Gebenbach
12.05.2026 - 08:54 Uhr
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Gebenbach feiert 50 Jahre neue Pfarrkirche

In diesem Jahr blickt die Pfarrgemeinde Gebenbach voller Freude auf ihr Gotteshaus, dessen Weihetag sich heuer zum 50. Mal jährt. Der damalige Diözesanbischof Rudolf Graber hatte am 23. Mai 1976 das Bauwerk konsekriert.

Wer Anfang der siebziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts den verwahrlosten Zustand der Gebenbacher Pfarrkirche sah, konnte meinen, dass die Gebenbacher nicht viel für ihr Gotteshaus übrighätten. Der Kirchenneubau in den Jahren 1974 bis 1976 bewies jedoch das Gegenteil. Bereits Jahrzehnte zuvor erschien ein Kirchenumbau beziehungsweise Neubau als notwendig. Für eine Kirchenerweiterung lagen zuvor schon einmal die genehmigten Baupläne vor. In einer Pfarrversammlung am 19. März 1970 wurde mit den Pfarrangehörigen ausgiebig die Frage Umbau oder Neubau erörtert. Bei einer sich anschließenden Abstimmung entschied sich eine große Mehrheit für den Neubau.

Die Kirchenverwaltung betrachtete dieses Votum als Auftrag und machte sich an die Arbeit. Treibende Kräfte waren dabei neben dem damaligen Ortsgeistlichen Robert Weiß vor allem der Pfarrgemeinderatsvorsitzende Alfons Schöpf und der Kirchenpfleger Martin Siegert. Zusammen mit den anderen Mitgliedern der Kirchenverwaltung gingen sie die Neubauplanung an. Bereits im Spätherbst 1973 wurde mit der Verfestigung der Fundamente von Turm und Altarraum begonnen. Diese sollten erhalten bleiben und in das neue Bauwerk integriert werden. Im Frühjahr 1974 erfolgte dann der Abbruch des Langhauses.

Großes Unglück 1974

Bald darauf lieferte am 24. April 1974 der Einsturz des 38 Meter hohen Kirchturms Schlagzeilen, die es bis in die Abendnachrichten des Fernsehens schafften. Glücklicherweise kamen dabei keine Menschen zu Schaden. Langwierige Ermittlungen und Verhandlungen lähmten jedoch den Baufortschritt, der erst Anfang August wieder fortgeführt werden konnte. Beim Neubau handelt es sich um den Nachfolgebau der früheren barocken Kirche. Architekt Friedrich Schwertle aus Regensburg hatte den Zentralraum als sechseckigen Grundriss konzipiert. Die Raumwirkung wird dabei wesentlich von der Lichtführung bestimmt. Um den Raum einheitlich zu umfassen, musste aus einer Abfolge von Mauerpfeilern und je Seite drei, vom Boden bis zum Kranz durchgehenden Fenstern eine Form gefunden werden, welche die Abfolge der 15 Fenster und der Wandpfeiler untereinander verbindet. Helmut Kästl gestaltete die Betonglasflächen deshalb durch ein Band, das stufenförmig den Raum umschlingt und konzentriert. Ein breiter Ringanker und ein Zeltdach runden das Bauwerk ab. Im Osten schließt sich über die Eckstellung der Kirche der zweijochige Chor der alten Kirche sowie der nach altem Vorbild erneuerte Turm an. Helmut Kästl gestaltete ebenfalls den in Sgraffitotechnik ausgeführten Kreuzweg. Dieser wiederholt in 15 Stationen das umlaufende Band.

