15.10.2019 - 14:31 Uhr
FuchsmühlOberpfalz

"A Schand‘ für’s ganze Bayernland"

Ein Höhepunkt im Gedenken an „125 Jahre Holzschlacht“ ist eine Theaterszene. Damit lenkt die Fuchsmühler Laienspielgruppe den Blick direkt auf das Jahr 1894 zurück: Von der "guten alten Zeit" blieb keine Spur auf der Bühne.

von Werner RoblProfil

Nach der Feier im Wald beim Holzschlacht-Denkmal erinnerte auch ein Gedenkgottesdienst an die blutigen Ereignisse vor 125 Jahren. „Die Politik stürzte das Land in eine tiefe Krise“, erinnerte Pfarrer Joseph an die damaligen Nöte, die auch Fuchsmühl zu spüren bekam. „Das Behütet- und Aufgehobensein bekam tiefe Risse.“ Schließlich sei den Menschen die wichtigste Einnahmequelle, das Rechtholz, weggenommen worden. "Das Volk begehrte auf. Die gute alte Zeit, wie man sie vom Königlich-Bayerischen Amtsgericht kennt, hat es nie gegeben“, fasste der Pfarrer in der Wallfahrtskirche zusammen.

Ziel danach war die Mehrzweckhalle. Bürgermeister Wolfgang Braun versprach, die Tradition beizubehalten, alle zehn Jahre auf die Holzschlacht zurückzuschauen. Es dürfe keine Jubelveranstaltung werden, mahnte das Gemeindeoberhaupt mit Blick auf die tragischen Momente. Er wies auf den ergänzend geschaffenen Gedenkweg zum Denkmal in der Schrammlohe hin, das vor 25 Jahren errichtet und nun deutlich aufgewertet wurde.

Nach der Holzschlacht entstanden auch viele Lieder, die von der Not und dem Zorn der Fuchsmühler erzählen. Eines davon ist das „Fuchsmühler Waldvögerl“. Anders als es der idyllische Titel vermuten lässt, beschreibt man darin die vorherrschende Not, aber auch die Resignation vor der Obrigkeit: „Ja wenn wir zum Derstech’n g’hörn, dann woll’n ma auch erstochen werd’n.“ Keiner hätte das Lied besser vorstellen können als der Holzrechtler-Stammtisch, der mit dem später gesungenen „Sechser-Lied“ den Spott der Bauern nachvollzog, den das bewaffnete Regiment ertragen musste. „Es is‘ a Schand‘ für’s ganze Bayernland, wenn so a Millig’sicht die alten Leit dersticht.“ Der Jägerchor aus der Partnergemeinde Sankt Leonhard im Passeiertal rief durch seine Mitwirkung Parallelen in beiden Orten wach.

Für den mit Spannung erwarteten Höhepunkt des Gedenktages sorgte die Fuchsmühler Laienspielgruppe. Regisseur Wolfgang Lang hatte eine markante Stelle aus dem Festspiel „‘s Recht is unser“ von Theo Schaumberger einstudiert. Albert Günther führte in die Bühnenszene ein. Mit lautem Glockenklang berichtete der "Gemeindeschreiber Burger", dass sich die Holzrechtler auf bittere Zeiten einstellen müssen. Der „Generalmarsch“ – angeführt vom damaligen Bürgermeister Josef Stock und Kaufmann Alois Pappenberger – wird zu einem Akt der Verzweiflung. Noch ahnt man nicht, dass nur zwei Tage später durch Waffengewalt eine erneute und diesmal blutige Niederlage folgt.

Alle zehn Jahre wird das Stück im Freien aufgeführt. Mit viel Applaus bedacht wurde der Ausschnitt zum greifbaren Moment des Andenkens. Zurück auf der leeren Bühne blieb eine bedrückende Stimmung. Ein Team von der Wiesauer Fachschule für Hotel- und Tourismusmanagement sorgte für das leibliche Wohl der vielen Gäste, die den Abend mit den gemeinsam gesungenen Landeshymnen Tirols und Bayerns ausklingen ließen.

Grußworte:

"Bank der Bauern"

Einen Gruß aus Sankt Leonhard formulierte Bürgermeister Konrad Pfitscher. Die Situation in seiner Heimat sei ähnlich gewesen, erinnerte er an den Freiheitskampf unter Andreas Hofer. „Die Passeier waren so arm, dass sie es gar nicht bemerkten.“ Der Wald sei die „Bank der Bauern“ gewesen, das Unrecht, das in Fuchsmühl geschah, ein Angriff auf die Menschen. „Ich finde es richtig, dass die Holzschlacht unvergessen bleibt.“

„Ehrliche und brave Leute wurden ihrer Rechte beraubt“, erinnerte stellvertretender Landrat Alfred Scheidler. „Positiv war die Tatsache, dass die Ereignisse 1894 und auch später die Leute zusammenschweißten“, sagte der Sprecher. Äußeres Zeichen seien die alle zehn Jahre wiederkehrenden Aufführungen am Naturdenkmal Hackelstein.

Als „etwas ganz Besonderes“ bezeichnete der leitende Forstverwalter Augsburgs, Jürgen Kircher, den Wald bei Fuchsmühl. Er sei geprägt vom Oberpfälzer Klima, aber auch von der Gesinnung der Menschen, die hier leben. „Ich bin froh, dass wir hier eine tüchtige Mannschaft haben“, dankte er stellvertretend dem Fuchsmühler Revierleiter Eckhard Deutschländer.

Hintergrund:

Festrede von Hartmut Dauner

Die Festansprache hielt Forstdirektor a. D. Hartmut Dauner. Seit 82 Jahren gehört das Waldgebiet, zu dem auch die historischen Stätten der Holzschlacht zählen, der Stadt Augsburg. „Ich fühle mich in der Oberpfalz wohl. Das Angebot, hier sprechen zu dürfen, war auch eine Chance, Fuchsmühl wieder einmal besuchen zu dürfen“, erklärte der 68-Jährige. "Man wählte den Widerstand“, blickte er auf 1894 zurück. „Recht haben und Recht bekommen klafften aber weit auseinander." Dauners Ansprache widmete sich nicht nur der Auseinandersetzung bei Herzogöd. In der von vielen Zahlen und Zeitungszitaten begleiteten Rede ging er auch auf den Erwerb des Forstes durch die Stadt Augsburg ein. Auch den aktuellen Zustand der Bäume kommentierte er: „Wir stehen vor großen Herausforderungen. Die Baumarten schwächeln.“ Nichts sei mehr so wie früher. „Kann der Klimawandel gestoppt werden?“, zeigte sich Dauner besorgt und schloss mit einem Zitat, das Martin Luther einmal verwendet haben soll: „Wenn ich wüsste, dass morgen die Welt unterginge, würde ich heute noch ein Apfelbäumchen pflanzen.“ Dem Ort wünschte er eine friedvolle Zukunft: „Ich habe mich in Fuchsmühl, mit seinem Wald und Weideland, immer sehr wohlgefühlt."

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