Gärmersdorf, 27. Juli 1983: (K)ein Rekord für die Ewigkeit

Armin Ressel weiß es noch, als wäre es erst gestern passiert. "Das war ein richtiger Wüstenwind, der da von Kümmersbruck hochzog." Ein sehr heißer Wind vor allem. Wie heiß, das hielt Ressel fest: 40,3 Grad - ein Rekord für die Ewigkeit.

Armin Ressel hat alles noch daheim: Das akribische Messprotokoll des 27. Juli 1983 besitzt er noch und auch die offizielle Bestätigung des Gärmersdorfer Wetterrekords durch den Deutschen Wetterdienst. Hier ist übrigens noch von 40,3 Grad die Rede.
von Andreas Ascherl Kontakt Profil

Es hat sich schon abgezeichnet, in jenem Super-Juli 1983: 25 der 31 Tage tauchen in der Statistik als Sommertage auf, an denen die Temperaturen über 25 Grad steigen, 15 davon gelten gar als Tropentage mit Spitzen von 30 Grad und mehr. Und da ist dieser 27. Juli 1983, der Tag an dem der Leiter des Geophysikalischen Messzugs der Bundeswehr in der Gärmersdorfer Schweppermannkaserne, eben jener Regierungsamtmann Ing. Grad Armin Ressel, den richtige Riecher hat. "Es hatte sich ja schon am Tag vorher abgezeichnet", sagt der heute 83-Jährige.

Es hat sich schon abgezeichnet, in jenem Super-Juli 1983: 25 der 31 Tage tauchen in der Statistik als Sommertage auf, an denen die Temperaturen über 25 Grad steigen, 15 davon gelten gar als Tropentage mit Spitzen von 30 Grad und mehr. Und da ist dieser 27. Juli 1983, der Tag an dem der Leiter des Geophysikalischen Messzugs der Bundeswehr in der Gärmersdorfer Schweppermannkaserne, eben jener Regierungsamtmann Ing. Grad Armin Ressel, den richtige Riecher hat. "Es hatte sich ja schon am Tag vorher abgezeichnet", sagt der heute 83-Jährige.

Um 8.30 Uhr 30 Grad

Ressel liegt mit seiner Vermutung sehr richtig, wie sich später herausstellt. Denn schon um 8.30 Uhr am Morgen fällt die 30-Grad-Grenze. Und das Thermometer steigt und steigt und steigt. "Wir waren mitten im Hochdruckgebiet an diesem Tag", erinnert sich der pensionierte Geophysiker an den 27. Juli. Immer wieder kratzt der Thermograph, der die Temperatur akribisch auf einem Messstreifen aufzeichnet, die 40 Grad. Um 14 Uhr am frühen Nachmittag schnellt die Messung schließlich auf die unglaublichen 40.3 und hält die auch - was wichtig ist für die Anerkennung als deutscher Temperaturrekord. Übrigens bei einer Luftfeuchte von nur 13 Prozent. Es ist sehr trocken und sehr heiß an diesem historischen Tag im Juli.
Auch die Gegenmessung mit einem Handgerät bestätigt die Rekordtemperatur. "Das war später wichtig", erzählt Armin Ressel, der damals nicht ahnt, was für ein Papierkram da auf ihn zukommt, bevor er am 7. Februar 1984 endlich die Urkunde mit der offiziellen Anerkennung in Händen hält: 40,3 Grad Celsius, gemessen am 27. Juli 1983 in Gärmersdorf, wo die Schweppermannkaserne beheimatet ist. Unterzeichnet und verbrieft vom Deutschen Wetterdienst, der offiziellen Stelle, die für die Anerkennung von Wetterrekorden zuständig ist.

40,2 oder doch 40,3?

