Wernberg-Köblitz
26.11.2025 - 17:15 Uhr
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Warum zwei Wernbergerinnen über der Beyer-Bäckerei zuckerfreie Zuckerhasen gießen

Tochter Nina und Mama Gaby Oberem aus Wernberg-Köblitz haben eine Zuckerhasenwerkstatt gekauft und lassen die uralte Tradition in einer bekannten Weidener Bäckerei neu aufleben. Es ist eine mutige Geschichte, die mit der Forschung begann.

Gaby Oberem ist 59 Jahre alt. Es ist ein Alter, bei dem andere schon langsam an den Ruhestand denken. Doch das passt nicht zu der Ingenieurin aus Wernberg-Köblitz. Circa ein Jahr ist es nun her, da hat sie eine Zuckerhasenwerkstatt gekauft. "Das kostet schon ein bisschen Geld, also alles, was ich noch hatte", sagt sie. Das Ersparte verschwand und die Zuckerhasenwerkstatt, die auch offiziell so heißt, ist nun da. Doch bis es überhaupt zu diesem Verkauf kam, war noch einige Überzeugungsarbeit zu leisten.

Denn Peter Segerer, ein Konditor aus Neumarkt in der Oberpfalz, wollte die Werkstatt inklusive Webshop zwar aus Altersgründen verkaufen, doch nicht an jeden. Zu sehr liegen die Zuckerhasen ihm am Herzen. "Was wollen jetzt zwei Ingenieurinnen mit meiner Zuckerwerkstatt?", habe sich der Peter Segerer wohl gefragt, erklärt Gaby Oberem. Was ihn am Ende doch überzeugen konnte? Unter anderem sei es das Rezept des Baguettes der "Traditionsbäckerei Beyer" in Weiden gewesen. Weil dort werde genauso gebacken, wie Segerer es liebt – traditionell eben. Die Geschichte der Oberpfälzer Zuckerhasen, sie hat viele Facetten und seit einem Jahr sind einige mehr hinzugekommen. Aber der Reihe nach.

Mit Masterarbeit fing es an

Die Oberems wurden Teil dieser Geschichte, als Tochter Nina (33) ein Thema für ihre Masterarbeit suchte. Sie studiert "Innovationsfokussierter Maschinenbau" an der OTH in Amberg. Schnell war klar: Es sollte etwas mit 3D-Drucken sein, doch welches Material soll verarbeitet werden? Die Studentin aus Wernberg-Köblitz entschied sich für Zucker. Denn das gibt es noch nicht. Ein Ziel soll unter anderem sein, ein zuckersüßes personalisiertes Hochzeitspaar für Torten auszudrucken. Doch die ersten Forschungen zeigten: Klassischer Zucker karamellisiert zu schnell. Deswegen hat Nina Oberem ihren 3D-Drucker so umgebaut, dass er mit Isomalt, das ist Zuckeralkohol, befüllt werden kann. Die Studentin hofft bereits im Februar erste Druckerfolge zu feiern.

Während ihre Tochter daran forscht, Zuckerfiguren zu drucken, erinnert das Gaby Oberem an eine alte Tradition aus ihrer Kindheit. "Das ist ja wie bei den Zuckerhasen", sagt sie sich. Sie liest sich in das Thema ein, findet zufällig das Verkaufsangebot von Peter Segerer und kauft ihm die Zuckerwerkstatt schließlich samt Webshop ab. "Ich denke schon, dass wir mutig sind", sagt Gaby Oberem, als sie im ersten Stock der Beyer-Bäckerei in Weiden steht. Die Beyers sind in Weiden berühmt, vor allem für ihre Brezen. Und sie sind mit den Oberems verwandt. Deswegen dürfen Gaby und Nina die Zuckerfiguren auch in der kleinen Küche über der Weidener Backstube in der Lerchenfeldstraße produzieren. Das alles sei eine große Hilfe und würde sie natürlich weiterbringen. "Es sind aber nicht nur die Räumlichkeiten, es ist auch das ganze Know-how hier", sagt Gaby Oberem, die fast 15 Jahre lang ein Naturkost-Fachgeschäft führte. Verschickt werden die Figuren dann aber aus Wernberg-Köblitz.

