18.06.2018 - 19:50 Uhr
Oberpfalz

Frühes Rüstungszentrum Oberpfalz

Neueste archäologische Grabungen weisen Eisenverarbeitung ab dem achten Jahrhundert im Landkreis Amberg-Sulzbach nach.

Bei einem Schulprojekt der Volksschule Ammersricht im Jahr 2009 hat man einen funktionierenden Rennofen nachgebaut.

Jeder Grundschüler in Amberg kann den Spruch „Die Oberpfalz war das Ruhrgebiet des Mittelalters“ herunterbeten. Doch erst aktuelle Grabungen des Archäologen Dr. Mathias Hensch konnten jetzt die Frühgeschichte der Eisenverarbeitung aufklären. Denn die reicht viel weiter zurück als es die schriftlichen Quellen bestätigen. Sie beginnen erst im 13. und 14. Jahrhundert. Die Grabungen belegen aber Eisenverarbeitung schon ab dem achten Jahrhundert.

Und mehr noch: „Es gab auch Weiterverarbeitung.“ So macht auch ein bekanntes Gesetz Sinn, das die Ausfuhr von Schwertern verbot. Ein „dichtes Kontrollnetz“ verhinderte die ungehinderten Rüstungsexporte. Der Ort „Breemberga“, das heutige Premberg an der Naab, sei offenbar so eine Kontrollstation gewesen. Doch warum war gerade die Oberpfalz so ein Rüstungszentrum? Da kam einiges zusammen: Zuerst natürlich die Eisenerz-Vorkommen, die man ursprünglich im Tagebau aufklauben konnte.

Zur Erzverhüttung, also der Gewinnung des reinen Metalls aus dem Erz, braucht man aber noch mehr. Vor allem ein „Reduktionsmittel“, das das Erz auf seinen wesentlichen Bestandteil, nämlich das elementare Metall, reduziert. Daher kommt auch der Name „Reduktion“ in der Metallurgie und der Chemie. Zuerst nahm man Holzkohle als Reduktionsmittel. Holzkohle wird durch trockene Destillation von Holz gewonnen, so dass am Ende ziemlich reiner Kohlenstoff übrig bleibt.

Der wiederum kann dem Eisenerz den Sauerstoff entreißen, so dass aus dem Eisenoxid (es gibt auch andere Erzarten) Eisen entsteht. In der waldreichen, heutigen Oberpfalz gab es genug Holzvorrat, so dass überall die Holzkohlenmeiler brannten. „Es muss sie zu Tausenden gegeben haben“, so Dr. Mathias Hensch.

In kleinen Rennöfen zerrann das Erz zusammen mit der Holzkohle zu einem noch stark mit Schlacke verunreinigten Vorprodukt namens „Luppe“. Um das reine Roheisen aus der Luppe mechanisch auszutreiben, brauchte man die Wasserkraft. An vielen Flüssen der Region baute man Eisenhämmer, die das taten.

Im Altstadtgebiet von Amberg, aktuell auch im Baugebiet Drillingsfeld und in Kümmersbruck fand Hensch in den vergangenen Jahren eindeutige Hinweise auf diese frühe Verhüttungstätigkeit. So zum Beispiel Schlackenreste oder tönerne Düsen, die man zum Einblasen von Luft mittels Blasebalgen in die Rennöfen brauchte.

An Holzresten der dortigen Bauwerke ermittelte man mit der Radiocarbonmethode (siehe Infokasten) das Alter dieser frühen Anlagen auf das 7. bis 8. Jahrhundert. Kein Wunder, dass alte Ortsnamen noch heute darauf hinweisen, so Schmidmühlen, schlicht „Mühle des Schmieds“. (moh)

Dr. Mathias Hensch zeigt Dr. Silvia Codreanu-Windauer vom Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege seine Funde.

Der Rest eines Düsenziegels. Deutlich erkennt man den Kanal, mit dem Luft in den Rennofen geblasen wurde.

Info:

Radiocarbonmethode

Mit der Radiocarbonmethode, auch C-14-Methode genannt, lässt sich das Alter organischer Funde mit einer Genauigkeit von etwa 40 Jahren bestimmen. Das radioaktive Kohlenstoff-Isotop C 14 entsteht in der äußeren Atmosphäre durch Einwirkung kosmischer Strahlung aus Stickstoff. In einem bestimmten Anteil wird C 14 auch bei der Photosynthese in Pflanzen eingebaut. Stirbt die Pflanze ab, zerfällt das C 14 mit einer Halbwertszeit von 5730 Jahren.

Durch Messung der Anzahl der bereits zerfallenen C-14-Atome lässt sich das Alter bis zu 60 000 Jahre zurück bestimmen. (moh)

Der Magnet beweist, dass die gewonnene Luppe einen hohen Eisenanteil hat.

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