Aber warum redet Armin Ressel immer von 40,3 Grad? In allen offiziellen Unterlagen ist doch von 40,2 die Rede. Hier betritt Jörg Kachelmann die Bühne. Denn der Schweizer Meteorologe verändert den Gärmersdorfer Rekord nach der Erinnerung von Armin Ressel im Nachhinein noch einmal. Kachelmann gründet 1991 seine private Meteomedia AG und macht damit dem Deutschen Wetterdienst ordentlich Konkurrenz.
Am 8. August 2003 misst nun eine Kachelmann-Station im saarländischen Perl-Nennig zunächst 40,8 Grad, die vom Deutschen Wetterdienst später auf 40.3 Grad reduziert, um am Ende überhaupt nicht als offizieller Rekord anerkannt zu werden. "Der Kachelmann wollte den Rekord unbedingt haben", sagt Ressel. Und offenbar sei Kachelmann nach Aberkennung seines Rekords unangenehm geworden, was die Gärmersdorfer Spitzenmarke angehe. Der Deutsche Wetterdienst habe diesen nach erneuter Auswertung des amtlichen Messstreifens dann auf 40,2 Grad reduziert. "Ich habe noch einmal insistiert, doch da war nur noch Schweigen im Walde", sagt Ressel. Übrigens vollkommen ohne Groll. Obwohl ihm der Hitzerekord sehr viel bedeutet hat, wie er freimütig zugibt. Natürlich hat er noch alle Unterlagen daheim und selbstverständlich ist er an seinem Wunschtermin, am 27. Juli 1993, in Pension gegangen - exakt zehn Jahre nach der Rekordmessung. Ganz offiziell gilt heute: Seit dem 5. Juli 2015 ist Gärmersdorf den Hitzerekord an Kitzingen in Mainfranken los, von wo die 40,3 Grad bestätigt sind, die für Gärmersdorf doch auch so lange gegolten haben. Fast 32 Jahre hielt die zwischenzeitlich reduzierte Gärmersdorfer Marke also, bevor sie im Zeichen des fortschreitenden Klimawandels gestürzt ist.

Es wird heißer

"Heute fallen die Temperaturen ja wesentlich höher aus", stellt Armin Ressel fest, der befürchtet, dass Mitteleuropa immer mehr auf ein Wüstenklima zusteuert. Damals, 1983, zieht von Kümmersbruck schon einmal eine sehr heiße Vorahnung herauf, wie das dann sein könnte.

Oder 39,7 Grad?:

Der Artikel in der Amberger Zeitung vom 28. Juli 1983 lässt zunächst einmal stutzen: "39,7 Grad sagte das elektronische Messgerät der Geophysiker", ist hier zu lesen. Dabei waren es doch 40,3 Grad, wie wir heute wissen. Warum die Meldung in dieser Form zustande kam, daran kann sich heute niemand mehr so genau erinnern. Armin Ressel nicht, der damals gemessen hat, und Robert Stammler auch nicht, der als junger Redakteur den Anruf beim Geophysikalischen Messzug tätigte. Eine Erklärung: Das Telefonat erfolgte vor Erreichen des Temperatur-Maximums. Damals glaubte man noch, dass die höchste Tagestemperatur um die Mittagszeit herum erreicht wird. So zeigt das Protokoll, das Armin Ressel noch heute besitzt, für 12.45 Uhr eine Messung mit dem speziellen Tetalux-Gerät von 39,7 Grad. Um 13.20 Uhr zeigt das Tetalux dann schon 40,3 Grad. Die erst später ausgewertete Thermograph-Aufzeichnung bestätigt diese Messung ebenfalls. Übrigens: Bevor Gärmersdorf den deutschen Hitzerekord aufstellte, besaß ihn seit dem 8. August 1892 die Stadt Amberg. Gemessen von einer Wetterstation auf dem Mariahilfberg: 39,8 Grad. (ass)

Stellungnahme auf der Presseseite des Deutschen Wetterdienstes aus dem Jahr 2015, warum es zu den 40,2 Grad gekommen sein soll.

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