18.06.2018 - 19:20 Uhr

Gänserich stolz auf den Nachwuchs

Die „Bayerischen Landgänse“ überleben nur in geschützten Biotopen wie dem Oberpfälzer Freilandmuseum. Jetzt haben sie Nachwuchs bekommen.

Mama und Papa Gans passen auf ihre Küken auf. Harald Mohr
Mama und Papa Gans passen auf ihre Küken auf.

Nicht zu nahe treten, sonst wird der Gänserich nervös. „Wenn er wütend wird, fliegt er einem direkt ins Gesicht“, warnt Markus Wilhelm, einer der gelernten Landwirte, die sich im Oberpfälzer Freilandmuseum Neusath-Perschen um Pflanzen und Tiere kümmern.

Der Gänserich hat allen Grund, auf seine Brut aufzupassen: Gerade sind die zehn Küken geschlüpft. Und auch, wenn der Gänserich das nicht weiß: Es sind die letzten ihrer Art. Die „Bayerische Landgans“ überlebt nur in geschützten Biotopen wie dem Oberpfälzer Freilandmuseum.

Noch vor einem halben Jahrhundert wurde die „Bayerische Landgans“ bis auf Oberbayern in allen bayerischen Bezirken gehalten. Das Geschnatter und die Gänseherden auf den Wiesen prägten das Bild der ländlichen Regionen.

Die Hut wurde an Personen mit wenig Ansehen oder Kinder delegiert („Gänseliesl“). Im Jahr 2013 zählte die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung in Deutschland nur noch 36 Ganter und 45 Gänse dieser Rasse auf und trug die Rasse in die Rote Liste der gefährdeten Haustierrassen als „extrem gefährdet“ ein.

Die Gänse, die wir heute in den Tiefkühltruhen der Supermärkte finden, stammen aus Hochleistungszüchtungen in Osteuropa. Gänse lebten früher meist nur ein Jahr, während dem sie gestopft und immer wieder gerupft wurden. Vor dem Martinstag und vor Weihnachten wurden sie geschlachtet. Die Daunen dienten zur Füllung von Betten (siehe auch Sprüche wie „Raus aus den Federn!“).

Aus den Federkielen wurden Schreibspitzen gefertigt. Daher sagt man noch heute: „Er schreibt mit spitzer Feder“ oder „Der Text ist ihm aus der Feder geflossen“. Der Ausdruck „federleicht“ kommt daher, dass eine Gänsedaune nur ein bis zwei Milligramm wiegt. (moh)

Info:

Die Bayerische Landgans

Die Bayerische Landgans ist der Wildform, der Graugans (anser anser) noch sehr nahe. Eine gezielte Rassezucht wurde bei Gänsen lange nicht gemacht. Die vielen Farbschläge wurden womöglich nur herausgezüchtet, damit die Gänsehalter ihre Tiere von den anderen unterscheiden konnten, die gemeinsam auf der Dorfwiese weideten. Genetisch unterscheiden sich die Schläge untereinander und die Graugans fast nicht. Die Bayerische Landgans zeigt auch ein ähnliches Verhalten wie die Graugans und ist wie diese noch voll flugfähig. Dies nutzt sie aber nicht und bleibt standorttreu. Außerdem sind sie monogam und das lebenslange Paar kümmert sich gemeinsam um die Aufzucht der „Gössel“ genannten Küken. In einem Gelege befinden sich zehn bis zwölf Eier. (moh)

Landwirt Markus Wilhelm freut sich über den Gänse-Nachwuchs. Die Rasse steht auf der Roten Liste der gefährdeten Haustierrassen als „extrem gefährdet“. Harald Mohr
Landwirt Markus Wilhelm freut sich über den Gänse-Nachwuchs. Die Rasse steht auf der Roten Liste der gefährdeten Haustierrassen als „extrem gefährdet“.
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