Fuchsmühl
02.10.2025 - 10:30 Uhr
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Windkraft im Naturpark: Enttäuschte Bürgerinitiative verlässt Sondersitzung des Fuchsmühler Gemeinderates

In der Sondersitzung des Fuchsmühler Gemeinderates kämpfte die Bürgerinitiative „Wirklich Windkraft im Naturpark?“, jedoch erfolglos. In den Augen der Windkraftgegner sei die Marktratsentscheidung ein Kniefall vor dem Planungsverband.

Gespalten bleibt die Meinung über die noch unverwirklichten Windräder im Teichelberg im Vorranggebiet TIR 29. In mancher Augen sind die Anlagen ein Beitrag zur Energiewende. Für andere, besonders für die Bürgerinitiative (BI) „Wirklich Windkraft im Naturpark?“, sind sie die Büchse der Pandora, weil nach Aussage der Bürgerinitiative das „sagenumwobene Kleinod Teichelberg“ zerstört werde. Kaum einleuchten will, dass dies ein Beitrag zum Klimaschutz sein soll. Für Hoffnung sorgte ein von der BI verfasster Bürgerantrag.

BI-Sprecherin wird vom Rederecht überrascht

In der Septembersitzung des Gemeinderates wurde dem Anliegen stattgegeben. Weil dieses in einer Sondersitzung behandelt werden sollte, folgten rund 30 BI-Vertreter einer Einladung ins Rathaus. Um Bürgernähe bemüht, übergab Bürgermeister Wolfgang Braun das Wort an die Sprecherin der BI, Christina Kretschmer. „Ich war völlig perplex und unvorbereitet“, erklärte sie gegenüber Oberpfalz-Medien nach der außerordentlichen Sitzung am Mittwoch.

Kretschmer nutzte das Zeitfenster für eine Stellungnahme: „Wir machen uns große Sorgen. Niemand konnte sich vorstellen, dass der Teichelberg einmal für den Klimaschutz und den Profit einiger Investoren gerodet wird. Der Wald schützt doch das Klima. Wir wollen doch nur das Beste für unser Daheim und deshalb sind wir hier.“ Die Argumente der Zuhörer, die versucht hatten, das Redeverbot auszuhebeln, wurden jedoch vom Bürgermeister und Marktrat Markus Troesch abgewürgt.

Keine neuen Aspekte

Ausdrücklich verdeutlichte Troesch, dass auch die Fuchsmühler CSU kein Fan der „nicht schönen“ Windräder sei, weil diese „das Landschaftsbild beeinträchtigen“. Wiederum sehe man die „gesamtgesellschaftliche Notwendigkeit, von der fossilen Energie los zu kommen". „Wir müssen das Große und Ganze im Auge behalten“, forderte der CSU-Fraktionssprecher. Die im Bürgerantrag vorgetragenen Aspekte Erholungszentrum, Landschaftsbild, Abstand zur Wohnbebauung, Ökosystem, Waldbrandgefahr, Geologie, Tektonik und Hydrogeologie habe man zur Kenntnis genommen.

„Die Argumente jedoch lieferten keine neuen Aspekte“, erklärte Troesch und verdeutlichte: Die verantwortliche Planungsbehörde sei der Regionale Planungsverband Oberpfalz-Nord, nicht Fuchsmühl. „Der Ober sticht den Unter. Hier gibt es kein gemeindliches Einvernehmen. Wir haben nur ein Mitspracherecht.“ Der Marktrat versicherte, dass „wir bei dem, was uns vorgelegt wird, genau hinschauen werden“. Gültig sei aber das Prinzip des kleineren Übels. Sollte es zum Windräder-Wildwuchs und zu einer Dekonzentrierung kommen, was bei einer Privilegierung der Fall sein könnte, "werden wir mit den Ohren schlackern“, verteidigte Troesch die Vorranggebiete und signalisierte eine Verringerung im Bereich Fuchsmühl um 20 Prozent auf rund 40 Hektar Wald.

Enttäuschte Windkraftgegner

Die Tatsachen unterstrich SPD-Fraktionssprecher Rainer Bleistein: "Wenn wir kein Gebiet melden, ist es nicht mehr steuerbar." FW-Sprecher Christopher April betonte: „Was wir nicht sehen, ist der Schattenschlag, weil die Anlagen einmal im Norden stehen werden.“ Sicher ein Thema sei laut April „der Eingriff ins Ökosystem“.

„Leider hat der Pechbrunner Gemeinderat ein Vielfaches der Mindestfläche ausgewiesen“, bedauerte Andrea Hecht. Leidtragende sei nicht Nachbargemeinde überm Teichelberg, „sondern wir und kleine Teile von Wiesau“. Verwundert war die CSU-Markträtin, dass gegen die Pechbrunner Ausweisung „nicht mehr Protest von der BI kommt“. Nach der Sitzung betonte Hecht gegenüber Oberpfalz-Medien: „Ich bin von Anfang an gegen die Windkraft an Land und finde, dass Anlagen im Wald nichts verloren haben. Die Flächen-Ausweisung wird uns von der Politik aufgezwungen. Besonders finde ich schlimm, dass keiner mehr dem anderen zuhört und dass sich, wie es den Anschein hat, die Fronten verhärten.“ Harald Bächer (CSU), Edwin Ulrich und Wolfgang Eiglmeier (beide SPD) schalteten sich in der Sitzung mit weiteren Argumenten beim Für und Wider ein.

Erneut folgten Rufe aus den Zuhörerreihen, die der Bürgermeister unterband: „Wir sind hier nicht in einem Wirtshaus.“ Noch sei kein einziges Windrad geplant und derzeit auch nicht gebaut. Nach Kräften versuchte Braun, Bürgernähe zu zeigen: „Wir nehmen die Forderungen sehr ernst und haben euch angehört. Jetzt haben die Markträte Rederecht“, forderte das Marktoberhaupt Disziplin und drohte, falls weiter Unruhe herrscht, mit dem sofortigen Abbruch der Sitzung.

Das Votum der Räte war für die BI deprimierend: Der Bürgerantrag wurde abgelehnt. Erneut versuchte ein Teil der Anwesenden, was den Bürgermeister wütend machte, gehört zu werden. Daraufhin verließ die erzürnte Bürgerinitiative den Saal. Der Punkt „Fortschreibung der Regionalplanung Oberpfalz Nord ‚Windkraft‘ – Stellungnahme im Rahmen der 2. Anhörung für die Ausweisung von Vorrangflächen für Windkraftanlagen“ wurde in Ruhe abgearbeitet. Aufnehmen in die Stellungnahme werde man von Seiten der Gemeinde den Hinweis, dass im Teichelberg geschützte Tiere leben und seltene Pflanzen wachsen. Beschrieben wird das ehemalige Bergwerk bei Fuchsmühl. Eingebunden werde die Forderung nach einem generellen Abstand von 1000 Metern zur Wohnbebauung. Geschlossen einigte man sich auf nur noch rund 40 Hektar als Vorranggebiet für Windenergie.

Hoffen auf Retter in der Not

„Wir sind verärgert und enttäuscht“, bedauerte nach der Sondersitzung Michael Zuber den „Kniefall“ vorm Regionalverband. „Wiesau verkleinert die Flächenausweisung um 50 Prozent, Fuchsmühl nur um 20 Prozent, Pechbrunn um null.“ Zuber, der zweite BI-Sprecher, nahm an, dass Fuchsmühl bestrebt sei, „das geforderte Flächenziel zu retten“ und versicherte: „Wir kämpfen weiter. Vielleicht kommt ein Retter in der Not.“

Fuchsmühl30.09.2025
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