18.04.2019 - 18:15 Uhr
GebenbachOberpfalz

Hitzige Debatte: Nitrat im Grundwasser

Landwirtschaft, Wasserwirtschaft, Landwirtschaftsamt: In Gebenbach prallen die Meinungen aufeinander. Zum Thema Düngeverordnung und Nitrat im Grundwasser gab es eine hitzige Debatte.

Keinen leichten Stand hatten (von links) Helmut Jahn, Hans Weiß und Mathias Rosenmüller (WWA) bei der von MdL Harald Schwartz (Dritter von rechts) kurzfristig initiierten Diskussionsrunde. In die brachten auch BBV-Obmann Peter Beer (Zweiter von rechts) und ALEF-Pflanzenbauberater Wolfgang Wittmann (rechts) ihre Ansichten ein.
von Autor GFRProfil

Heftiger Kritik ausgesetzt sah sich das Wasserwirtschaftsamt (WWA) Weiden bei einer von Landtagsabgeordnetem Harald Schwartz initiierten Informationsrunde im Gasthof Zur Blauen Traube in Gebenbach. Dort wurde unter anderem der Vorwurf laut, dass sich das WWA auf derartige Fachgespräche besser vorbereiten müsse.

Hohe Nitratbelastung

Nitrat im Grundwasser spiele im Gebenbacher Gemeindebereich eine große Rolle, sagte Schwartz bei der Diskussionsveranstaltung. Er wies darauf hin, dass die Landwirtschaft mit Argusaugen beobachtet werde. Die "roten Gebiete" - Flächen mit besonders hoher Nitratbelastung - seien nicht durch seine Behörde ausgewiesen worden, erklärte Mathias Rosenmüller, der Leiter des Wasserwirtschaftsamt Weiden. "Unsere unmittelbar aneinander grenzenden Grundwasserkörper sind die Bodenwöhrer Senke und der Hahnbacher Sattel", betonte Helmut Jahn, Fachbereichsleiter Grundwasser beim WWA. Über Bayern seien fast 600 Messstationen verteilt, die die Nitratbelastung des Grundwassers ermittelten. Im Hahnbacher Sattel gebe es 32 Messstellen, von denen sechs eine hohe Nitratbelastung feststellten.

Je nach Überschreitung bestimmter Schwellenwerte würden Maßnahmen zum Schutz der Gewässer vor Verunreinigung durch Nitrat oder Phosphat angeordnet. So müssten in "roten Gebieten" Bodenproben entnommen werden, um festzustellen, welche weiteren Mengen Stickstoff ausgebracht werden dürfen.

"Schluss mit lustig"

Dann war "Schluss mit lustig": Bei diesem Thema gehe es um Existenzen, um unvorhersehbare finanzielle Folgen für die Landwirtschaft, wie es ein aufgebrachter Diskussions-Teilnehmer ausdrückte. Mit dem Düngeverhalten der Bauern werde die hohe Nitratbelastung begründet - aber was aus Kläranlagen, durch Streusalz und Adblue (Zusatz zur Abgasnachbehandlung) in die Umwelt gerate, bleibe außen vor. "Wir Bauern sind grundsätzlich an allem schuld, aber tatsächlich dafür können wir nichts."

Hans Weiß, Abteilungsleiter im WWA. sagte, dass seine Behörde die hohen Messwerte im Hahnbacher Sattel zwar festgestellt, aber überhaupt nicht der Landwirtschaft angelastet habe. Harald Schwartz meinte, wenn die Landwirte nicht die Verursacher seien, dürften sie auch nicht sanktioniert werden. Von immensen Existenzängsten vieler Bauern berichtete ein Berater eines großen bayerischen Agrarlieferanten. Ihm persönlich mache die bevorstehende Europawahl Angst, weil die CSU beim geringsten Widerstand einknicke - und das spiele Populisten in die Karten. Das Bundeslandwirtschaftministerium habe die Düngeverordnung ausgearbeitet, betonte Wolfgang Wittmann, Pflanzenbauberater beim Landwirtschaftsamt. Daran müssten sich auch bayerische Landwirte halten.

Hintergrund:

Messtellen-Willkür?

Wie wird der Messstellen-Standort festgelegt? Das wollte BBV-Obmann Peter Beer wissen. Er fragte nach „Messstellen-Willkür“: Wenn 20 Prozent der Anlagen eine Grenzwertüberschreitung meldeten, gelte der Bereich als „rotes Gebiet“, also stark belastet. BBV-Bezirksgeschäftsführer Hubert Hofmann warf dem WWA vor, dass es für die Einordnung „rotes“ oder „grünes Gebiet“ keine nachvollziehbare Erklärung gebe: Die Landwirtschaft koche deshalb. Zu überlegen sei, ob man gegen die Düngeverordnung juristisch vorgehen sollte. Bei ihrer Erarbeitung sei von falschen Voraussetzungen ausgegangen worden. Harald Schwartz zeigte Verständnis für die Sorgen der Landwirte. Er sagte, er werde in seiner Fraktion das Verursacherprinzip thematisieren und die ihm überreichte mehrseitige Kritik an Düngeverordnung und roten Gebieten der Landwirtschaftsministerin zuleiten.

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