Friedenfels
20.10.2019 - 15:33 Uhr

Eine Veranstaltung, wie sie im Buche steht

Es war der versprochene gemütliche Abend zum Zuhören, Lachen, Schmökern und zum Gedankenaustausch. Die Steinwald-Bücherei erfreut die Besucher bei dem dritten Wein-Lese-Abend.

Glückwünsche zum dritten Wein-Lese-Abend überbrachte auch Bürgermeister Gottfried Härtl (links). Er dankte den Autoren Reinhard Stummreiter und Dieter Schraml (von rechts) sowie Gudrun Müller (Dritte von links) für ihre ausgezeichneten Darbietungen. Sein Dank galt aber auch dem Büchereiteam mit Monika Seidel (Zweite von links) und Gabi Härtl (Dritte von rechts) für die Vorbereitungen und Organisation des Abends. Bild: bsc
Glückwünsche zum dritten Wein-Lese-Abend überbrachte auch Bürgermeister Gottfried Härtl (links). Er dankte den Autoren Reinhard Stummreiter und Dieter Schraml (von rechts) sowie Gudrun Müller (Dritte von links) für ihre ausgezeichneten Darbietungen. Sein Dank galt aber auch dem Büchereiteam mit Monika Seidel (Zweite von links) und Gabi Härtl (Dritte von rechts) für die Vorbereitungen und Organisation des Abends.

Das Büchereiteam hatte nicht zu viel versprochen: Der Wein-Lese-Abend war eine gemütliche Veranstaltung zum Zuhören, Lachen und Schmökern. Ein Erfolgsgarant waren auch diesmal Autoren, die zu Besuch waren.

Zum dritten Mal lud die Steinwald-Bücherei zu diesem Wein-Lese-Abend ein. Mit Dieter Schraml und Reinhard Stummreiter aus Friedenfels sowie Gudrun Müller aus Tirschenreuth setzten Büchereileiterin Monika Seidel und ihre Stellvertreterin Gabi Härtl wieder auf lokale Autoren. Das kam bei den Besuchern an. Sie lehnten sich bei einem Glas Wein zurück und lauschten fasziniert den Geschichten der drei Vorleser.

Schulweg einst und jetzt

Ein Stimmungsbild von den Schulwegen der Schüler rund um den Steinwald - früher und heute - zeichnete Dieter Schraml. "Heutige Schulwege sind perfektioniert, bestens organisiert mit geringem Spielraum und so wird man wohl wenig Erzählenswertes über sie finden können. Die Schüler werden möglichst nahe der Wohnung abgeholt, zur Schule gefahren, dort abgeholt und wieder zu Hause abgegeben. Sicherung und Betreuung allenthalben, notfalls ruft die besorgte Mama an und fragt nach dem Befinden."

Früher sei dies ganz anders gewesen. Dieter Schraml: "Meine Urgroßmutter aus Wäldern, Jahrgang 1871, erzählte mir oft von ihrem Schulweg, der die Armut der Bevölkerung zu dieser Zeit im Steinwald nicht eindringlicher beschreiben hätte können. Die Kinder wurden in den damals wirklich harten Wintern mit einer heißen Kartoffel auf den langen, tief verschneiten Fußweg zur Schule geschickt. Dieser heiße Erdäpfel sollte die dürftig bekleideten Schüler wärmen und diente erkaltet in der Pause als Schulspeisung. Als Schuhwerk trugen die meisten Kinder "Hulzbaoussa", eine Art primitive Clogs: an ein grob geschnitztes, dickeres Holzbrett als Sohle war schuhförmig Leder genagelt. Auch an seine eigene Schulzeit erinnerte der Friedenfelser, als es noch keinen ÖPNV gab, er aber dennoch täglich von Friedenfels nach Weiden ins Kepler-Gymnasium kommen musste. An das damals schwierige Unterfangen, das die Schüler oft per Anhalter meisterten, konnten sich zahlreiche Zuhörer noch selbst erinnern.

Seine kalorienreiche Lebensgeschichte präsentierte Reinhard Stummreiter. Die Kultfigur der "Altneihauser Feierwehrkapell'n" begeisterte mit einer 20-minütigen Lesung aus seinen Buch "Meine fetten Jahre sind vorbei".

"Die fetten Jahre"

Trotz des Ernstes der Lage mussten viele Büchereibesucher lachen, als er von seiner Magen-Operation berichtete, bei der er zu schwer für die Liege war. "Nachdem vermutlich ein Schalter des Antriebs der OP-Liege defekt war, wurde umgehend ein anderes Bett gebracht, das mich in die richtige Position zum Operieren bringen sollte. Die beiden vorhergehenden, für meine Verhältnisse geradezu akrobatischen Versuche, auf die Liege zu gelangen, hatten mich angestrengt, und so war ich froh über die Hilfe von zwei Männern, die mich mit vereinten Kräften auf den OP-Tisch schoben, hoben, zogen. So, jetzt fahre ich Sie hoch, nicht erschrecken, sagte die Frau, die genau das gerade eben schon zu mir gesagt hatte. Sie drückte auf einen Knopf - nichts geschah. Eine andere drückte, viele andere drückten - der Tisch bewegte sich keinen Zentimeter . . .", schilderte Stummreiter seine Erlebnisse. Es war einfach köstlich zuzuhören, wie der Friedenfelser die Diskussionen und das Stimmengewirr rund um den OP-Tisch schilderte, das schließlich darin mündete, dass mit einem Knall die Tür aufgestoßen wurde und "etwas zu Boden krachte". Der Krach entpuppte sich als die Werkzeugkiste einer zierlichen Frau mit langem, blondem Zopf. "Der bleede scheiß Abbarad" fluchte sie zur Begrüßung. "Ein Hammerschlag auf das Metallgestell beendete schließlich den Defekt", witzelte Reinhard Stummreiter.

Wanderung auf Goldsteig

Begebenheiten, die sie 2015 bei einer Wanderung auf dem Goldsteig von Marktredwitz nach Bayerisch Eisenstein gesammelt hat, vermischte Gudrun Müller aus Tirschenreuth mit Fantasien. Daraus entstanden ihre Goldsteignovellen im Buch "Maggies Goldschatz". Die eigenwillige Münchnerin Maggie begegnet darin mitten im Oberpfälzer Urwald in einem Mittelalterdorf einer seltsamen alten Frau. Diese sagt ihr voraus, dass sie auf einer Wanderung Gold finden werde. In der Wildheit der Natur vermischen sich Erinnerungen mit abenteuerlichen Begegnungen, die Maggies Leben von Grund auf verändern. Schließlich findet sie am Arber-Gipfel einen ungewöhnlichen Schatz.

Gudrun Müller, Dieter Schraml und Reinhard Stummreiter erhielten am Ende des dritten "Wein-Lese-Abends" einen gemeinsamen großen Applaus. Die Besucher dankten Monika Seidel und Gabi Härtl vom Büchereiteam für einen gelungen Abend und manch einer versprach dabei, auch mal zu den normalen Öffnungszeiten vorbeizuschauen.

 
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