Von dem noch immer bestehenden und seit Jahrhunderten verbrieften Holz-Bezugsrecht im heutigen Augsburger Wald profitieren derzeit 30 Anwesen in Fuchsmühl, die nach Angaben von Revierförster Eckhard Deutschländer 325 Ster Holz zugewiesen bekommen. Zurückblickend sei die Menge einmal deutlich höher gewesen.
Um die Brennholz-Bezugsrechte wurden Prozesse, am 30. Oktober auch eine Bauernschlacht geführt. Das traurige Resultat der blutigen Auseinandersetzung waren viele Leicht- und Schwerverletzte. Mit Leonhard Bauer und Georg Stock gab es auch Tote. Alle zehn Jahre, wenn ganz am Ende der Jahreszahl eine Vier steht, wird die Holzschlacht in Fuchsmühl zu einem besonderen Thema.
Aufruf zum "Generalmarsch"
Oktober 1894: Der Jahrzehnte andauernde Streit um das zugesagte, lange aber verweigerte Brennholz aus dem Lehenswald drohte zu eskalieren. Am 28. Oktober rief ein Unbekannter zum „Generalmarsch“ auf. Man war der Streitigkeiten überdrüssig geworden und fest entschlossen, sich das Holz auch unerlaubt zu holen. Am 29. Oktober 1894 zogen mutige und erboste Bürger, ausgestattet mit Werkzeugen, lärmend in den Wald, um in der Waldabteilung "Schrammlohe" zu arbeiten. Anführer war der damals 27-jährige Bürgermeister Josef Stock. Noch im Wald wurde er von herbeigerufenen Polizisten, auf Anordnung des damaligen Bezirksamtmannes Johann Nepomuk Wall, verhaftet und ins Gefängnis gesteckt. Zum nächsten Anführer wurde anderntags Josef Stocks 69-jähriger Vater Georg. Der auf ihn gezielte Bajonettstich war tödlich. An diesem Tag starb auch Leonhard Bauer: Der Kaufmann aus Fuchsmühl schleppte sich, ebenfalls getroffen von einem Stich mit dem stählernen Seitengewehr, ins nahe Tal. Unweit der Plattenmühle erlag auch er seinen Verletzungen.
In Fürstenhof lebt ein Nachfahre der Anführer: Wolfgang Stock. Er ist der Ururenkel des getöteten Georg Stock und Urenkel von Josef Stock. „Bereits als Kinder sind wir mit in den Wald hinaus, um uns das Rechtholz, das wir heute noch bekommen, zu holen“, sagt Wolfgang Stock. „Das Recht hat sich vor 130 Jahren ganz Fuchsmühl erkämpft.“ Bewusst sei ihm auch, dass der Urgroßvater und am anderen Tag der Ururgroßvater Anführer der Rebellen waren. Mehr aber, was die Ahnen betrifft, wisse er nicht. Für ihn habe das Holzrecht „nur noch einen ideellen Wert“.
Nahe der Straße in Fürstenhof steht ein Marterl mit der Inschrift „Zur Erinnerung a. d. 29. – 30. Okt. 1894. Gewidmet v. Josef Stock Fürstenhof 1932“. Aus den Prozessakten weiß man, dass Georg, Josef Stocks Vater, den Sohn bedrängt habe, das Holz eigenmächtig zu hauen. „Mein Vater war ein hartnäckiger Kopf“, wird Josef Stock in den im Frühjahr 1895 erstellten Gerichtsunterlagen zitiert.
Vater und Sohn dabei
Richard Vogl aus dem Fuchsmühler Ortsteil Bühl ist Enkel von Anton Vogl und Urenkel von Kaspar Vogl. Sie waren Holzrechtler und vor 130 Jahren im Wald dabei. „Oh je“, reagiert deren 79-jähriger Nachfahre Richard Vogl auf die Bitte, von Groß- und Urgroßvater zu erzählen. „Ich weiß nur, wie Anton ausgesehen hat, weil wir von ihm Bilder besitzen.“ Keine Fotografie habe er vom Urgroßvater. „Großvater und Urgroßvater waren im Familienkreis ein eher seltenes Gesprächsthema. Über die Holzschlacht, in einer Zeit, wo nicht nur hier große Not herrschte, redeten wir im Familienkreis überhaupt nicht." Und so hatte man lange Zeit auch gar keine Ahnung, "dass was passiert war". Es hätte ihn, als er noch jung war, "auch gar nicht interessiert".
