09.05.2019 - 11:42 Uhr
Oberpfalz

Früher war nicht alles besser

Wünschen Sie sich auch manchmal die guten, alten Zeiten zurück? Warum? Uns geht es so gut wie nie zuvor. Tappen Sie nicht in die Nostalgiefalle, rät die OWZ-Glücksexpertin. Genießen Sie das Hier und Jetzt.

Warum haben wir meistens eine rosarote Brille auf, wenn wir an vergangene Zeiten denken?
von Autor EWAProfil

"Früher hat man noch miteinander geredet und nicht immer in sein Handy gestarrt." "Früher hatten wir noch viel mehr Zeit." "Früher hat man sich auf den Straßen noch sicher gefühlt." "Früher waren die Leute viel zufriedener." "Früher hat noch ein Gehalt gereicht, um als Familie gut über die Runden zu kommen." "Früher gingen die Kinder noch raus zum Spielen." "Früher hielten die Ehen noch ein Leben lang." "Früher waren wir alle doch sowieso viel glücklicher."

Seien Sie ehrlich: Könnte eine dieser Aussagen von Ihnen stammen? Denken Sie auch manchmal, dass früher alles besser war? Träumen Sie von der guten, alten Zeit und wünschen Sie sich diese öfter einmal zurück? Dann erlauben Sie bitte, dass ich Sie in die Realität zurückhole und aus der Nostalgiefalle, in der wir alle so gerne tappen, befreie.

Tatsache ist: Uns geht es hierzulande so gut wie nie zuvor. Wir leben länger, sind gesünder, verdienen mehr, reisen mehr, haben eine bessere Bildung, arbeiten meistens in dem Beruf, den wir uns ausgesucht haben, lassen uns unser Lieblingsessen frei Haus liefern, fahren elektrisch Rad und besitzen sogar atmungsaktive Klamotten. Die Kriminalitätsrate ist gesunken - und wenn doch einmal ein Verbrechen geschieht, wird dieses meistens aufgeklärt.

Flugreisen und Kreuzfahrten können sich längst nicht mehr nur Millionäre leisten, wir Frauen dürfen nun auch ohne Einverständnis unseres Ehemannes ein Konto eröffnen oder einen Beruf ausüben, es herrscht Frieden, die meisten von uns wissen gar nicht mehr, wie es sich anfühlt, wenn man wirklich Hunger hat. Meistens essen wir dann, wenn wir Lust darauf haben - und das, was uns schmeckt.

Warum denken also so viele von uns dennoch immer wieder, dass früher alles besser war? Warum haben wir meistens eine rosarote Brille auf, wenn wir an vergangene Zeiten denken? Wissenschaftler sprechen dabei von einer "rosige-Vergangenheits-Verzerrung". Statistik-Experte Hans Rosling, einer der Autoren des Buches "Factfulness. Wie wir lernen, die Welt zu sehen, wie sie wirklich ist", hat 12 000 Personen zu der These "Früher war alles besser" befragt - und war überrascht von der wachsenden Kluft zwischen Realität und subjektivem Empfinden.

Als Grund sieht er die allgemeine pessimistische Haltung vieler Menschen, die einfach den Glauben an den Fortschritt der Menschheit nicht zulasse. Dabei liegen sie übrigens absolut falsch, ein bisschen mehr Optimismus würde also nicht schaden.

Nicht umsonst sagte Schauspieler und Schriftsteller Sir Peter Alexander Ustinov: "Jetzt sind die guten alten Zeiten, nach denen wir uns in zehn Jahren zurücksehnen." Genießen Sie also genau diesen Moment - und verschwenden Sie ihn nicht damit, zu denken, früher sei alles besser gewesen. (ewa)

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