07.10.2019 - 13:48 Uhr
FuchsmühlOberpfalz

Das Recht und das Gemetzel

Fuchsmühl gedenkt der Holzschlacht vor 125 Jahren. Das folgenschwere und entsetzliche Geschehen bleibt in Erinnerung.

Alle zehn Jahre werden die historischen Ereignisse in einem Festspiel nachgestellt. Viele Wochen lang dreht sich bei der Fuchsmühler Laienspielgruppe alles um den Oktober 1894.
von Werner RoblProfil

Montag, 29. Oktober 1894: Bereits dieser Tag ist in Fuchsmühl unvergessen. Schon einen Tag zuvor hatte man zu einem „Generalmarsch“ aufgerufen. Nachdem das rechtlich versprochene Brenn- und Stammholz erneut ausgeblieben war, vor allem aber weil ein Hungerwinter drohte, wollte man es sich gleich in der Frühe und ohne Erlaubnis selbst holen. Die jahrelangen Streitigkeiten mit Baron von Zoller hatten die verzweifelten und verbitterten Fuchsmühler mürbe gemacht. Ihr Ziel war die „Schrammlohe“, ein Waldstück bei Herzogöd.

Noch während man dort arbeitete, wurden Bürgermeister Josef Stock und die Kaufmänner Alois Pappenberger und Johann Reger in Gewahrsam genommen. Die übrigen gut 200 Leute vertrieben Oberförster Franz Xaver Grassmann und seine Forstleute aus dem Wald. Die Festnahmen – angeordnet durch Bezirksamtmann Johann Nepomuk Wall – zeigten aber keine Wirkung.

Die verzweifelten Fuchsmühler kündigten an, anderntags weiterzuarbeiten. Noch am Vorabend forderte Wall das 6. Königlich Bayerische Infanterieregiment aus Amberg an, das – in der Schrammlohe eingetroffen – am Nachmittag des 30. Oktober 1894 mit aufgepflanzten Bajonetten kurzen Prozess machte. Die traurige Bilanz des Gemetzels: 14 Leicht- und 4 Schwerverletzte. Zwei Greise, Georg Stock aus Triebendorf und der Fuchsmühler Leonhard Bauer, mussten an diesem Schicksalstag ihr Leben lassen. Die Urteile am Weidener Landgericht waren für die Rechtler niederschmetternd. Absitzen mussten sie die verhängten Gefängnisstrafen aber dann doch nicht. Die Gnade war dem Prinzregenten Luitpold zu verdanken, der die Fuchsmühler, denen Forstfrevel und Landfriedensbruch vorgeworfen wurde, vor dem Gefängnis bewahrte. Der Schwur „Das Recht is‘ unser“ aber blieb im Steinwalddorf tief verankert.

Alle zehn Jahre erinnern die Marktgemeinde und die Laienspielgruppe mit einem Festspiel an das blutige Ereignis, das sich vor 125 Jahren im Waldstück bei Herzogöd zugetragen hat. Der Theaterverein wirkt auch beim aktuellen Festakt mit und gestaltet am 12. Oktober neben den Festansprachen einen abendlichen Höhepunkt. Spielleiter Wolfgang Lang hat sich eine markante Szene herausgesucht. Geschrieben hat sie der Heimatautor Theo Schaumberger. Der Dialog zwischen den Holzrechtlern spielt im Bittnerschen Wirtshaus, wenige Stunden vor der Holzschlacht. Unterstützt wird das Bühnengeschehen zudem von den Mitgliedern des „Holzrechtler-Stammtisches“, die sich den „Rechtlerliedern“ widmen.

Seinen Auftakt nimmt das feierliche Gedenken aber bereits um 14.45 Uhr. Vorgesehen ist ein Besuch am historischen Ort, wo vor vielen Jahren bereits eine Erinnerungsstätte errichtet wurde. Im Anschluss daran werden beim gemeinsamen Rückmarsch – vorbei am neu angelegten „Holzschlacht-Gedenkweg“ - weitere Details zum damaligen Geschehen erläutert. Bei einem Kirchenzug und einem Gottesdienst in der Wallfahrtskirche gedenkt man der Toten im Gebet. Der öffentliche Festakt findet in der Mehrzweckhalle statt. Als Festredner konnte der leitende Forstdirektor a. D. und ehemalige Forstamtsleiter der Stadt Augsburg, Hartmut Dauner, gewonnen werden. Umrahmt wird der Abend vom Jägerchor der Partnergemeinde St. Leonhard in Südtirol. Die Bewirtung übernimmt die Fachschule für Hotel und Tourismusmanagement Wiesau.

Das Programm am Gedenktag:

Um 14.45 Uhr ist am Samstag, 12. Oktober, Abfahrt vom Rathaus Fuchsmühl zum Holzschlacht-Denkmal in der Schrammlohe (für Mitfahrgelegenheiten ist gesorgt). 15 Uhr: Eröffnung der Gedenkfeier am historischen Schauplatz. 15.15 Uhr Rückmarsch nach Fuchsmühl. 16 Uhr Ankunft im Rathaus-Foyer, wo Kaffee und Kuchen angeboten werden. 16.45 Uhr Aufstellung zum Kirchenzug; begleitet werden die Vereine und Fahnenabordnungen vom Musikverein Wiesau. 17 Uhr: Gedenkgottesdienst in der Wallfahrtskirche mit Pfarrer Joseph. Die Messe wird vom Kirchenchor musikalisch gestaltet. Ab etwa 18.30 Uhr folgt dann der öffentliche Festakt mit Rahmenprogramm in der Mehrzweckhalle. (wro)

In den Mittelpunkt des Festaktes am 12. Oktober rücken auch die Holzrechtlerlieder, deren Texte und Melodien auch heute noch gesungen werden.
Die Spielszene am Hackelstein ist in rotes Licht getaucht: Die Rechtler beklagen den Tod von Georg Stock. Von vielen Bajonettstichen schwer verletzt, wird Johann Fichtner (rechts) hereingeführt. Wenig später erliegt auch Leonhard Bauer seinen Verletzungen.

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