Bischof Rudolf Graber beglückwünschte damals im Rahmen der Konsekration die Gebenbacher und dankte ihnen für ihren Bekennermut. Die Zeremonie wurde von den Gebenbachern mit großer Aufmerksamkeit verfolgt. Wann könne man schon eine Kircheneinweihung „live“ miterleben? Bischof Rudolf pochte zu Beginn an das Portal der Kirche und begehrte mit Gottes Segen Einlass in das Gotteshaus. Ein besonders feierlicher Akt war auch die Weihe des Altars und die Erneuerung von Reliquien von drei Heiligen. Dabei handelt es sich um den Heiligen Peter Chanel, die Heilige Hyazinth und den Heiligen Karl Lwanga. Die sterblichen Überreste des letztgenannten Heiligen besorgte der aus der Pfarrei stammende Missionar Pater Georg Schindler aus Uganda, der zur Weihe jedoch leider selbst nicht anwesend sein konnte.

18,5 Meter langer Spitzwecken

In seiner Festpredigt sprach sich Bischof Graber gegen eine Kirche als Mehrzweckhalle aus. Man versuche verschiedentlich in der Kirche alles Mögliche abzuhalten, jedoch bräuchten wir Stätten der Ruhe und Anbetung, so der Oberhirte. Mit dem feierlichen Schlusssegen und dem Te Deum wurde die sakrale Kirchenweihe beschlossen.

Ein originelles Ereignis gab es nach dem Gottesdienst. Aus einer Scheune wurde ein 18,5 Meter langer Spitzwecken zum Dorfplatz gebracht. Diesen hatte die Gebenbacher Landjugend bei Bäckermeister Hans Kredler in Auftrag gegeben. Er war mit Kerzen, Girlanden, Brezeln und Spitzeln künstlerisch geschmückt und wurde von den Jugendlichen getragen. Pfarrer Robert Weiß verkaufte dann den Spitzwecken an die Gottesdienstbesucher zugunsten des Kirchenneubaus. Bei einem Preis von einer Mark je Zentimeter ging er weg wie warme Semmeln.

Nach dem Eintrag des Bischofs ins goldene Buch der Gemeinde überbrachte der damalige MdL Hans Wagner die Glückwünsche der Regierung. Er lobte dabei die Gebenbacher, dass sie allen Widerwärtigkeiten zum Trotz ihr Werk vollendet und auch den eingestürzten Turm wieder aufgebaut hätten. Denn allenthalben fehle es in unserer Zeit an inneren Werten des Lebens, so Wagner. Landrat Hans Raß gratulierte den Gebenbachern ebenso zu diesem stolzen Bau auf historisch geweihtem Boden, als ein sichtbares Wahrzeichen der Heimat. Pfarrgemeinderatsvorsitzender Alfons Schöpf beschloss einen ereignisreichen Tag mit seinem Dank.

Kirwa erinnert an Weihetag

Die Pfarrgemeinde erinnert mit verschiedenen Aktionen während des ganzen Jahres an dieses Ereignis. Höhepunkt der Feierlichkeiten ist ein Pontifikalgottesdienst zur Erinnerung an den Weihetag, mit Weihbischof Reinhard Pappenberger am kommenden Sonntag, 17. Mai, um 9.30 Uhr (Aufstellung zum Kirchenzug ab 9 Uhr am Kindergarten). Hierzu sind besonders auch die Vereine und Verbände mit ihren Fahnenabordnungen, aber auch alle Pfarrangehörigen eingeladen. An diesem Tag findet in Gebenbach auch die alljährliche traditionelle Kirchweih statt. Dabei soll auch die Aktion mit dem Spitzwecken in etwas kleinerer Form nochmals aufgegriffen werden. Wie vor 50 Jahren wird der Spitzwecken zugunsten des Unterhalts der Pfarrkirche gegen Spenden abgegeben. Als Orientierung bleibt wie damals die Maßeinheit gleich, jedoch nicht mehr eine Mark pro Zentimeter, sondern mindestens ein Euro je Zentimeter. Wie in jedem Jahr wird auch heuer wieder am Nachmittag der Kirwabaum von den 16 Kirwapaaren ausgetanzt. Den Festtag rundet am Abend um 18.30 Uhr eine musikalische Festandacht in der Pfarrkirche mit dem Ensemble „VOICES“ unter der Leitung von Manuela Falk ab.

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