28.10.2020 - 16:26 Uhr
FuchsmühlOberpfalz

Marmelade und Walnussöl locken Gartenschläfer im Naturpark Steinwald an

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Um herauszufinden, warum es immer weniger Gartenschläfer gibt, nimmt der Naturpark Steinwald an einem Artenschutzprojekt teil. Angelockt werden die Tiere mit Erdbeermarmelade und Walnussöl.

Erkennen kann man den Gartenschläfer an seiner auffälligen schwarzen Augenbinde („Zorro-Maske“), den großen Ohren, seinem rotbraun-grau-gefärbten Fell mit weißen Flanken sowie an seiner weißen Unterseite.
von Katrin Pasieka-Zapf Kontakt Profil

Die Population der Gartenschläfer ist in den vergangenen 30 Jahren um 50 Prozent zurückgegangen – keiner weiß warum. Zeit also, die Bestände im Steinwald zu erfassen und mehr über den kleinen Verwandten des Siebenschläfers herauszufinden. Die ersten Ergebnisse begeistern Naturpark-Ranger Jonas Ständer: An 17 verschiedenen Standorten im Steinwald hat er mit seiner Kollegin Marie Wittmann Nachweise von Gartenschläfern gefunden.

„Wir nehmen am Monitoring-Projekt ,Spurensuche Gartenschläfer' vom Bund Naturschutz teil“, erklärt Ständer. In Deutschland kommt der Gartenschläfer in sehr unterschiedlichen Lebensräumen vor. Im Südwesten in Gärten, Obstplantagen oder Weinbergen, bei uns vor allem in den kühlen Hochlagen der Mittelgebirge. Trotz dieser Anpassungsfähigkeit ist er in vielen Regionen bereits verschwunden.

„Das Projekt wird zusammen mit der Senckenberg-Gesellschaft und der Universität Gießen durchgeführt“, erklärt Ständer. Bis 2024 sollen so die Ursachen und das Ausmaß des Verschwindens untersucht werden. Aus den Erkenntnissen werden dann konkrete Schutzmaßnahmen entwickelt. Gartenschläfer gehören wie Siebenschläfer und Haselmäuse zu den Schlafmäusen.

Walnussöl als Lockmittel

Um zu erfahren, wie man den Gartenschläfern auf die Schliche kommt, trafen sich Ständer und seine Kollegin zu Beginn des Jahres mit den Rangern aus dem angrenzenden Naturpark Fichtelgebirge. Dort werden die Tiere bereits seit mehr als 50 Jahren von Privatpersonen, seit zehn Jahren vom Naturpark beobachtet. „Von den Kollegen haben wir erfahren, wie wir die Tiere am besten zu den Fotofallen locken können“, erzählt Ständer. Die Ranger aus dem Fichtelgebirge hatten einen ganz besonderen Tipp: Walnussöl und Erdbeermarmelade. Äste und Bäume vor den Wildtierkameras wurden mit einer hauchdünnen Schicht Marmelade bestrichen. Das Walnussöl träufelten die Ranger auf Moos, Blätter und Zweige.

Lange ließen die 10 bis 17 Zentimeter großen Tiere nicht auf sich warten: Schon nach ein paar Tagen, sendeten die Kameras erste Bilder auf das Smartphone von Jonas Ständer. Gartenschläfer erkennt man an ihrer auffälligen schwarzen Kopfzeichnung, die wie eine „Zorro-Maske“ aussieht. Das Fell ist rotbraun-grau gefärbt, an den Flanken und der Unterseite sind sie weiß. Über zwei Bilder freuen sich die Naturpark-Ranger besonders: Auf einer Nachtaufnahme sind zwei Gartenschläfer zusammen zu sehen. Ein weiteres Mal löste die Kamera in den Morgenstunden aus, „das einzige Foto in Farbe“, freut sich Ständer.

