31.07.2020 - 11:12 Uhr
FuchsmühlOberpfalz

Fichtensterben im "gesunden Wald"

Ein Fahrzeug-Konvoi schlängelt sich über verwinkelte Pfade durch den Steinwald. Die Durchfahrt hat der Förster erlaubt. Die Teilnehmer erfahren auf einer Info-Tour der Frauen-Union Wiesau viel über den heimischen Wald.

Organisiert hat Exkursion, die die FU Wiesau durch den Steinwald führte, Rita Korb (Fünfte von links). Fachmännisch begleitet wurden die Teilnehmer von Revierförster Eckhard Deutschländer (Dritter von links).
von Werner RoblProfil

Geplant und organisiert wurde die dreistündige Forst-Exkursion von der stellvertretenden FU-Vorsitzenden Rita Korb und Mitstreiterinnen von der Wiesauer Frauen-Union. Den Fuchsmühler Wald und dessen „wunde Punkte“ erklärte der zuständige Revierförster des Augsburger Forstamtes, Eckhard Deutschländer. Als geeigneten Treffpunkt empfahl er ein, wie aber nur die Teilnehmer glaubten, „gesundes“ Waldstück bei Herzogöd.

Dem vermeintlichen „gesund“ widersprach Deutschländer sofort. Anhand abgestorbener Fichten führte er die Problem- und Schadenstellen hier und in anderen Revierteilen deutlich vor Augen. „Die Nadelbäume wachsen seit drei Jahren bereits auf einem viel zu trockenen Basaltuntergrund mit dünner Bodenentwicklung“, beschrieb Förster Deutschländer die bei Herzogöd vorhandenen Nachteile beim Wasserhaushalt. Er sprach von mangelnder Vorratsspeicherung in den flachen Gesteinsschichten. Als einen „großen Nachteil“ beschrieb der Förster zudem die Konkurrenz zu tiefer wurzelnden Laubbäumen, die laut Deutschländer den Nadelbäumen die Flüssigkeit rauben.

Die Nadelbäume wachsen seit drei Jahren auf einem viel zu trockenen Basaltuntergrund.

Förster Eckhard Deutschländer

Geschwächt von der Trockenheit seien die Fichten auch anfällig für Pilz- und Borkenkäferbefall. Problemstellen seien die Rinden. Deutschländer sprach von einer „explosionsartigen“ Schädlingsvermehrung, die sich danach an anderen Fichten fortsetze. Eckhard Deutschländer rechnete vor: „Im Extremfall können sich in vier Generationen, und das innerhalb eines Jahres, bis zu einer Viertelmillion Jungkäfer entwickeln.“

Wie Deutschländer weiter ausführte, habe man auf rund 300 Hektar Forstfläche in kürzester Zeit ein Drittel des Vorrates an Nutzholz verloren. Der Förster erinnerte an die großen Schadholzmengen, die voriges Jahr „schlagartig“ aus dem Wald abtransportiert wurden, um ein Übergreifen des Borkenkäfers auf weitere Areale zu verhindern. „Der Markt Wiesau, mit Bürgermeister Toni Dutz, hat diese Waldschutzmaßnahme vorbildlich unterstützt und den Festplatz als Zwischenlager zur Verfügung gestellt“, bedankte sich Deutschländer im Nachhinein bei der Nachbar-Marktgemeinde. Lagerflächen stellte auch der Markt Fuchsmühl zur Verfügung.

Bericht über die Holz-Zwischenlagerung in Wiesau

Wiesau

Schwierig sei es, die richtige Baumartenwahl für die späteren Jahre zu treffen, gestand der Forstleiter an anderer Stelle seines Referates. „Die rettende Patentbaumart der Zukunft gibt es leider nicht“, bedauerte der Fachmann. Eine Schlüsselfunktion komme der Baumarten-Vielfalt zu, die den betroffenen Waldgebieten vielleicht eine Chance geben könnte. „Falls bestimmte Baumarten – wie zurzeit teilweise Fichten-, Eschen-, Erlen-, Buchen- und Ahornbestände – wegbrechen, können andere Sorten die tragenden Funktionen des Ökosystems Wald übernehmen“, informierte Deutschländer. Auf stabilen Standorten genüge die Rückbesinnung auf das Spektrum der heimischen Baumartenpalette. Offen sein müsse man aber für fremdländische, hitzetolerante Baumsorten, die an wechselfeuchten Standorten gepflanzt werden, fasste Revierförster Eckhard Deutschländer zusammen.

„Es wurde klargestellt, dass unser Wald kein ausschließlich der Natur überlassenes Biotop darstellt, sondern dass der Wald eine aktive, pflegende, aber auch schützende Hand benötigt, damit noch spätere Generationen die Produkte des Waldes zur Verfügung haben“, resümierte Zweite FU-Vorsitzende Rita Korb. „Uns ist es wichtig, den Bezug zu unserer Heimat mit ihrer Natur herauszustellen“ ergänzte Korb und bedankte sich bei Eckhard Deutschländer mit einem Präsent für die – so wörtlich – „gelungene Veranstaltung“. Mit Blick auf die Frauen-Union stellte Korb heraus, dass man nicht nur informativ tätig sei, sondern auch aktiv gemeinnützige und soziale Arbeit leiste. In diesem Zusammenhang erinnerte Rita Korb an die Unterstützung der besonders in der Coronazeit belasteten Wiesauer Familien mit schwerstkranken Kindern, denen man durch Tankgutscheine geholfen habe.

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