20.05.2021 - 15:06 Uhr
FriedenfelsOberpfalz

Weiteres Schmuckstück für den Friedenfelser Schlossberg

Von Stillstand oder Ausruhen kann im Erholungsort keine Rede sein. Der Schlossberg in Friedenfels erfährt mit einer großen Baumaßnahme eine weitere Aufwertung. Die Pläne waren Thema im Gemeinderat.

Das ehemalige Lehrerwohnhaus (Bild) soll zum neuen Friedenfelser Rathaus umgebaut werden. Den Planentwürfen des Architekturbüros Hilgarth stimmte der Gemeinderat zu.
von Bernhard SchultesProfil

Das Hauptaugenmerk in der Gemeinderatssitzung am Mittwoch lag auf der beabsichtigten Sanierung des leerstehenden und maroden früheren Lehrerwohnhauses. Einstimmig befürwortete das Gremium die Ausarbeitungen des Architekturbüros Hilgarth, nachdem Peter Hilgarth und Kristina Kulicke die Planungen zum Umbau in das künftige neue Rathaus detailliert und ausführlich vorgestellt hatten.

„Man sollte die Vorstellung erst einmal sacken lassen.“

Lisa Rauh (Grüne/Bündnis 90)

Die zunächst angedachte sofortige Weitergabe der Planunterlagen zur Genehmigung durch das Landratsamt Tirschenreuth wurde jedoch um vier Wochen vertagt. Lisa Rauh (Grüne/Bündnis 90) wollte diese Bedenkzeit. „Man sollte die Vorstellung erst einmal sacken lassen“, meinte die Fraktionssprecherin. Diesem Antrag stimmten ihr Fraktionskollege Karl Zeh und die gesamte CSU-Fraktion zu. Das Abstimmungsergebnis 7:6 akzeptierte Bürgermeister Oskar Schuster, obwohl er der Meinung war, „dass bereits ausgiebig über das Vorhaben diskutiert, gesprochen und umfassend aufgeklärt wurde. Entscheiden müssen wir jetzt oder in vier Wochen, ändern wird sich an dem Vorhaben dadurch nichts.“

2,5 Millionen Euro

Der Dank von Bürgermeister Oskar Schuster und des Gemeinderates galt dem Architekturbüro Hilgarth. Peter Hilgarth präsentierte an der großen Leinwand in der Steinwaldhalle das 2,5 Millionen Euro teure Großprojekt mit einer umfassenden Maßnahmenbeschreibung. Diese reichte vom Abbruch des angrenzenden Garagengebäudes, dem Freimachen des Baugeländes, der Rodung der bestehenden Bepflanzung bis hin zum Rückbau der Außenanlagen.

Historische Innentüren

Als eine kleine Herausforderung bezeichnete der erfahrene Architekt die auferlegte denkmalschutzgerechte Generalsanierung. „Da das Gebäude in verschiedenen Zeitepochen - die Aufstockung des Obergeschosses erfolgte viele Jahre später - errichtet wurde, muss die ursprüngliche Fassadengestaltung wieder hergestellt werden. Während im Erdgeschoss zur damaligen Zeit Rundbogenfenster und eine Rundbogeneingangstür verbaut waren, hatte das Obergeschoss zweiteilige Fenster und Sprossen.“ Dem Denkmalschutz unterliegen laut Architekt Peter Hilgarth auch die Rekonstruktion der historischen Granitgewände, die Aufbereitung der historischen Innentüren, Zargen und Treppen sowie die Eindeckung des Daches mit einer Biberschwanz-Doppeldeckung.“

"Dieser Sitzungssaal kann auch für viele weitere Veranstaltungen sowie von Vereinen genutzt werden."

Architekt Peter Hilgarth

Dem im Gebäude auftretenden Radon will der Architekt mit einer Hinterlüftung der Bodenplatte begegnen. Einen neuen Zugang nach außen erhält der vorhandene Gewölbekeller. Die Raumstruktur wird bei der Sanierung und dem Umbau an die künftige Nutzung angepasst. Peter Hilgarth: „Beachtet wurde auch eine entsprechende Gestaltung zur Barrierefreiheit. Ausgestattet wird das künftige Rathaus mit einem Aufzug sowie einem barrierefreien WC. Zur Modernisierung des Gebäudes gehören die Dämmung des Dachraums, ein Wärmedämmputz, entsprechende Fenster sowie eine Niedertemperaturheizung mit Anschluss an die vorhandene Nahwärmeversorgung.“

Erweiterungsbau

Ein besonderer Blickfang werde künftig ein Erweiterungs-Neubau. Peter Hilgarth: „Angebaut wird ein zusätzlicher Sitzungssaal mit barrierefreiem Zugang von außen. Dieser Sitzungssaal kann auch für viele weitere Veranstaltungen sowie von Vereinen genutzt werden. Durch ein Schiebetor im Bestandsbau wird eine Abgrenzung zu den Büroräumen hergestellt." Der durch die Baumaßnahme entstehende neue Innenhof könne auch durch die angrenzende Grundschule genutzt werden. Sitzgelegenheiten auf Bänken und Sitzstufen würden geschaffen.

"Stilvoll und schön endeten all die Maßnahmen und machten den Schlossberg zu dem, wie er sich heute zeigt."

Eberhard Freiherr von Gemmingen-Hornberg (CSU)

Bewusst war den Gemeinderäten nach den Ausführungen von Peter Hilgarth, dass die Auflagen des Denkmalschutzes erfüllt werden müssen - trotz des finanziellen Mehraufwandes. Eberhard Freiherr von Gemmingen-Hornberg (CSU) gab aber zu bedenken, dass der Denkmalschutz auch eine Bereicherung sein könne. „Bei allen Sanierungen und Baumaßnahmen rund um den Schlossberg musste ich ebenfalls diese Auflagen einhalten und erfüllen. Stilvoll und schön endeten all die Maßnahmen und machten den Schlossberg zu dem, wie er sich heute zeigt und präsentiert.“

Einsparpotenzial sah Karl Zeh (Grüne/Bündnis 90) im vorgesehenen Erweiterungsanbau, war sich jedoch genauso wie Architekt Peter Hilgarth bewusst, dass ein Sitzungssaal zu einem Rathaus gehört. Da aus der finanziellen Aufschlüsselung des Architekturbüros die alleinigen Kosten hierfür nicht ersichtlich waren, versprach Peter Hilgarth, diese umgehend der Gemeindeverwaltung zu übermitteln.

Diskussionen gibt es aktuell zum möglichen Abrechnungsmodus für die neue Schilfkläranlage in Friedenfels

Friedenfels
Zur denkmalschutzgerechten Generalsanierung gehören auch Rundbogenfenster im Erdgeschoss mit Rekonstruktion der historischen Granitgewände. Deutlich erkennbar ist aus der Ostansicht im linken Bereich der Erweiterungs-Neubau mit integriertem Sitzungssaal.

 

 

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