen Erdschichten Wasser ziehen kann.

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