Spezielle Gartenschläferkobel

Durch die Wildtierkameras konnten in einem Gebiet von 20 Quadratkilometern an 17 weiteren Stellen Gartenschläfer nachgewiesen werden. „Das deutet auf eine noch gesunde Population hin“, erklärt Ständer. Für weitere Forschungen wurde der Naturpark Steinwald von der Unteren Naturschutzbehörde mit 32 speziellen Gartenschläferkobeln ausgestattet. Durch die Corona-Pandemie kam es allerdings zu einer Lieferverzögerung. „So konnten wir die Kobel erst im Mai befestigen. Da war die Nistzeit schon voll im Gange“, erklärt Ständer. Der Eingang zum Kobel befindet sich auf der baumzugewandten Seite. Durch die Öffnung passen Marder nicht hindurch, Vögel können den Kobel nicht als Nest nutzen.

Die Nistkästen sind an Bäumen in einem Gebiet vom Katzentrögl im Norden, über den Grand- und Schrambergfelsen und Räuberberg bis zum Vogelfelsen im Süden befestigt. „Das sind alles Stellen, an denen sich Blockmeere gebildet haben“, sagt Ständer. Dabei handelt es sich um eine Ansammlung von groben Steinblöcken, die durch Frostverwitterung umgeformt wurden.

Im Felsenmeer zu Hause

Die Schächte und Schluchten der Felsenmeere im Steinwald gefallen den Gartenschläfern besonders gut. „Vor allem die Spalten bieten den Tieren Schutz vor Fressfeinden wie Mardern oder Greifvögeln. Zudem ist es unter den Steinen warm und trocken, was sich für den langen Winterschlaf der Tiere eignet. Dieser dauert von Oktober bis April. Um den Winter zu überstehen, fressen sich die Tiere mit Insekten, Eiern, Früchten und Knospen einen Winterspeck an. „Statt 60 bis 90 Gramm wiegen die Tiere bis zu 130 Gramm“, erklärt Ständer. Nach dem Winterschlaf beginnt die Paarungszeit. Dann sind die Gartenschläfer am auffälligsten: Die Männer werben lautstark um die Weibchen, die mit lautem Pfeifen antworten. Nach vier Wochen bringen die Weibchen vier bis sechs Junge in Baumhöhlen, Nistkästen oder in selbst gebauten Nestern zur Welt.

Nach und nach wird Jonas Ständer die Kobel in den kommenden Wochen kontrollieren. „Im geschützten Bereich rund um den Räuberfelsen waren die Nester unberührt“, erzählt er. Der Ranger vermutet aber, dass die Kobel im nächsten Frühjahr besser angenommen werden.

Hintergrund:

Naturpark Steinwald

  • Am 12. Februar 1970 wurde der Verein Naturpark Steinwald in Friedenfels gegründet. Der Maler Walter Niedl entwarf das markante Logo mit Fels und Zipfeltanne.
  • Der erste Oberpfalzturm auf der Platte wird 1972 offiziell eröffnet. In den 1980er und 1990er Jahren wurde er mehrmals saniert. Im Jahr 2000 wird der neue Oberpfalzturm eingeweiht, der 33 Meter höher ist als sein Vorgänger.
  • Die "Verordnung über den Schutz des Steinwalds" wird 1973 erlassen. Darin ist nun die Bewahrung von Natur und Landschaft im Naturpark, der zu zwei Drittel als Landschaftsschutzgebiet ausgewiesen wurde, festgeschrieben.
  • Der Naturpark Steinwald nimmt Artenhilfsprojekte für Kreuzottern, Feuersalamander, Fledermäuse und Arnika ins Programm auf. 2016 wird der erste Luchs "Fee", 2018 "Hotzenplotz" im Steinwald ausgewildert.
  • Seit 2019 werden zwei hauptberufliche Naturpark-Ranger beschäftigt.

Lesen Sie hier alles über einen verhängnisvollen Schuss auf einen Luchs

Marktredwitz

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