07.10.2020 - 16:54 Uhr
FuchsmühlOberpfalz

Schutzstreifen für alte Bäume

Der Schlosspark Fuchsmühl ist ein geschützter Landschaftsbestandteil. Kann ein Teil davon herausgelöst werden? Eine Frage für den Naturschutzbeirat. Doch das war nur ein Thema des Treffens.

Der Naturschutzbeirat traf sich zum Ortstermin im Fuchsmühler Schlosspark. Mit dabei Bürgermeister Wolfgang Braun (Fünfter von rechts).
von Katrin Pasieka-Zapf Kontakt Profil

Seit vierzig Jahren ist der Schlosspark Fuchsmühl als geschützter Landschaftsbestandteil ausgeschrieben. Von diesem Schutzstatus profitieren besonders alte Bäume, die nur unter bestimmten Bedingungen gefällt werden dürfen. Bereits vor einem Jahr, bei der letzten Sitzung des Naturschutzbeirats, stand die Herausnahme eines Flurstücks des Schlossparks auf der Tagesordnung. Allerdings konnte damals keine Entscheidung getroffen werden. Das Gremium verständigte sich deshalb auf eine Ortsbegehung.

Das weitläufige Areal des Schlossparks besteht aus mehreren Flurnummern, die alle der Schutzgebietsverordnung unterliegen. Bis 2019 befand sich der Schlosspark im Privatbesitz. Nach dem Tod der Eigentümerin boten die Erben die Flächen zum Kauf an. Den Schlosspark erwarb der Markt Fuchsmühl, das Wohnhaus und eine weitere Flurnummer ein privater Käufer. Diese Fläche ähnelt einem Gartengrundstück und soll aus der Verordnung herausgenommen werden. Allerdings befinden sich entlang der vierzig Meter langen Grundstücksgrenze eine Reihe schützenswerter Bäume.

Bäume schaffen lokales Klima

Bei der anschließenden Sitzung in der Mehrzweckhalle Fuchsmühl waren sich die Mitglieder schnell einig: Die Herausnahme aus der Schutzgebietsverordnung soll nur teilweise durchgeführt werden. Um den Eindruck eines geschlossenen Gehölzrandes zu wahren, soll an der Grundstücksgrenze ein fünf Meter breiter Streifen ein geschützter Landschaftsbestandteil bleiben.

Für Martin Wittmann sind „Bäume das Mittel gegen den Klimawandel“, da sie viel CO2 speichern können. Einer Herausnahme des Grundstücks stimme er nur zu, wenn sich „der Landkreis verpflichtet, mehr Verantwortung für Bäume und den Baumschutz zu übernehmen“. Wittmann: „Bäume erschaffen bei uns ein lokales Klima und müssen erhalten werden.“

Der Park kann der Allgemeinheit bald wieder zugänglich gemacht werden.

Claudia Fuchs, Untere Naturschutzbehörde

Der Beschluss wurde von den stimmberechtigten Mitgliedern einstimmig gefasst, die Untere Naturschutzbehörde soll die erforderlichen Verfahrensschritte einleiten.

Mit dem Kauf des Schlossparks verpflichtete sich der Markt Fuchsmühl, die Natur in diesem Bereich zu schützen. „Wir wollen den Baumbestand pflegen und den Parkcharakter wieder herstellen“, berichtete Bürgermeister Wolfgang Braun. Auch Claudia Fuchs von der Unteren Naturschutzbehörde ist guter Dinge, dass „der Park der Allgemeinheit bald wieder zugänglich gemacht werden kann“. Fuchs: „Es ist ein kleines Juwel“.

Dem Kormoran den Schlaf rauben

Der Naturschutzbeirat wird alle fünf Jahre zur fachlichen Beratung der Naturschutzbehörde neu gebildet – zuletzt im September vergangenen Jahres. Um sich und ihre Tätigkeit den neuen Mitgliedern vorzustellen, gaben Gebietsbetreuer Jacob Keller und Naturpark-Ranger Jonas Ständer einen kurzen Einblick.

Keller ist seit März 2018 als Gebietsbetreuer und Wildtiermanager beim Landkreis angestellt. Für Jäger und Teichwirte ist er erster Ansprechpartner, wenn es um Kormoran, Bibern und Mink geht. In Bezug auf den Kormoran konnten erste Erfolge mit der „Schlafbaumbejagung“ vorweisen. Dabei werden die Tiere in der Nacht gestört und suchen sich dann neue Reviere.

In Bezug auf die Nilgans regte Keller an, über die Jagdzeiten dieser Tiere zu diskutieren. Diese Vögel können von Frühling bis weit in den Herbst hinein brüten. Es sei deshalb schwierig Elterntiere von Einzeltieren zu unterscheiden. Übrigens: Sollten Wildschweine durch die Afrikanische Schweinepest verenden, gehört er einem Bergungstrupp an.

Hilfe für die Flussperlmuschel

Als Naturpark-Ranger sind Jonas Ständer und Marie Wittmann seit Juli vergangenen Jahres beim Naturpark Steinwald beschäftigt. Ständer berichtete von den verschiedenen Aufgaben und Anforderungen eines Naturpark-Rangers. Als Beitrag zur Landschaftspflege wurde in diesem Jahr der Riesenbärenklau gestutzt und die Standorte in Karten eingetragen.

Unter dem Aspekt der naturbezogenen Erholung und Besucherlenkung wurden Führungen durch den Naturpark angeboten. Besonders hob Ständer die Unterstützung von Forschungs- und Artenhilfsprojekten hervor. Bereits seit 2001 gibt es ein Projekt, dass das Aussterben der Flussperlmuschel verhindern soll. „Wir versuchen herauszufinden, wie man die Muschel retten kann“, erklärte Ständer. Hilfe soll es in Zukunft von einem Experten aus Tschechien geben. Ein Erfolg war auch das Monitoring-Projekt des Gartenschläfers. „An 17 Standorten konnten wir mit Wildtierkameras und Erdbeermarmelade den Gartenschläfer im Steinwald nachweisen“, berichtete Ständer. Im Herbst stehe noch das Ausbringen von Samen der stark gefährdeten Arnika an.

Über die Herausnahme eines Flurstücks beriet der Naturschutzbeirat im Schlosspark Fuchsmühl.

Hier lernen Sie Wildtiermanager Jacob Keller kennen

Hintergrund:

Naturschutzbeirat

  • Zur wissenschaftlichen und fachlichen Beratung wird bei allen Naturschutzbehörden in Bayern ein Naturschutzbeirat gebildet.
  • Der Beirat hat bei naturschutzrechtlichen Entscheidungen ein umfassendes Mitwirkungsrecht. So ist er beispielsweise bei der Ausweisung von Naturschutzgebieten oder vor behördlichen Entscheidungen von grundsätzlicher Bedeutung zu hören.
  • Im Naturschutzbeirat sind Fachleute aus den für Fragen der Ökologie bedeutsamen Grundlagendisziplinen wie Naturschutz, Landschaftspflege, Agrar- und Forstwesen sowie Repräsentanten von Naturschutz- und Landnutzungsverbänden vertreten. Die Amtsperiode dauert jeweils fünf Jahre.
  • Seit dem 27. September 2019 besteht der Naturschutzbeirat aus folgenden ordentlichen und stimmberechtigten Mitgliedern: Eberhard Freiherr von Gemmingen-Hornberg (Stellvertreter Karl Krämer), Ursula Schimmel (Vertreter Harald Hertel), Thomas Beer (Vertreterin Michaela Domeyer), Ely Eibisch (Stellvertreter Stephan Schübel) und Martin Wittmann (Vertreter Konrad Zier).

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