1000 Hasen für die Tonne

Der Anfang sei gar nicht so leicht gewesen, erklären Mutter und Tochter. Die Oberems hatten nur ein paar Wochen Zeit, um das schwierige Handwerk zu erlernen, bevor die wichtigste Verkaufszeit begann: das Osterfest. "Die ersten 1000 Hasen waren für die Tonne, und dann haben wir noch 7000 oder 8000 Hasen gemacht", sagt Gaby Oberem. Wunderbar sei es also dann gelaufen, das Geschäft im Frühjahr. Tag und Nacht hätten sie gearbeitet. Sie haben den Zucker erhitzt und natürliche Aromen hinzugefügt, um sie dann in alte schwere Metallformen zu gießen. Rasch wird die Flüssigkeit aus der Form wieder zurück in den Topf auf dem Herd gekippt, eine dünne Zuckerschicht bleibt dann an der Innenwand der Form haften. Nach einem kurzen Erkalten sollte sich die Figur aus der Form lösen. Sollte. Denn ob das wirklich so geschieht, entscheiden Geschick und richtiges Timing.

Die alten Formen aus Metall. Sie sind wichtig für die Arbeit von Gaby und Nina Oberem. Denn diese würden es erst möglich machen, viele Figuren in kurzer Zeit zu produzieren. Das spezielle 3D-Drucken wird von der Wernberger Studentin nun ja erst neu erforscht und Silikon-Formen, welche die Oberems auch teilweise nutzen, würden die Aushärtungszeit deutlich verlängern. Also ist Gaby Oberem online ständig auf der Suche nach diesen alten Formen, die das Zuckergießen ermöglichen. Es sind Figuren aus fast vergessenen Zeiten. Denn die Zuckerhasen sind eine alte Tradition aus Süddeutschland, die nach und nach von den Schokohasen verdrängt wurde.

Moderne Ideen

Sie seien in Europa sehr wahrscheinlich die einzigen, die Zuckerhasen in dieser Anzahl verschicken, vermutlich sogar weltweit, erklären Mutter und Tochter. Auch viele Konditoren würden bei ihnen einkaufen, weil diese das alte Handwerk nicht mehr ausüben wollen. Viel Konkurrenz haben sie auf diesem Nischenmarkt demnach nicht zu befürchten. "Am Stammtisch sage ich immer: 'Wir sind Weltmarktführer.' Ich glaube das stimmt auch", erklärt Gaby Oberem.

Doch auch, wenn es eine alte Tradition ist, welche die Wernbergerinnen neu beleben, an modernen Ideen mangelt es nicht. "Wir haben eine Marke eintragen lassen", sagt die 59-Jährige. Denn die Oberems stellen auch spezielle Drink-Drops her, die man beispielsweise zu Sekt oder Aperitifs geben kann. Auch Lutscher gehören inzwischen zum Sortiment. Das wichtigste Projekt steht aber nun aktuell an. Es läuft die Produktion für das Weihnachtfest, das neben Ostern zum zweiten festen Standbein im Jahresverlauf werden soll. Nun befüllen die Oberems eben weihnachtliche Figuren und Nikolaus‑Motive mit Zucker.

Obwohl das eigentlich nicht ganz stimmt, schließlich sind die Figuren, welche Gaby und Nina Oberem über der Weidener Beyer-Bäckerei herstellen, zuckerfrei. Denn auch für die alten Formen benutzen sie das moderne Isomalt. Das Süßungsmittel schmeckt genauso wie Zucker, verfügt dabei aber nur über die Hälfte der Süßkraft – und hat deutlich weniger Kalorien.

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