Holz spielt bei der Familie Vogl nach wie vor eine Rolle. Richards Vater, Xaver Vogl, hat Holzschuhe geschnitzt. „Die mit Lederriemen an den Füssen befestigten hölzernen Sohlen dienten uns Kindern zum Heixeln auf dem Schnee“, erzählt Richard Vogl. Anders als früher habe das Rechtholz „keine große Bedeutung mehr“.
17 Bajonett-Stiche
Traurige Bekanntheit erlangte ein damals 31-Jähriger aus Fuchsmühl: Johann Fichtner, der 17 Bajonettstiche überlebt hatte. Dank der Prozessakten wurden Fichtners Aussagen dokumentiert. Im April 1895 erklärte er vor dem Richter, dass er auf sein Rechtholz lange Zeit gewartet habe. „Und als alles in den Wald ganga ist, bin ich halt auch ganga.“ Ein Soldat habe ihm befohlen: „Saubauer, schau glei, dass d' zum Wald naus kommst, ich stech die nieder!“ Fichtner habe „aus äußester Not“ mitgearbeitet. Nie hätte er geglaubt, dass man auch auf alte Leute einstechen würde.
„Das alles ist doch gar nicht mehr von Interesse“, heißt es von einem seiner späteren Verwandten bei einem Gespräch mit Oberpfalz-Medien. Der nicht in Fuchsmühl, jedoch in der näheren Region lebende Mann will namentlich nicht genannt werden. Über seinen Vorfahren Johann Fichtner wisse er nur, dass er in Fuchsmühl gewohnt hat, bei der Holzschlacht dabei war und schwer verletzt wurde. Ein Gemälde, wie Fichtner einem Soldaten die nackte Brust entgegenstreckt, ziert den Gasthof „Weißenstein“ in Fuchsmühl. Übernommen wurde das Kunstwerk für den Einbanddeckel des von Alfred Wolfsteiner im Jahr 1993 verfassten Buches „Die Fuchsmühler Holzschlacht 1894 – Chronologie eines Skandals.“
Entfernte Verwandtschaft zu Bischof
Lange glaubte man, Weihbischof Reinhard Pappenberger sei ein direkter Nachfahre des damaligen Rädelsführers und Kaufmanns Alois Pappenberger. „Auch ich meinte das einmal“, sagt der Bischof. „Heute muss ich das revidieren.“ Er habe recherchiert und herausgefunden, „dass wir zur Grafenwöhrer und nicht, wie einmal vermutet, zur Fuchsmühler Linie gehören“. Wahrscheinlich sei aber, „dass es Verbindungen gibt, die, je weiter man zurück geht, immer enger werden“.
Etliche Holzrechtler wurden im Prozess 1895 vor dem Landgericht Weiden zu Haft- und Geldstrafen verurteilt. Ins Gefängnis musste – bis auf wenige Ausnahmen und wegen anderer Delikte – jedoch niemand, weil die Rechtler am 18. Januar 1896 vom Prinzregenten Luitpold „im Namen seiner Majestät des Königs“ begnadigt worden waren.
Der Prozess im April 1895 am Landgericht Weiden
- Der Prozess fand vom 23. bis 27. April 1895 am Landgericht in Weiden statt.
- Das Urteil sprach der damalige Gerichtsvorsitzende Franz Xaver Lerno. Die Urteilsverkündung dauerte gut eine Stunde.
- Drei Fuchsmühler kamen mit einer Geldstrafe in Höhe von 637,67 Mark davon.
- Bürgermeister Josef Stock wurde zu viereinhalb Monate Gefängnis verurteilt.
- Krämer Alois Pappenberger bekam vier Monate Haftstrafe.
- Das Urteil für den Häusler Kaspar Vogl lautete auf drei Monate, das für seinen Sohn, Anton Vogl drei Monate und acht Tage.
- Johann Fichtner: musste eine Gefängnisstrafe von drei Monaten und acht Tagen hinnehmen.
Quelle: "Die Fuchsmühler Holzschlacht 1894 - Chronologie eines Skandals" von Alfred Wolfsteiner.





























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